Hertha-Stürmer Salomon Kalou.
Bild: imago images/ Jan Huebner

Kalous Skandal-Video - Einmal zu oft der Clown

Salomon Kalou hat der Liga mit seinem Facebook-Video einen riesigen Bärendienst erwiesen. "Typisch Kalou!", könnte man sagen - wenn es nicht so ernst wäre. Die kindliche Naivität des Hertha-Profis hat die Pläne zur Fortsetzung der Saison gefährdet. Von Jakob Rüger

Salomon Kalou ist nicht alleine. Spieler wie ihn gibt es in jedem Fußballteam. Die Spaßvögel, die den Kollegen die Schuhe zusammenbinden, das Handtuch klauen oder Witze machen, wenn alle gerade angespannt sind. Salomon Kalou ist die Stimmungskanone, genau so hat er sich in Berlin immer präsentiert.

Er wirkt wie ein kleines Kind, das seinen Traum vom Fußballprofi leben darf. Diese Unbekümmertheit brachte ihn, neben seinem fußballerischen Talent, immer voran. "Ich habe das Glück, dass ich meinen Traum jeden Tag lebe", sagt Kalou über seine Karriere, die ihn nach Stationen in Rotterdam, London und Lille schließlich nach Berlin führte.

Zwischen Mentor und Kasper

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass der Ivorer in der Hauptstadt aufschlug. Das ließ aufhorchen, ein Champions-League-Gewinner [2012 mit dem FC Chelsea] bei Hertha, so etwas hatte es noch nicht gegeben. "Er ist einer der größten Spieler, die je bei Hertha gespielt haben", hat Manager Michael Preetz einmal gesagt. Doch Kalou ließ das nie raushängen.

Keine Allüren, keine Hochnäsigkeit, stattdessen gab er sich offenherzig und nahbar, begegnete seinen Mitmenschen freundlich und respektvoll. Kalou kümmerte sich um junge Spieler, er wandelte stets zwischen Mentor und Kasper. Das machte ihn zum Publikumsliebling in Berlin. Den Kontakt mit den Fans liebte er, beim Autogramme schreiben strahlte er verschmitzt und wirkte stets so glücklich, als habe er gerade selbst eines ergattert. Das ganze Fußball-Business wirkte wie ein großer Spaß für Salomon Kalou.

Ein Video mit Vorsatz?

Bei seinem Skandal-Video aus der Kabine von Hertha BSC sieht man Kalou eine klammheimliche Freude an, wenn er verstohlen in die Kamera blickt. Das freche, diebische Lächeln über einen dummen Jungenstreich. Seine Mitspieler ahnen gerade nicht, dass das Kabinengespräch live in die Welt rausgeht.

"Sala, bitte lösch das!", bat Herthas Physiotherapeut David de Mel, als Kalou den Corona-Test von Teamkollege Jordan Torunarigha filmte. "Ich mache doch nur Spaß", entgegnete Kalou mit einem breiten schelmischen Grinsen. Ob Kalou wusste, welche Tragweite sein Video haben wird, das dokumentiert, dass die Hygienevorschriften doch nicht so ganz ernst genommen werden, wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) allen glauben machen will, ist kaum zu glauben.

Fußballprofis sind wie Kinder

Kalous Auftritt war naiv und genau so klingt auch seine Rechtfertigung [sport1.de]: "Es war mein erstes Live-Video dieser Art. Ich wollte das mal ausprobieren und den Fans zeigen, wie es bei uns so abläuft. Der Unterschied zu einem normalen Video, das du postest, ist eben, dass du keine Zeit hast, das hinterher in Ruhe anzusehen. Wenn du live bist, musst du einfach vorsichtiger sein."

Eine bemerkenswerte Erkenntnis für einen so erfahrenen Profi. Normalerweise könnte man mit den Worten abwinken: "Typisch Kalou!" - wenn es nicht so ernst wäre. Manchmal sind Fußballprofis eben wie kleine Kinder, auch wenn sie wie Salomon Kalou bald 35 werden.

