Die Spieler von Alba Berlin schwören sich ein (Quelle: imago images/Camera 4)
Audio: Inforadio | 31.05.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Camera 4

Alba bereitet sich auf Final-Turnier vor - "Wäre Wahnsinn, die Saison mit zwei Titeln zu beenden"

Kommenden Samstag starten zehn Basketball-Klubs in ein dreiwöchiges Final-Turnier um die deutsche Meisterschaft. Die Corona-Krise machte das Format notwendig. Die eingespielten Albatrosse sind dank Team-Chemie und Europa-Erfahrung im Vorteil. Von Lisa Surkamp

Das Telefon von Himar Ojeda stand in den vergangenen Tagen und Wochen nur selten still. "Ich habe drei oder vier Tage lang mit den Spielern gesprochen, um sie zu überzeugen, zurückzukommen", berichtet Albas Sportdirektor Himar Ojeda. Denn nach der Genehmigung der Politik für ein Final-Turnier der Basketball-Bundesliga (BBL) in München mussten viele Profis erst aus ihren Heimatländern zurückgeholt werden.   

"Es hat eine Weile gedauert und ich verstehe das, denn vor allem die Spieler in den USA befanden sich in Bezug auf die Epidemie in einer ganz anderen Situation", sagt der 47-Jährige. Sie hatten zunächst Bedenken, zurück nach Europa zu kommen. Zudem ist Basketball - noch mehr als Fußball - ein Kontaktsport, der noch dazu in einer geschlossenen Halle stattfindet.

Doch der Spanier hatte Erfolg. Bis auf Makai Mason, der aus familiären Gründen in den USA geblieben ist, sind alle Albatrosse zurück in der deutschen Hauptstadt. Fehlen wird jedoch auch Tim Schneider. Er befinde sich nach einer Verletzung "noch nicht in der körperlichen Verfassung für dieses Turnier", so Ojeda.

Alba muss alle Spieler wieder auf ein Level bringen

Seit rund zwei Wochen ist das Mannschaftstraining wieder erlaubt. Nach wochenlanger Isolation war der Start etwas holprig. "Jeder ist in einer anderen Verfassung, weil einige Spieler weniger machen konnten als andere", berichtet der Sportdirektor. Deshalb standen zunächst vor allem individuelle Übungen auf dem Trainingsplan.

"In den letzten Tagen hat man aber gemerkt, dass das alles deutlich flüssiger ging und deutlich besser funktioniert hat", sagt Jonas Mattiseck über die Fortschritte des Teams. Dabei profitieren sie vor allem davon, dass viele Spieler schon lange bei Alba spielen. "Dadurch kennen wir uns alle sehr gut und es funktioniert deutlich schneller, zusammenzufinden", erklärt der Spielmacher.

Vereine dürfen zwei Spieler nachverpflichten

Bei der Konkurrenz fangen die Sorgen schon viel früher an. Einige Klubs haben während der Corona-Pause aus wirtschaftlichen Gründen Spielerverträge gekündigt. Oder es wollten nicht alle Spieler nach Deutschland zurückkehren. Mit einem kleinen Kader ist das dreiwöchige Turnier, bei dem zu Beginn Spiele im Zwei-Tages-Rhythmus anstehen, aber kaum zu überstehen.

Deshalb erlaubte die Liga jedem Verein zwei Nachverpflichtungen. Auch Albas Vorrunden-Gegner wie Frankfurt oder Ludwigsburg verstärkten sich. Gleicht das Finalturnier unter diesen Umständen schon fast einer neuen Saison? "Vielleicht für andere Teams, die zwei Spieler nachverpflichten mussten", sagt Ojeda. "Für uns bleibt die Mannschaft die gleiche. Es ist also keine komplett neue, aber eine andere Saison."

"Haben gezeigt, dass wir Titel gewinnen können"

Und in der wollen die Berliner an ihre sportlichen Erfolge vor der Corona-Krise anknüpfen. "Wir haben dieses Jahr im Pokal gezeigt, dass wir Titel gewinnen können", sagt Mattiseck über sein Team. Auch die hohe Belastung ist für die Berliner, die in der laufenden Saison zwischen Liga und Euroleague pendelten, nicht neu. Das Format dagegen schon. "Wenn du einen schlechten Tag hast, kannst du raus sein", weiß Ojeda, der seinem Team in der richtigen Verfassung aber das Endspiel zutraut.

"Ich glaube, das Turnier hat einen sehr hohen sportlichen Wert. Es ist etwas Besonderes", sagt auch Mattiseck - "und es wäre natürlich der Wahnsinn, wenn wir diese Saison mit zwei Titeln beenden würden."

Drei Wochen im Hotel - Lagerkoller nicht ausgeschlossen

Zehn Spiele stehen zwischen den Berlinern und der Meisterschaft, die bei den Spielern unter der Hand nur als "Corona-Cup" bezeichnet wird. Während des kompletten Turniers befinden sich alle Teams - anders als im Fußball - in einem Hotel in Quarantäne. Schon in ein paar Tagen fahren die Berliner nach München. "Unter dem Aspekt, dass es für die Spieler sehr sicher ist, freuen wir uns natürlich alle sehr, wieder zusammen zu sein und zu spielen", sagt Mattiseck.

Er lobt das Hygienekonzept der Liga. Ein Lagerkoller ist dennoch nicht ausgeschlossen. "Natürlich werden die drei Wochen im Hotel hart", glaubt Sportdirektor Ojeda. Für die Chance auf den Titel nehmen die Berliner das aber in Kauf. Und Ojeda wird auch in dieser Zeit sicherlich wieder viel telefonieren.

Sendung: Inforadio, 31.05.2020, 18:15 Uhr

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Beitrag von Lisa Surkamp

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