Die Fußballzeitschrift "Fußball-Woche" (Quelle: rbb/Zahavi)
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Corona-Krise bedroht die "Fußball-Woche" - Überlebenskampf im Zeitschriften-Regal

Die "Fußball-Woche" ist eine Berliner Institution. Die Zeitschrift berichtet über den kompletten Fußball der Stadt. Doch weil derzeit kein Ball rollt, ist die wirtschaftliche Lage schwierig. Rückhalt und Unterstützung kommt von Abonnenten und Vereinen.

Zuschriften erhält Horst Bläsig gerade viele. "Es endet oft mit 'Haltet durch'", erzählt der Chefredakteur der "Fußball-Woche". Denn die Fußballzeitschrift, die wöchentlich erscheint und den Berliner Fußball von den Bundesligisten Hertha und Union bis zur Kreisliga C abdeckt, bangt wegen der Corona-Krise um ihre Existenz.

Seit 1923 erscheint das in Berlin gegründete Blatt - und hat seither die Weltwirtschaftskrise, Krieg und die Teilung Deutschlands überstanden. Die Corona-Krise soll da nicht der Auslöser für das tragische Ende der Berliner Institution bedeuten. Deswegen haben Bläsig und seine Kollegen reagiert und den Umfang der Zeitschrift von 48 auf 32 oder 24 Seiten reduziert. "Wir haben ja notgedrungen auch den Charakter der Fußball-Woche ein bisschen verändern müssen", erzählt der Chefredakteur. Weil kein Ball rollt, stellen sie nun Berliner Vereine oder Fußball-Legenden vor, berichten über aktuelle Themen im Zusammenhang mit der Krise und lassen ihre Leser mit Archivmaterial in Erinnerungen schwelgen. "Das macht auch durchaus Spaß und gelingt uns auch glaube ich ganz gut. Nichtsdestotrotz wird die Pause, je länger sie dauert, auch schwieriger für uns zu bewältigen sein - auch wirtschaftlich."

"Der Einzelverkauf an den Kiosken ist natürlich schon spürbar eingebrochen"

Seit 2008 sind sie eine eigenständige GmbH und haben keinen großen Verlag mehr im Rücken. "Wir haben die Zeit seit 2008 auch ganz gut hinbekommen, ohne rote Zahlen zu schreiben. Auf der anderen Seite war die Fußball-Woche auch nicht in der Lage, Rücklagen zu bilden. Die haben wir nicht. Wir müssen also mit dem hinkommen, was jetzt an Einnahmen da ist", erklärt Bläsig, der für die wenigen festen Mitarbeiter Kurzarbeitergeld bekommt.

Horst Bläsig, Chefredakteur der Fußball-Woche, im Interview mit Union-Präsident Dirk Zingler (Quelle: Fußball-Woche/1. FC Union Berlin)Chefredakteur Horst Bläsig (links) im Interview mit Union-Präsident Dirk Zingler.

"Der Einzelverkauf an den Kiosken ist natürlich schon spürbar eingebrochen", sagt er. Auf seine treuen Abonnenten aber kann er vertrauen. Immerhin mehrere Tausend sind das. Und: "Es kamen auch etliche neue Bestellungen von Abos dazu", so Bläsig. "Man merkt schon, dass da ein starker Rückhalt ist und den Lesern auch daran gelegen ist, dass die Fußball-Woche die Corona-Krise übersteht."

"Man spürt, wie wichtig die Fußball-Woche vielen Menschen in Berlin ist"

Das wurde auch bei einer Spendenaktion deutlich, die Werner Natalis, Präsident von Berlin-Ligist Sparta Lichtenberg, mit einem Leserbrief initiierte. Mit 100 Euro hat sein Verein die "Fußball-Woche" unterstützt. Viele weitere Klubs und Einzelpersonen folgtem ihm, die Resonanz war groß. "Durch die Spenden ist ein Betrag zusammengekommen, der uns schon mal wieder ein bis zwei Monate weiterhilft", freut sich Bläsig und ergänzt: "Das berührt einen schon emotional, weil man dann auch mitbekommt, dass man in so einer Situation auch spürt, wie wichtig die Fußball-Woche vielen Menschen in Berlin ist und wie sehr sie geschätzt wird."

Doch weil die Zeichen beim Berliner Fußball-Verband auf Saisonabbruch stehen, wird wohl frühestens im August wieder gespielt werden - vielleicht auch gar nicht mehr in diesem Jahr. "Wenn sich abzeichnen würde, dass Fußball wirklich bis weit ins nächste Jahr hinein nicht mehr stattfindet  - mal abgesehen vielleicht von Geisterspielen im Profi-Bereich - dann müssten wir uns natürlich ganz neu Gedanken machen", sagt der Chefredakteur, der finanzielle Engpässe derzeit auch noch mit der Soforthilfe vom Berliner Senat ausgleichen kann. "Dann müsste man irgendwann auch mal überlegen, ob man als Fußball-Woche mal pausiert."

Darüber will Horst Bläsig aber jetzt noch nicht nachdenken. Die vielen Zuschriften und das positive Feedback der Leser motivieren ihn und seine Mitarbeiter. "Wir versuchen einfach, die Situation so gut wie möglich zu bewältigen", sagt er. "Und wenn uns das gelingen sollte, dann können wir hinterher auch ein Stück weit stolz darauf sein."

Sendung: Inforadio, 18.04.2020

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Wohl eher Männerfußball-Woche müsste es wohl heißen.

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