Am Ende ist ihm - trotz aller sportlicher Wertschätzung - seine Lieblingsrolle zum Verhängnis geworden. Die des Clowns. Hertha BSC hat den Profi, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, suspendiert. Salomon Kalous Zeit in Berlin endet unrühmlich. Es war ein Spaß zu viel.

Sendung: rbb UM6, 05.05.2020, 18.00 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Jakob Rüger

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

18 Kommentare

  1. 17.

    „Sind doch bei Hertha und Union alle negativ getestet worden. Warum soll man sich da nicht die Hand geben können?“
    Weil ein Test lediglich eine Momentaufnahme ist. Nach dem nächsten Einkauf oder einer BVG-Fahrt selbst nach Kontakt mit Angehörigen o.ä. kann das schon alles ganz anders sein. Mach dem Motto: 15 Uhr noch negativ, 16 Uhr schon positiv. Zudem gibt’s durch Abstrichfehler jede Menge sog. falsch-negative Tests.

  2. 16.

    Also ich hoffe dass die Bundesliga bald wieder anfängt und ich endlich wieder ins Olympiastadion kann, ist zwar nicht der schönste Fussballtempel, aber momentan geht's nur um Fußball.
    HaHoHe

  3. 15.

    Mensch, seien Sie doch nicht so negativ.
    "Skandal-Hertha"... Oder wie sich die Fans des Vereins selbst oft bezeichnen: das Berliner Sorgenkind. Hertha ist nunmal Berlin, dass da nicht immer alles glatt läuft, ist durchaus richtig.
    "Gähnend leere Ränge" - stimmt, das Olympiastadion ist selten ausverkauft. Und trotzdem ist Hertha der Sportverein, der in Berlin die meisten Zuschauer anzieht. Das Stadion ist nunmal einfach zu groß.
    "braucht niemand" - das ist ja schon fast eine widerliche Art. Wie können Sie sagen, dass Niemand Hertha braucht, wenn es der größte Sportverein der Hauptstadt ist, der jedes zweite Wochenende um die 50.000 Zuschauer anlockt? Nur, weil Sie mit dem Verein anscheinend nichts anfangen können, stellen Sie sich bitte nicht über andere und bestimmen, was und wer gebraucht wird oder nicht.

  4. 14.

    Wieso wird es jetzt so dargestellt als wäre das FILMEN das Problem gewesen und nicht das gefilmte Verhalten?

  5. 13.

    Clown? Kindlich? Naiv? Der gute Mann hat doch nur gezeigt, wie es ist. Die Wahrheit kann man nicht von der Hand weisen, die angestrebte Sonderrolle des deutschen Profifussballs bietet keine gute gesellschaftliche Vorbildfunktion und macht epidemiologisch keinen Sinn. Finde ich nicht gut, einzelne Personen (Whistleblower?) herabzustufen, nur weil man sich ein falsches Weltbild erhalten möchte.

  6. 12.

    Eigentor! Dummheit muss bestraft werden. Mir tuen nur die Fans leid, die ihr Geld für solche Dumpfbacken hinblättern. Ich bin kein Fussballfan.

  7. 11.

    Die Clowns sind doch die Herthaner selber.
    Neues Stadion, Grundstück von Berlin für lau. Und nun Geisterspiele bei denen die Spieler als Gladiatoren und schlechte Vorbilder dienen sollen.

  8. 10.

    Vor allem die "Skandal-Hertha", die im Olympiastadion fast immer vor gähnend leeren Rängen spielt braucht niemand.

  9. 9.

    Einem Mann von 34Jahren muss man
    mehr Verstand zu billigen als einem
    grünen Jungen.Er hat HBSC und dem
    Sport einen Baerendienst erwiesen.

  10. 8.

    Genau das! Die BL hat im Moment null Lobby. Warum? Keine Ahnung, weil sich Herr Lauterbach und andere profilieren wollen. Bald können wir arbeiten, Bars besuchen und sonst noch was, nur dei Bundesliga muss ruhen. Wenn ein Herr Kalou es nicht checkt, sorry er schaden der Liga und dem deutschen Fußball, so blöd, so wahr!

