Frau joggt in Berlin-Spandau (Bild: imago images/Jürgen Ritter)
Bild: imago images/Jürgen Ritter

Bewegungsdrang und Risiken - Warum Sport während Corona wichtiger denn je ist

Unter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus leidet sowohl der Spitzen- als auch der Breitensport. Warum der nicht nur angesichts einer Pandemie an Bedeutung gewinnt und wieso nun auch die Chef-Etagen gefragt sind.

Der Spitzen- und Breitensport steht erneut vor schweren Einschränkungen. Vereins- und Mannschaftssport werden untersagt, im Amateurbereich wird im November nur noch Individualsport möglich sein - allerdings nicht in Fitessstudios, auch sie werden geschlossen.

Wolfgang Ruf, Studiengangsleiter Soziale Arbeit und Sport an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport, mahnte im Vorfeld der Bund-Länder-Konferenz im Gespräch mit dem rbb: "Man sollte die öffentlichen Sportplätze so lange wie möglich unter Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen geöffnet lassen, um den Zugang zu Bewegungsangeboten möglichst lange aufrecht zu erhalten. Auch aufgrund der sozialen Unterschiede. Manche haben einen Garten zu Hause, für andere sind öffentliche Sportplätze jedoch sehr wichtig."

Für "Körper und Geist" sei der Sport gleichermaßen wichtig, so Ruf, der zudem auf die Bewegungsempfehlung der Weltgesundheitsorganisation verweist, auf denen auch die Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums basieren und die besagen, dass man sich "mindestens 150 Minuten mit mindestens mittlerer Intensität pro Woche bewegen soll, um die Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern."

Wichtig für die Covid-19-Therapie

Kinder seien sogar noch viel mehr auf Bewegung angewiesen, so Ruf: "Kinder haben grundsätzlich einen sehr hohen Bewegungsdrang. Man empfiehlt zum Beispiel Kindergartenkindern drei Stunden pro Tag Bewegung, während es für Erwachsene zweieinhalb Stunden pro Woche sind."

Auch in unmittelbarer Hinsicht auf Covid-19 ist Sport von Bedeutung, so Ruf. So sei körperliche Inaktivität laut Studie des Robert Koch-Instituts ein Risikofaktor für Krankheiten wie Adipositas, Diabetes-2 oder Herzerkrankungen, welche wiederum einen schweren Verlauf von Covid-19-Erkrankungen begünstigen können.

Bewegungsrückgang um elf Prozent

Wie sehr die Einschränkungen auf das Bewegungsverhalten der Menschen Einfluss nimmt, zeigt eine Auswertung eines Fitnessband-Herstellers, die Ruf zitiert und nach der ein "Bewegungsrückgang um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum festgestellt werden konnte." Immerhin: "Das Bewegungsverhalten in Deutschland hat sich im Vergleich zu Ländern wie Italien oder Spanien, in denen die Einschränkungen stärker waren, moderater verringert."

Bewegung also hilft, und die alte Weisheit, nach der jeder Schritt zähle, treffe immer noch zu. "Die Regelmäßigkeit ist wichtiger als der Umfang", so Ruf. Auch der Sportwissenschaftler, Athletik- und Personaltrainer Björn Kadlubowski mahnt im Gespräch mit dem rbb, Belastungen nur "langsam zu steigern, weil es sonst zu einer Überlastung des Organismus kommen kann."

Appell an die Chefs

Dabei muss es nicht das Fitness-Studio oder der Sportplatz sein, so Kadlubowski, der insbesondere auf die Kniebeuge schwört, denn: "Sie ist für mich mit die elementarste Übung, weil dabei die gesamte Beinmuskulatur beansprucht wird. Auch die Rumpfmuskulatur wird bei der Ausführung gestärkt. Richtig ausgeführt, kann man im gesamtes Bewegungsausmaß die Mobilität verbessern. Somit haben wir eine Übung, die uns sehr weiterbringt."

Zumal die Kniebeuge auch im womöglich bald wieder noch mehr genutzten Homeoffice machbar ist. Oft genug eine Dreifachbelastung aus Arbeit, Haushalt und Familie. Da helfe der Sport, "auch mal auf andere Gedanken zu kommen", so Kadlubowski. Aber auch im Büro sei regelmäßige Bewegung wichtig, denn der Körper sei nicht für das Sitzen gemacht: "Da appelliere ich an die Chef-Etagen, dass man den Angestellten zumindest eine kurze Bewegungspause gestattet."

