Altglienicke jubelt im Testspiel gegen Hansa Rostock. / imago/Matthias Koch / Montage rbb sport
Bild: imago/Matthias Koch / Montage rbb sport

Regionalliga-Serie | VSG Altglienicke - Mit neuem Coach zu alten Zielen

Die VSG Altglienicke will mehr erreichen als den 14. Platz der vergangenen Regionalliga-Saison. Das klare Ziel lautet Einstelligkeit. Und das mit einem neuen Coach, der in Berlin eine echte Größe ist. Der rbb|24-Teamcheck vor dem Saisonstart. Von Johannes Mohren

Eine ganze Region im Dauer-Derby-Fieber: Ende Juli startet die Regionalliga Nordost in die neue Spielzeit - mit gleich zehn Vereinen aus Berlin und Brandenburg. rbb|24 stellt bis zum Saisonstart alle Klubs vor, schaut auf ihre Kader, ihr Umfeld und die Ziele.  
Den Auftakt macht die Volkssport Gemeinschaft - kurz: VSG - Altglienicke.

Die sportliche Ausgangslage

39 Punkte, Platz 14, Tabellenkeller. Die vergangene Saison lief wahrlich nicht so, wie die Verantwortlichen in Altglienicke sich das vorgestellt hatten. Es ruckelte im Aufbauprozess. "Wir haben uns im zweiten Regionalliga-Jahr nicht wirklich verbessert. Und eigentlich wollen wir immer den Blick nach oben haben", sagt der sportliche Leiter Daniel Böhm im Gespräch mit rbb|24.

Eine der Folgen: Trainer Andreas Zimmermann musste nach nur einer Spielzeit wieder gehen. Sein Vertrag wurde nicht verlängert. "Er hat uns ein kleines Stück nach vorne gebracht - aber nicht so weit, wie wir gehofft haben. Das Risiko, mit ihm in die nächste Saison zu gehen, war größer als einen neuen Trainer zu holen", sagt Böhm. Zumal der Club sowieso einen Schnitt machen wollte. Stichwort: Verjüngung. Diese Mission leitet nun Karsten Heine.

Die Neuen

Konzeptgemäß sind die meisten Zugänge auf den ersten Blick vor allem eines: jung. Gleich drei von sieben Neuverpflichtungen kommen aus der Bundesliga der A-Junioren. Florian Sander und Berk Inaler von Union Berlin, Emil Gustavus aus Zehlendorf. Eine bewusste Entscheidung, auch wenn für Böhm nicht (nur) das Alter zählt: "In erster Linie wollen wir die Mannschaft verbessern. Die Qualität steht im Vordergrund. Aber wir hatten die Möglichkeit, diese Spieler zu verpflichten. Und sie machen einen super Eindruck."

Von den jungen Spielern erhoffen sie sich in Altglienicke auch mehr Erfolgshunger. "Wir waren in der letzten Saison nicht immer zufrieden mit der Gesamteinstellung der Mannschaft. Da hast du es vielleicht leichter mit Spielern, die noch nach oben wollen, als mit welchen, die schon oben waren und ein bisschen austrudeln lassen", sagt der sportliche Leiter.

Der Trainer

Karsten Heine heißt der Neue an der Seite von Co-Trainer Torsten Mattuschka. Und im Berliner Fußball muss man wohl kaum jemandem erklären, wer der inzwischen 64-Jährige ist. Er zählt zu den Fußball-Größe in der Hauptstadt. Heine hat eine lange Vergangenheit bei Union Berlin und Hertha BSC - und ist in Köpenick zuhause. Seine letzte Trainerstation beim Chemnitzer FC liegt allerdings schon drei Jahre zurück.

"Er ist vom Namen her schon unser Königstransfer", sagt Böhm. Aber darum sei es nicht gegangen. Er passe einfach in das Konzept. "Er hat bei Hertha zehn Jahre lang bewiesen, wie gut er mit jungen Leuten umgehen kann." (Anm. d. Red.: Er war unter anderem U23-Coach)  Das erste Gefühl seit dem Trainingsauftakt sei auch gleich ein positives. Böhm lobt Heines Ruhe und Akribie. "Am Ende der Saison sind wir schlauer. Aber für ihn ist es auch ein Heimspiel vor der eigenen Haustür. Und vielleicht wird es eine Win-Win-Situation für alle Seiten."