  11. 7.

    Komisch unsere Politiker stehen im Fahrstuhl mit 15 Mann ohne Mundschutz,geben Interviews ohne Sicherheitsabstand (Unsere Verteidigungsministerin) ,komisch keiner der Kommentatoren und Journalisten interessiert das.

  12. 6.

    Ja, da hat er wohl nicht so nachgedacht. Doch ich verstehe die Aufregung nicht. Sind doch bei Hertha und Union alle negativ getestet worden. Warum soll man sich da nicht die Hand geben können? Und auch, wenn es viele nicht wahrhaben wollen: Fußballer sind auch nur Menschen.

  13. 5.

    schließe mich weitestgehend den vorrednern an und sage DANKE SALOMON!
    diese ganze diskussion über die weiterführung der Bundesliga-Saison ist verlogen! egal, wie man zu dem thema steht: profifußball ist ein vollkontaktsport! punkt! und die bundesliga lebt von den fans und vollen stadien! nochmals DANKE SALOMON!

  14. 4.

    Das Herthas Physiotherapeut ihn gebetet hat das Video sofort zu löschen, wundert mich nicht! Denn der Physiotherapeut wusste ganz genau, daß als er einen Abstrich bei einem Spieler gemacht hat, die Sicherheitsmaßnahmen bei sich selbst nicht richtig eingehalten hat! Bis auf dem Mundschutz und den Handschuhen hat er sich nicht weiter geschützt! Da gibt es bestimmt weitere Vorschriften, wie man sich in dieser Maßnahme richtig schützen tut! Es geht ja auch um seine eigene Gesundheit!

  15. 3.

    Dass eine solche Aussage von einem Journalisten kommt, erschreckt mich: "Kalou gefährdet die Fortsetzung der Saison." Echt jetzt? Kalou ist also der Schuldige?? Wie schon Kevin in #2 sagt, ist Kalou jemand, der einfach die Wahrheit zeigt - und nun nach "guter" alter und neuer Tradition als Überbringer der schlechten Nachrichten für das krasse Fehlverhalten von Anderen büßen muss. Eine völlig verkommene Moral - erwartungsgemäß bei den Mächtigen und überraschender Weise auch noch in den Medien. Pfui.

  16. 2.

    Hat er denn nicht nur einfach das gefilmt, was da hinter den Kulissen abgeht? Ist er nicht eher ein unfreiwilliger Whistleblower, der hier als kleines, naives Dummerchen oder wahlweise als Verräter abgestempelt wird? Ist das veröffentlichte Video der Skandal oder nicht doch eher die Zustände, die darauf dokumentiert sind und die zeigen, dass Hertha den Ernst der Stunde nicht begriffen hat?

  17. 1.

    Der Volksmund sagt: Kindermund tut Wahrheit kund.

    Und jetzt sind eben alle (DFL, DFB, Medien) auf den Spieler sauer, weil ein "dummes Kind" ihr Kartenhaus zum einstürzen bringt (hoffentlich).

Das könnte Sie auch interessieren

Corvus Corax bei ihrem Konzert auf einem Bauernhof in Alt-Lübars in Berlin. Quelle: Hendrik Schröder
Hendrik Schröder

Konzertkritik | Corvus Corax - Zurück ins Mittelalter

Konzerte zu machen ist schwer in Corona-Zeiten. Auf einem Bauernhof in Alt-Lübars hat man nun einen guten Weg gefunden, wieder Musik zu veranstalten. Am Wochenende spielte die Mittelalterband Corvus Corax. Von Hendrik Schröder

Techniker und Arbeiter sind in der Abflughalle des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg Willy-Brandt unterwegs. Quelle: dpa/Michael Kappeler
dpa/Michael Kappeler

Drohendes Finanzdesaster am BER - Hunderte Millionen Euro werfen Fragen auf

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg GmbH hat laut Konzernabschluss noch nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 838 Millionen Euro. Das geht aus dem Konzernabschluss für 2019 hervor. Es stellt sich die Frage, wovon soll das bezahlt werden. Von René Althammer und Susanne Opalka