Deutscher Kanu-Vierer beim Weltcup 2018 (imago images)
Bild: imago images

Wie das Olympia-Aus die deutschen Kanuten trifft - Träum weiter, Bodyguard

Sie zählen zu den erfolgreichsten deutschen Olympiateilnehmern und hatten sich minutiös auf Tokio 2020 vorbereitet. Jetzt sind die Spiele verschoben worden. Das wirft bei Deutschlands Top-Kanuten aus Berlin und Brandenburg existenzielle Fragen auf. 

Was Sie jetzt wissen müssen

Weltklasse-Kanuten, so sagt man, werden im Winter gemacht. Und überlassen nichts dem Zufall. Im Kampf um die letzte Hundertstel einer Sekunde - die, die im Zweifel über Sieg oder Niederlage entscheidet - wird das Leben der Athleten minutiös geplant und überwacht.

So wie bei Ronald Rauhe vom KC Potsdam. Weltmeister, Olympiasieger, Brandenburger Sportler des Jahres 2019. Der noch einmal zu Olympia wollte, zum fünften Mal. Und sich dafür sogar im Schlaf überwachen ließ. "Bodyguard" heißt das System, mit dem sich der 38-Jährige während der Nachtruhe überprüfte. Vergangenes Jahr war das, als der Olympia-Kader zu Test-Wettkämpfen nach Tokio reiste.

Der Körper ist fit, aber auch der Kopf?

Pro Stunde Zeitverschiebung brauche es einen guten Tag Eingewöhnung, das ist die Faustregel. Und so ist es auch bei Rauhe. Das haben sie jetzt Schwarz auf Weiß. Allein: Womöglich nützt das nichts mehr.

Denn die Olympischen Spiele von Tokio 2020 sind wegen der Corona-Krise ins kommende Jahr verschoben worden. Ob Rauhe dann noch dabei ist? Die Spiele sollten der Schlusspunkt einer einzigartigen Karriere sein, ein Schlusspunkt nach dann 22 Jahren auf höchstem Niveau. Ob nun ein 23. Jahr dazu kommt? In der 45-minütigen Doku "Gold in Tokio - Die deutschen Kanuten zwischen Traum und Alptraum" der rbb-Reporter Jörg Klawitter und Jonas Schützenberg, die am 5. April (18:30 Uhr) im Ersten zu sehen sein wird, sagt Rauhe: "Aktuell würde ich sagen, ich bin fit genug, mein Körper macht's noch mit. Aber ob es mein Kopf mitmacht, das wird sich in den nächsten Wochen entscheiden."

Alles nochmal

Doch auch für die, die mitten in ihrer Karriere oder noch am Anfang davon stehen, ist die Lage nicht weniger kompliziert. So sagt etwa Sebastian Brendel, dreifacher Olympiasieger im Canadier: "Wir waren wie Rennpferde in der Startbox. Jetzt machen wir eine Rolle rückwärts, stehen quasi nochmal ein Jahr davor. Wir hatten eine harte Vorbereitungszeit und wissen - das müssen wir alles nochmal machen."

Nochmal in den Kraftraum in Potsdam, wo das Tokio-Logo an der Wand hing, über das der 32-Jährige vor einigen Monaten sagte: "Es ist ganz gut, dass es da hängt." Wenn Muskeln und Wille ermüden, schaue man dort hin "und weiß, wofür man sich quält." Alles nochmal.

Von Oberschöneweide in die Welt

Die Trainingslager in Florida und Davos, die nach Traumurlaub klingen und doch vor allem eines sind: Schinderei. Ob auf amerikanischem Gewässer oder in den Loipen des Schweizer Schnees, in dem sich so viel mehr Stunden an der Ausdauer arbeiten lasse als im Boot.

Die Testläufe unter Wettkampfbedingungen, die noch im März dieses Jahres stattfanden und noch im Glauben, die Spiele fänden statt. Die Leistung von Ronald Rauhe damals? Nicht optimal. "Es flutscht" nicht, sagte die Diagnostikerin vom Verband. "Mich nervt, dass ich Geduld haben muss", sagte Rauhe. Und jetzt? Noch mehr Geduld. Alles nochmal.

