Bratwurst bei Union Berlin (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Wie die Vereine Finanz-Löcher stopfen - Virtuelle Würste

Die Corona-Krise führt auch im Sport zu einer Kettenreaktion: Abgesagte Veranstaltungen führen zu ausbleibenden Einnahmen und finanziellen Engpässen. Doch die ersten Vereine stellen sich dieser Dynamik entgegen. Auch am Imbiss-Stand.

Was Sie jetzt wissen müssen

   

1. FC Union Berlin

"Um keine Langeweile aufkommen zu lassen", schreibt der Klub auf seiner Homepage, gibt es nun Union-Ausmalvorlagen zum Download. Die vier schwarz-weiß Zeichnungen zeigen den Mannschaftsbus, das Union-Schiff "Viktoria", Maskottchen "Ritter Keule" und ein Sammelbild mit dem Titel "Unsere Union-Familie". Interessantes Detail: Auf einem Wegweiser ist dort "Liverpool 1445 km" zu lesen. Klarer Fall: Union plant für die Champions League … müsste dann aber nochmal nachbessern. Denn zumindest laut "Google Maps" sind es vom Stadion an der Alten Försterei bis zum legendären Anfield Stadium des FC Liverpool 1474 Kilometer.

Auch für all jene, die es nicht so mit dem Ausmalen haben, hat Union etwas im Programm. Unter dem Motto "Warten auf Union" liefert der Verein nicht nur beständig Video-Material aus der Klub-Universum, sondern bietet auch einen "virtuellen Imbisswagen" an. "Gönnt Euch hier eine virtuelle Stadionwurst, genießt ein virtuelles Bier und unterstützt mit Eurer Spende unseren Verein", heißt es dazu von Seiten Unions. Speisen und Getränke gibt es ab 2,50 Euro.

Die Fans können also helfen - ein Spieler tut es auch: Rafal Gikiewicz verzichtet im Zuge der Coronavirus-Krise auf einen Teil seines Gehalts. "Das in der Welt herrschende Coronavirus betrifft uns alle. Wir sind gezwungen, zu handeln. Diese Zeit ist eine Prüfung für uns alle, eine Zeit der Prüfung für die ganze Welt und eine Zeit des gemeinsamen Handelns, um die durch diese Pandemie verursachten Verluste zu minimieren", schrieb der 32 Jahre alte Pole am Donnerstag in sozialen Netzwerken.

Hertha BSC

Während sich die Mannschaft von Hertha BSC wegen eines positiven Corona-Tests in Quarantäne befindet, schiebt der Verein ganz allgemeine Hilfsmaßnahmen an. Unter "Herthaner helfen" bietet der Klub eine "Anlaufstelle: Einkaufen für die Nachbarn, der Weg zur Apotheke, Pakete abholen bei der Post! Bietet hier eure Hilfe an oder fragt nach Unterstützung - denn Herthaner helfen!"

Außerdem verkaufen die Berliner Shirts mit der Aufschrift "Nur nach draußen gehn wir nicht". Sänger Frank Zander hatte seine Hymne wegen der Einschränkungen durch das Virus zuvor umgedichtet. Pro verkauften T-Shirt soll die Hälfte des Preises an den Corona-Nothilfefonds des Deutschen Roten Kreuzes gehen.

Energie Cottbus

Der Verein, der einst über 10.000 Eintrittskarten für ein fiktives Fußballspiel verkaufte, zeigt sich auch in der Corona-Krise erfinderisch. Für 19,66 Euro (angelehnt an das Gründungsdatum des Vereins) können sogenannte "Antikörper" erworben werden. Mit ihnen soll geholfen werden, den Verein "immun" zu machen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

Alba Berlin

Auch wenn es eigentlich verboten ist - mehr Alba zum Anfassen geht nicht in diesen Zeiten. Denn mit "Albas tägliche Sportstunde" hat der Basketball-Bundesligist ein einzigartiges Angebot geschaffen. Und auch wenn es keinen direkten finanziellen Effekt für Alba ergibt, zahlt sich diese Idee langfristig sicher aus.

Jeden Werktag sollen dabei auf YouTube neue Trainingsvideos für Kinder und Jugendliche veröffentlicht werden, die in Zeiten von geschlossenen Kitas und Schulen den Mangel an Bewegung ausgleichen sollen und zugleich auf unterhaltsame Art und Weise viel Wissenswertes über den Basketball vermitteln.

Eisbären Berlin


Beim DEL-Klub geht es trotz abgesagter Saison vor allem sportlich rund. Der langjährige Kapitän André Rankel geht von Bord, zwei Neuzugänge stehen vor der Tür.

Auf den gehörigen finanziellen Verlust reagieren die Eisbären bisher vor allem mit ordentlich Rabatt im Online-Shop. 20 Prozent beträgt dieser für "normale" Kunden, Dauerkarten-Inhaber erhalten zusätzliche zehn Prozent Ermässigung.

Vielleicht auch, um die Kauflust zu steigern, hatte der Klub am Dienstag auf seinem Twitter-Account über ein fiktives erstes Playoff-Spiel gegen die Düsseldorfer EG berichtet. Unter #einganznormalerspieltag war schließlich von einem hart umkämpften 2:1-Erfolg zu lesen.

BR Volleys

Auch Deutschlands zurzeit wohl stärkster Volleyball-Klub hat massiv unter den Folgen der aktuellen Krise zu leiden. Und begegnet diesem Umstand zunächst ebenso wie die Eisbären mit Rabatten im Online-Handel. 25 Prozent Rabatt und ein kostenfreier Versand sollen über das vorzeitige Saisonende hinweg trösten.

Und darüber, dass der langjährige Vize-Kapitän und Ex-Nationalspieler Georg Klein mit gerade einmal 28 Jahren von sich aus das Karriere-Ende verkündet hat. Um ihm trotz dem Umständen einen gebührenden Abschied zu ermöglichen und die finanziellen Verluste aufzufangen, haben sich die Berliner etwas überlegt: Am 1. April steigt ein virtuelles Abscihedsspiel für Klein

BFC Dynamo

Der Fußball-Regionalligist stellt sich in Sachen Hilfsmöglichkeiten breit auf und bietet unter "#WirMitEuch - #IhrMitUns. Gemeinsam gegen Corona" gleich eine ganze Palette an Alternativen an, mit denen der Verein unterstützt werden kann.

Ob durch einfache Spenden, im Voraus gezahlte Mitgliedsbeiträge, Fanartikel oder den Abschluss eines Sponsoring-Pakets - es gibt viele Möglichkeiten, dem "BFC Dynamo den Rücken zu stärken und durch diese schwere Zeit zu begleiten", wie es von Seiten des Vereins heißt.

SV Lichtenberg 47

Der Liga-Konkurrent aus Lichtenberg macht es wie einst Energie Cottbus und verkauft "virtuelle" Tickets für das abgesagte Spiel gegen den Bischofswerdaer FV 08. Mit zehn Euro ist man dabei in der virtuellen Hans Zoschke-Arena.

Der Vorteil dabei: Das eigentlich 9.900 Plätze fassende Stadion ist in diesem Fall unendlich groß. Eine Begrenzung der Tickets gibt es nicht. "Als Dankeschön erhalten alle Unterstützer, sobald wir uns alle wiedersehen, eine kleine Überraschung am Fanartikelstand", heißt es auf der Seite des Vereins.

Turbine Potsdam

Auch für Turbine Potsdam gestaltet sich die Situation schwierig. Anders als die Fußball-Bundesligisten bei den Männern erzielt Turbine seine Haupteinnahmen nicht durch die Ticketverkäufe oder TV-Gelder. Insgesamt werden in der Frauen-Bundesliga nur eine Millionen Euro an Fernsehgeldern ausgeschüttet. Vielmehr ist man daher auf Sponsorengelder angewiesen - auch in der derzeitigen Krisensituation sind diese Einnahmen überlebenswichtig.

Schwierig ist dabei nur, dass Turbine durch Gelder vieler kleinerer Unternehmen unterstützt wird, die durch die Folgen des Coronavirus ebenfalls betroffen sind. "Wenn die Partner ihren Beschäftigten sagen, dass sie Kurzarbeit festlegen, ist den Mitarbeitern sicherlich schwer klarzumachen, dass trotzdem ein Sportverein unterstützt werden muss", sorgt sich Turbine-Präsident Rolf Kutzmutz um die finanzielle Unterstützung in der Zukunft. "Wir gehen natürlich davon aus, dass die Unternehmen, die uns zugesagt haben, uns auch weiter unterstützen werden - aber auch das steht in den Sternen", so der Präsident weiter.

Aufruf: Ihr Verein hat auch eine Aktion gestartet, um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzumindern? Dann berichten Sie uns. Schreiben Sie gerne in die Kommentare unter diesem Artikel - und wir erweitern Stück für Stück diese Liste.

FAQ zum Umgang mit dem Coronavirus

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