Zwei Spieler des SV Schmöckwitz-Eichwalde beim Laufen. (Quelle: SV Schmöckwitz-Eichwalde)
Bild: SV Schmöckwitz-Eichwalde

Gemeinsam fit trotz Kontaktverbot - Ein Verein kommt in Bewegung

Der SV Schmöckwitz-Eichwalde hat sich eine Herausforderung überlegt, um seine Sportler zurück zum Sport zu bringen. Mit einem schönen Nebeneffekt: Die Mitglieder kommen trotz Kontaktverbot wieder zusammen und sind zum Trainingsstart topfit. Von Till Oppermann

"Wir wollen, dass die Mannschaften wieder in Kontakt kommen", sagt Dieter Müller auf seiner Terrasse in Berlin-Schmöckwitz. Für den Sportvorstand des SV Schmöckwitz-Eichwalde aus dem äußersten Südosten Berlins waren die vergangenen Wochen ungewohnt. Denn weil er neben seiner Funktion im Vorstand auch noch als Jugendtrainer aktiv ist und selbst in der Ü-40-Mannschaft kickt, trifft man ihn eigentlich eher auf dem Sportplatz am Hirtenfließ, als auf einem Gartenstuhl bei sich zuhause. Doch seit Beginn der Corona-Krise sind die Fußballplätze der Hauptstadt gesperrt. Er und seine Vorstandskollegen haben sich deshalb ein Konzept überlegt, wie die Fußballer der 18 Mannschaften des Vereins trotz Kontaktverbots wieder gemeinsam Sport machen können.

Ein virtuelles Trainingsgefühl bringt die Fußballer zusammen

"Der Verein organisiert einen virtuellen Wettbewerb", erklärt Müller. Unter dem Namen #schmoeckebewegtsich zählt seit dem 6. Mai jeder Kilometer. Dabei sei egal, ob die Sportlerinnen und Sportler walken, joggen, radeln oder skaten. Wer die Ergebnisse trackt und dem zuständigen Trainer übermittelt, kann Punkte für seine Mannschaft sammeln. Müller kündigt an: "Die drei besten Mannschaften bekommen einen Preis." Damit die Ergebnisse von der G-Jugend bis zum Landesliga-Team der Herren vergleichbar werden, hat sich der Klub ein Punktesystem ausgedacht. Die zurückgelegten Kilometer werden je nach Mannschaft und Aktivität mit festgelegten Faktoren verrechnet. Dabei ergibt sich für jeden Lauf und jede Fahrradtour eine Punktzahl. Das Team, das am Ende die meisten Punkte sammelt, gewinnt. Und: "Je anstrengender die Aktivität, desto höher der Faktor", sagt Müller. Um nach vorne zu kommen, müssten sich die älteren Mannschaften also mehr bemühen.

Sehr zum Leidwesen seines Vorstands- und Mannschaftskollegen Heiko Melzer: "Bei den 40ern läuft es eher schlecht als recht, aber wir kämpfen wacker." Die Motivation wolle man sowieso eher unter den ungefähr 250 Kindern und Jugendlichen im Verein entfachen. Beispielsweise bei den B-Juniorinnen, die Melzer trainiert. "Die Mädels sind wahnsinnig motiviert." Aktuell stehe man auf Platz zwei hinter den G-Junioren. Melzer selbst interessiert die Platzierung am Ende weniger. Viel wichtiger sei das Gemeinschaftsgefühl. Man versuche zu den normalen Trainingszeiten und am Wochenende gleichzeitig aktiv zu werden. "So entsteht Montag und Mittwoch um 18 Uhr ein virtuelles Trainingsgefühl." Denn wenn man weiß, dass die Teamkollegin sich gerade auch quält, läuft es sich leichter.

Ein Spieler des SV Schmöckwitz-Eichwalde bei einer Radtour. Quelle: SV Schmöckwitz-Eichwalde
Gut gelaunt und fit durch die Corona-Krise. Ein Spieler des SV Schmöckwitz-Eichwald bei einer Radtour. | Bild: SV Schmöckwitz-Eichwalde

"Es ist deutlich lustiger geworden"

Diese Motivation würde vielleicht auch so manchem Mitspieler von Mick Thiel in der A-Jugend helfen. Wie in den anderen Mannschaften schicken die Spieler über den Teamchat ihrem Trainer ihre Ergebnisse. "Zumindest jeder der Lust hat, für manche ist die Challenge wohl zu anstrengend", scherzt der 18-Jährige. Auch Thiel ist zusätzlich noch Jugendtrainer. Um Motivationsprobleme bei seinen E-Junioren zu vermeiden, hat er zusätzlich noch ein internes Ranking eingeführt und unter seinen besten Spielern weitere Preise ausgelobt. Von seinen acht- bis zehnjährigen Spielern gehen manche sogar ganz ohne ihre Eltern laufen.

Schon vor dem Ende der Challenge am 17. Mai können sie die Organisatoren als Erfolg verbuchen. Denn die Vereinsmitglieder kommen wieder zusammen – wenn auch bisher nur virtuell. Übereinstimmend erzählen sie davon, dass die Mannschafts- und Trainergruppen seit dem Start am 6. Mai deutlich belebter seien. "Es ist deutlich lustiger geworden", sagt zum Beispiel Mick Thiel. Heiko Melzer unterstreicht das: In der Gruppe der Frauenmannschaft würden sogar um 23 Uhr noch Resultate einlaufen. "Eine Spielerin ist nach ihrer Spätschicht nach Hause gejoggt." Vielleicht hat er damit auch bei seinen Trainerkollegen geprahlt. Auch deren Chat sei in letzter Zeit eher ruhig gewesen. "Aber jetzt kommt da untereinander auch ein bisschen Competition auf."

Geht es bald zurück auf den Platz?

Damit die Aktion des Vereins auch über die internen Kommunikationswege hinaus wahrgenommen wird, begleiten die Schmöckwitzer das Geschehen auch bei Facebook und Instagram. "Ich hoffe möglichst viele benutzen das Hashtag #schmoeckebewegtsich", sagt Dieter Müller. Und vielleicht bewegt sich Schmöcke bald auch endlich wieder mit dem Ball. Denn theoretisch ist ab dem 15. Mai in Berlin wieder Kleingruppentraining ohne Kontakt erlaubt. "Wir denken, dass sich dann wieder alle auf Fußball freuen werden."

Das Konzept dafür ist schon fertig. Als erster Verein in ganz Berlin hat man dem Berliner Fußball-Verband einen Plan für mögliche Übungen zugesendet. "Jede Mannschaft würde dann für eine Stunde in der Woche die beiden Plätze bekommen", erklärt Müller. So sei gewährleistet, dass der Sicherheitsabstand immer eingehalten werden könne. Mittlerweile hat auch der Verband einen Leitfaden für das Training während des Kontaktverbots veröffentlicht. Noch in dieser Woche rechne man mit einer Entscheidung des Sportamts Treptow-Köpenick, sagt Melzer. Sollte die den Sportplatz wieder öffnen, kehrt ein ganzer Verein topfit wieder zurück – und Dieter Müller kann seinen Gartenstuhl gegen die Trainerbank eintauschen.

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