Auch die Boote werden nochmal auf den Prüfstand kommen in Berlin-Oberschöneweide. Hier bauten sie schon zu DDR-Zeiten die Kanus, mit denen Birgit Fischer in den 1980er Jahren von Gold zu Gold fuhr. Kommt man ja auch nicht unbedingt drauf, dass man von Oberschöneweide aus die Welt erobern kann.

Klimmzüge an der Schaukel

Noch weniger vorstellbar: deutsche Olympia-Athleten auf der Flucht. So wie die Kanuten Anfang März, als Spanien im Zuge der Coronakrise die Grenzen dicht machte und sie aber noch in Sevilla weilten, im Trainingslager. "Wir haben dann mehr oder weniger Taxi-Fahrer bestochen", sagt Ronald Rauhe. Kurz vor Mitternacht war das. Die Heimreise über Portugal gelingt.

Zu Hause wird weiter trainiert. Kader-Athleten dürfen weiterhin die Trainingsanlagen nutzen. Nur Jacob Schopf, das größte Kanu-Talent der Welt, ackert im Garten seines Trainers. Seine Eltern sind in Quarantäne, der 20-Jährige will die Teamkollegen nicht gefährden. Und so wird das Gerüst der Schaukel zur provisorischen Klimmzug-Stange.

An diesem Wochenende hätten die ersten Wettkämpfe um die nationalen Startplätze stattfinden sollen. Corona verändert alles, auch im Kanusport. Weltklasse-Kanuten, so sagt man, werden im Winter gemacht. Nur nicht für das Jahr 2020.

 

 

 

Ebenso, wie man sich nicht vorstellen kann, dass sich deutsche Olympia-Athleten geradezu auf die Flucht begeben. So wie es die Kanuten taten, Anfang März, als Spanien im Zuge der Coronakrise die Grenzen dicht machte und sie aber noch in Sevilla weilten, im Trainingslager. „Wir haben dann mehr oder weniger Taxi-Fahrer bestochen“, sagt Ronald Rauhe. Kurz vor Mitternacht war das. Die Heimreise über Portugal gelingt.

 

Zu Hause wird weiter trainiert. Kader-Athleten dürfen weiterhin die Trainingsanlagen nutzen. Nur Jacob Schopf (20), das größte Kanu-Talent der Welt, ackert im Garten seines Trainers. Seine Eltern sind in Quarantäne, er will die Teamkollegen nicht gefährden. Und so wird das Gerüst der Schaukel zur provisorischen Klimmzug-Stange.

 

An diesem Wochenende hätten die ersten Wettkämpfe um die nationalen Startplätze stattfinden sollen. Corona verändert alles, auch im Kanusport. Weltklasse-Kanuten, so sagt man, werden im Winter gemacht. Nur nicht für das Jahr 2020.

 

 

 

Ebenso, wie man sich nicht vorstellen kann, dass sich deutsche Olympia-Athleten geradezu auf die Flucht begeben. So wie es die Kanuten taten, Anfang März, als Spanien im Zuge der Coronakrise die Grenzen dicht machte und sie aber noch in Sevilla weilten, im Trainingslager. „Wir haben dann mehr oder weniger Taxi-Fahrer bestochen“, sagt Ronald Rauhe. Kurz vor Mitternacht war das. Die Heimreise über Portugal gelingt.

 

Zu Hause wird weiter trainiert. Kader-Athleten dürfen weiterhin die Trainingsanlagen nutzen. Nur Jacob Schopf (20), das größte Kanu-Talent der Welt, ackert im Garten seines Trainers. Seine Eltern sind in Quarantäne, er will die Teamkollegen nicht gefährden. Und so wird das Gerüst der Schaukel zur provisorischen Klimmzug-Stange.

 

An diesem Wochenende hätten die ersten Wettkämpfe um die nationalen Startplätze stattfinden sollen. Corona verändert alles, auch im Kanusport. Weltklasse-Kanuten, so sagt man, werden im Winter gemacht. Nur nicht für das Jahr 2020.

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