Das Umfeld

Die sportliche Zuhause ist auch in der kommenden Saison der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Stadtteil Prenzlauer Berg - fernab der eigentlichen Heimat des Klubs. "Das liegt genau am anderen Ende der Stadt. Es ist ein sehr, sehr großes Handicap. Dadurch verlieren wir komplett unsere Basis", sagt Böhm. Auch deshalb wird mit Hochdruck an einer Alternative gearbeitet. Und es gibt durchaus erste Erfolge. Für den Trainingsbetrieb hat die VSG inzwischen eine feste Bleibe bekommen - auf der Willi-Sänger-Sportanlage an der Köpenicker Landstraße.

Dort soll - so hoffen Böhm und Co. - auch schon ganz bald Regionalliga-Fußball gespielt werden können. "Wir hoffen, dass wir in der Saison 2020/21 ein eigenes Stadion im Bezirk haben", sagt der sportliche Leiter. Die Vision ist, dass um den Platz herum ein Stadion für 3.000 bis 5.000 Zuschauer entsteht. "Es gibt ja schon eine kleine Tribüne und wir wollen das so herrichten, dass es den Regionalliga-Anforderungen gerecht wird."

Dass der Jahn-Sportpark nach dieser Saison nicht mehr nutzbar sein wird, kommt dem Verein dabei durchaus zugute. "Es erzeugt ein bisschen mehr Druck - bei uns, beim Bezirk und beim Senat", sagt Böhm. Die Notwendigkeit gebe es aber unabhängig von diesem Umstand - gerade in Köpenick. "Berlin hat in den vergangenen 20 Jahren generell geschlafen. Wenn man sieht, dass - glaube ich - nur vier Stadien regionalligatauglich sind, ist das nicht viel. Wenn ich das mit anderen Städten vergleiche, ist das eine schwache Nummer", kritisiert Böhm.

Das Ziel

Die Vorgabe ist klar: Nach den Rängen 15 und 14 soll es mit dem einstelligen Tabellenplatz klappen - "damit man wirklich sagen kann, dass wir uns etabliert haben", sagt Böhm. Und dann ist da ja noch der Landespokal: "Da sind wir im vergangenen Jahr sehr unglücklich gescheitert." Gegen den Oberligisten Tennis Borussia schieden die Altglienicker im Halbfinale aus - und das im Elfmeterschießen. Dieses Mal soll es weiter gehen. "Wir wollen als Regionalligist natürlich am liebsten ins Finale kommen", sagt Böhm.

Langfristig denken sie sogar noch eine Nummer größer. "Sofern wir ein eigenes Stadion bekommen, haben wir alle Möglichkeiten", sagt Böhm. Mittelfristig müsse man dann als ambitionierte Mannschaft zwangsläufig das Ziel haben, um die Spitzenplätze mitzuspielen. "Ansonsten macht ja der ganze Weg keinen Sinn. Wir brauchen kein neues Stadion bauen, wenn wir unseren Lebtag in der Regionalliga spielen wollen. Natürlich wirkt das mit finanziellen Entwicklungen, die der Fußball nimmt, gerade noch ein bisschen utopisch. Aber die Vision ist natürlich immer die nächste Liga." 

rbb|24-Prognose

Die Ambitionen sind groß in Altglienicke. Die Kellerkind-Zeit soll nach zwei Jahren Regionalliga der Geschichte angehören. Dafür wurde ein Umbruch im Kader eingeleitet. Und den jungen Spielern ein ganz erfahrener Coach zur Seite gestellt. Es ist eine Mischung, die aufgehen könnte. Unser Tipp: Die VSG schafft es auf den erhofften einstelligen Platz.

Sendung: Inforadio, 19.07.2019, 10:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren