Ein Rennen in der 470er-Bootsklasse vor der Stadt Wuhan. / imago images/Xinhua
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Interview | Berliner Segler Daniel Göttlich - Über fettige Hühnerfüße und zurückgelassene Boote

Der Berliner Segler Daniel Göttlich wollte sich Anfang Februar in China auf die Olympischen Spiele in Tokio vorbereiten. Doch die Corona-Krise machte dem 19-jährigen Schüler mehrfach einen Strich durch die Rechnung, wie er im rbb|24-Interview berichtet.

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Das Berliner Nachwuchsduo Daniel Göttlich und Linus Klasen in der 470er-Bootsklasse folgte Anfang des Jahres einer Einladung nach China, um sich dort in einem Leistungszentrum auf die nächsten Saisonrennen und damit auf Olympia vorzubereiten. Doch dann brach in China die Corona-Pandemie aus und die beiden Segler durften den Segelstützpunkt nicht mehr verlassen. 

Zwar lag der Segelstützpunkt 1.500 Kilometer von der besonders stark betroffenen Stadt Wuhan entfernt. Doch trainierte in Haikou auf der Insel Hainan auch ein Großteil der chinesischen Nationalmannschaft. Göttlich und Klasen konnten erst nach einer dreiwöchigen Quarantäne zurück in die Heimat. Anschließend wollten sie sich bei der WM in Palma de Mallorca für die Olympischen Spiele in Japan qualifizieren. 

rbb|24: Daniel Göttlich, Sie waren im Februar noch in China in Quarantäne, wo Sie sich auf die Qualifikation-Wettkämpfe für die Olympischen Spiele in Tokio vorbereiten wollten. Wie gelangten Sie in den Hausarrest?

Daniel Göttlich: Nach anderthalb Wochen Aufenthalt dort kam diese ganze Krise hoch. Die Regierung hat ziemlich schnell reagiert und den Stützpunkt, an dem wir trainiert haben, abgeschlossen, so dass wir für drei Wochen nicht mehr dieses Gebäude verlassen haben, um segeln zu gehen.

In den Berliner Zeitungen war dann zu lesen, dass sie Hühnerfüße, Eier in Entenkot und andere chinesische Spezialitäten gegessen haben - freiwillig?

Ja, wir haben wirklich eine ganze Reihe von Spezialitäten aus China probiert und da waren echt Sachen dabei, die wirklich zu den besten Dingen gehörten, die wir je gegessen haben. Das war also gar nicht negativ, im Gegenteil. Aus meiner Sicht haben allerdings die Hühnerfüße nicht zu den besten Dingen gezählt, die sind sehr fettig. Eier in Entenkot schmecken übrigens viel besser, als sie aussehen.

Sie gehören zu den besten deutschen Segel-Talenten, der Deutsche Segelverband setzt in Sie und Ihren Partner Linus Klasen große Hoffnung. Nun sind Sie aus China zurück, wie viele Wochen waren Sie denn jetzt in "Freiheit"?

Im Prinzip bin ich so halbwegs in Freiheit, abgesehen vom Kontaktverbot. Wir hatten aber fünf, sechs Tage segelfrei, bevor wir dann in das nächste Trainingslager gefahren sind, um uns auf die nächste WM in Palma de Mallorca vorzubereiten, was unsere erste Qualifikation für Tokio 2020 sein sollte. 

Die Solidarität war groß unter den Sportlern. Der spanische Vizeweltmeister hat mich in seinem Zimmer schlafen lassen, weil alles ausgebucht war. Das ist schon beispielhaft gewesen für die Mentalität im Segelsport, aber auch unter Sportlern.

Daniel Göttlich

Jetzt sitzen Sie wieder in Berlin und machen was?

Ich versuche, mich so gut wie möglich fit zu halten. Das ist sicher nicht das Gleiche, als wenn man sechs Tage die Woche professionelles Training betreibt, aber wir haben vom Verband eine Art Körpergewichtsplan zugestellt bekommen. Also Training mit dem eigenen Körpergewicht plus tägliches Joggen - und dann hoffen, dass nach der Krise die Fitness schnell zurück kommt.

Sportler müssen ja mit extremen Situationen zurecht kommen. Wie meistern Sie die Corona-Krise?

Uns Sportlern geht es ja viel besser, als Leuten in der freien Marktwirtschaft, die da gerade am Existenzminimum kratzen. Aber für uns war das alles auch eine Extremsituation. Alle sind fluchtartig abgehauen, als klar war, dass die WM in Palma abgesagt ist und Spanien angekündigt hatte, sich abriegeln zu wollen. Die Leute haben da einfach ihre Boote stehen lassen und haben versucht, in ihre Heimat zurückzukehren. Am schlimmsten hatte es einen Argentinier getroffen, der wochenlang in Spanien festsaß, weil keine Flüge mehr nach Argentinien gingen. Aber die Solidarität war groß unter den Sportlern. Der spanische Vizeweltmeister hat mich in seinem Zimmer schlafen lassen, weil alles ausgebucht war. Das ist schon beispielhaft gewesen für die Mentalität im Segelsport, aber auch unter Sportlern. Und das sollten wir uns in diesen Zeiten mal zum Vorbild nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Text ist eine redigierte Fassung. Das Interview führte Thomas Kroh für das Inforadio vom rbb.

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