Marco Vorbeck beim Training des SV Babelsberg 03. (Quelle: imago/Matthias Koch)
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Regionalliga-Serie | SV Babelsberg 03 - Leidenschaft statt großer finanzieller Sprünge

Neuer Trainer, große Herausforderung: Ex-Bundesliga-Stürmer Marco Vorbeck gibt beim SV Babelsberg 03 sein Debüt als Chef im Herrenbereich: mit einer jungen Mannschaft, gekürztem Etat und der Devise: Nur nicht absteigen! Von Uri Zahavi

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele.  Der neunte Teil der Serie widmet sich dem SV Babelsberg 03.

Eine Karte zeigt die Vereine der Regionalliga Nordost 2019/2020 (Quelle: Imago/ Montage: rbb)
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Die sportliche Ausgangslage

Kurz und prägnant ausgedrückt: Der ehemalige Zweitligist SV Babelsberg 03 steht für sportliche Konstanz. In den vergangenen vier Spielzeiten in der Regionalliga Nordost trudelten die Babelsberger stets zwischen dem fünften und siebten Tabellenplatz ein. Abstiegsgefahr? Fehlanzeige! Aufstiegschancen? Fehlanzeige!

Die Potsdamer standen in der vergangenen Saison unter Klublegende und Coach Almedin Civa nicht unbedingt für begeisternden Offensivfußball - das soll in dieser Spielzeit anders werden. Nach 20 Jahren im Verein als Spieler, Sportdirektor und schließlich Trainer, verlängerte Civa seinen Vertrag bei den Kiezkickern nicht - und leitete den Umbruch so quasi  selbst ein. Sein Nachfolger an der Seitenauslinie kennt sich mit Angriffsfußball aus und ist ein großer Name: Ex-Bundesligastürmer Marco Vorbeck soll bei seiner ersten Cheftrainer-Station im Herrenbereich für neue Impulse sorgen. "Wir treten jetzt offensiver und ein bisschen mutiger auf, pressen mehr. Wir spielen auch ein anderes System", beschreibt Kapitän Philip Saalbach die Erkenntnisse der Vorbereitung.

Apropos Vorbereitung: Die verlief bei den Babelsbergern alles andere als problemfrei. Der Vorjahressiebte hatte mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. Neben Kapitän Saalbach, der sich an der Patellasehne verletzte, mussten die Babelsberger immer wieder Ausfälle und Hiobsbotschaften verkraften. "Mit elf oder zwölf Mann war das teilweise schon sehr unangenehm", konstatierte Trainer Vorbeck. Dementsprechend durchwachsen lesen sich die Testspielergebnisse: Neben einem ungefährdeten Kantersieg gegen einen unterklassigen Gegner musste man sich mit mehreren Unentschieden und schließlich bei der Generalprobe mit einer 0:1-Niederlage gegen Nord-Regionalligist HSC Hannover begnügen.

Seit Jahren muss sich der SV Babelsberg mit einem vergleichsweise geringen Etat durchschlagen. Auch in dieser Saison setzen die Brandenburger wieder auf "junge, entwicklungsfähige Spieler", wie es Marco Vorbeck beschreibt.

Die Neuen

Business as usual auch vor dieser Spielzeit: Zehn Abgängen stehen neun Neuzugänge gegenüber. Mit Manuel Hoffmann verloren die Babelsberger ihren zweitbesten Torschützen und einen der Mittelfeldmotoren. Auch Stamm-Linksverteidiger Lukas Wilton verabschiedete sich nach zwei Jahren im Karl-Liebknecht-Stadion Richtung FSV Frankfurt. Franko Uzelac, eines der vielversprechendsten Talente in Reihen der Potsdamer, nutzte wie so viele zuvor den SVB als Sprungbrett und wechselte zu Fortuna Köln. 

Bezeichnend für die Transferpolitik ist die Tatsache, dass von den insgesamt neun Newcomern in der Mannschaft drei aus der eigenen Jugend stammen. Mit Tom Nattermann, der in der Vorbereitung ebenfalls mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, konnte der einzige echte Torjäger des Teams gehalten werden (18 Tore in der Vorsaison). Bitter für die 03er: Linksverteidiger Dimitrios Komnos, gekommen vom VFC Plauen, fällt nach einer schweren Schulterverletzung bis zu zwölf Wochen aus. "Die Mannschaft macht einen richtig guten Eindruck auf mich", gibt sich Trainer Vorbeck trotzdem zuversichtlich. "Wir hatten jedes Jahr eine charakterlich richtig gute Mannschaft am Start", pflichtet Kapitän Saalbach seinem Trainer bei. "Wir können finanziell nicht mithalten, daher machen wir das über Teamwork." Zusammengefasst: Leidenschaft statt großer finanzieller Sprüngen und Jugend statt Erfahrung.

Der Trainer

Der wohl wichtigste Babelsberg-Neuzugang dieser Transferperiode sitzt auf der Bank. Marco Vorbeck ist ein bekannter Name im deutschen Fußball - und das nicht nur wegen seines Spruchs "Ich trink'n Sekt vielleicht", eines Interviewschnipsels, den die Fernsehsendung "TV Total" zum Running Gag umfunktionierte und der ihm in jungen Jahren zu ungeplantem Kultstatus verhalf. Der Trainer bringt all die fußballerische Erfahrung mit ins "Karli", die seiner jungen Truppe fehlt: 38 Erst- und genauso viele Zweitligapartien für Hansa Rostock, Dynamo Dresden und den FC Augsburg stehen in der Vita des 38-Jährigen. "Ich möchte Fußball spielen lassen", gibt der ehemalige Stürmer die Richtung vor. "Die Jungs sollen kicken. Ich möchte nicht, dass die blöd vorne reinlupfen und die Bälle sofort wieder weg sind. Wir wollen mit Geduld spielen."

Im Gegensatz zu Vorbecks lehrreicher Zeit als Aktiver, ist er im Trainergeschäft ein Grünschnabel. Erst seit März besitzt er die Trainerlizenz, war als Chetftrainer noch nie im Herrenbereich tätig. "Ich hab' Bock", freut sich Vorbeck auf den Saisonstart. Das bestätigt sein Kapitän Philipp Saalbach: "Der Trainer steht immer unter Strom. Er macht einen super Eindruck auf uns."

Nicht absteigen, wäre schon mal schön.

Marco Vorbeck

Das Umfeld

"Die Voraussetzung bei uns im Verein ist super. Es gibt wenige, die so eine Infrastruktur im Verein haben", sagt Kapitän Philipp Saalbach, der in seine fünfte Saison in der brandenburgischen Landeshauptstadt geht. Diese Infrastruktur haben die Babelsberger vor allen Dingen zwei Figuren zu verdanken: Präsident Archibald Horlitz und dem scheidenden Trainer Almedin Civa. Beide waren nach dem Abstieg aus der 3. Liga im Jahr 2013 maßgeblich an der Konsolidierung des Vereins beteiligt. Finanziell schippern die Babelsberger in ruhigeren Gewässern, ohne jedoch aus dem Gröbsten raus zu sein. So schlimm wie vor sechs Jahren, als man nur kurz vor der Pleite und dem damit verbundenen Aus stand, ist es nicht. Trotzdem fehlt immer wieder Geld, auch für die kommende Spielzeit wurde der Etat um 50.000 Euro auf insgesamt 300.000 Euro gekürzt.

Ein finanzielles Defizit entstanden in der vergangenen Saison unter anderem wegen ausbleibender Zuschauer. Der Verein hatte mit deutlich mehr Stadionbesuchern gerechnet - auch bei den Topspielen blieb das Interesse weit unter den Erwartungen.

Das Ziel

"Also nicht absteigen wäre schon mal schön", sagt Coach Marco Vorbeck und lacht. "Ich denke immer von Spiel zu Spiel." Die Zeit der großen Ankündigungen ist in Babelsberg lange vorbei. Zu viele Fragen gilt es zunächst zu klären: Schlagen die Neuzugänge ein? Geht die neue Taktik auf? So hält man sich in Potsdam bei den Saisonzielen zurück.

rbb|24-Prognose

Dem neuen Coach Marco Vorbeck steht bei seiner ersten Station als Cheftrainer im Herrenbereich eine große Herausforderung bevor. Die Mannschaft ist wie in den vergangenen Jahren jung, konnte aber auf Schlüsselpositionen weitestgehend zusammen gehalten werden. Sollte das Team von großen Verletzungsmiseren verschont bleiben, wird es mit den unteren Tabellenregionen nichts zu tun haben - und den Blick Richtung oberes Tabellendrittel richten.

Tipp: Platz fünf bis sieben.

 

Sendung: Inforadio, 23.07.2019, 10:15 Uhr

Beitrag von Uri Zahavi

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1 Kommentar

  1. 1.

    Als Potsdamer hätte ich nichts gegen einen Abstieg und einen neuen echten Neuanfang, bei dem der Sport und nicht die sehr einseitige (bzw. nicht vielfältige) Politik im Zentrum stünde. Alles Gute 03.

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