So oder so: Allzu lange sollte man nach der möglichen Schließung der Sportstätten nicht damit warten, sich alternativ Bewegungsmöglichkeiten zu suchen. "Generell kann man schon davon ausgehen, dass wenn man ein bis zwei Wochen inaktiv ist die Verletzungsanfälligkeit stark erhöht wird und gleichzeitig das Fitness-Level stark sinkt", so Kadlubowski.

Sendung: rbb UM6, 28.10.2020, 18:15 Uhr

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Beitrag von Ilja Behnisch

10 Kommentare

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  1. 10.

    Was hindert Sie denn daran, zuhause Rumpfbeugen zu machen? Es wurden doch Sachen aufgeführt, die man ohne Probleme in einer kleinen Pause dazwischenschieben kann. Oder arbeiten Sie ständig/immer/ununterbrochen 24/7? Ganz ehrlich, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. (Und bitte nicht schon wieder das Homeschooling als Ausrede vorschieben, das nervt langsam.)

  2. 9.

    Die Fußballer dürfen weiter spielen, ich darf nicht rudern. Das Fittnescenter mit tollem Hygienekonzept muss schliessen, die Fußballer dürfen spielen , etc. Warum verstehe ich das nicht ?

  3. 8.

    War aber doch im Frühjahr nicht anders, da waren es sogar 2 1/2 Monate ohne organisierten Sport. UND bei vielen durch geschlossene Läden/Firmen und Homeschooling auch: Nur zu Hause sein! Jetzt ist es doch viel besser!
    Finde es auch nicht dolle, dass jetzt wieder alles schließt, weil ich mir während besagter 2 1/2 Monate (daheim, s.o) nämlich gelangweilt einiges angefuttert habe, das ich seither irgendwie abzuarbeiten versuche (Sportkurse, Muckibude). Es ist ja auch nicht so, dass es keine kostenfreien Sportvideos auf Youtube etc. gäbe und sogar TV-Sport. Aber der Typ dafür bin ich nicht, und im Trimmtrab laufe ich dann, wenn der Trainer es mir in der Turnhalle sagt, aber sicher nicht freiwillig in der Öffentlichkeit. Dennoch, werd nun wieder auf Spazieren/ Art "Walken" umstellen, Alltagsbewegung forcieren, im Garten ist praktischerweise laubbedingt ja auch jede Menge zu tun usw. Evtl Wirbelsäulengymnastik. Geschenke "gucken"gehen. Bummeln ist ja erlaubt. Der Monat ist schnell um.

  4. 7.

    Was ist denn die Regelarbeitszeit bei Ihnen? *staun* Oder ist das so ne Firma, wo man dann über Mittag 3h Pause hat und danach noch mal "ran darf"?
    Wie ist denn derzeit bei Ihnen die Kinderbetreuung geregelt, wo der Vereinsbetrieb noch läuft? Denn wenn die Zeit theoretisch verfügbar ist, wäre das doch DIE Gelegenheit für einen z.B: ausgedehnten Spaziergang.
    Ach nee, da war ja der Arbeitgeber.. Hm, ok, vielleicht ist das Polizei-Innendienst oder so, da gibt es ja 12h-Schichten.
    Tja Mist, aber sehen Sie da keine Möglichkeit, wenn die "Entschuldigung" Sportverein wegfällt, sich zur gewohnten Zeit "abzuseilen"? Wenn der Chef sagt: "Na, Ihr Sport ist ja derzeit nicht, dann bleiben Sie noch!" und SIe antworten: "Das ist meine feste Sportzeit, die ich jetzt indiviudell nutzen möchte?" ODER: Virtuelles Live-Online-Videokonferenz-Vereinstraining "vorschieben", das Sie nicht verpassen dürfen? Sie kriegen das hin! Daumen sind gedrückt.

  5. 6.

    Hallo LIsa, wenn Sie nur Gerätetraining machen dürfen, würde ich Ihnen zum Kauf eines Therabandes raten. Damit kann man auch zu Hause eine Menge (Kraft)Übungen mit Widerstand machen.
    Vielleicht schaffen Sie ja auch einen Spaziergang (Stichwort: "Eine Haltestelle früher raus") oder bringen z.B. jede Flasche gleich direkt zum Altglascontainer statt nur alle paar Wochen etc.
    Es ist immer die Summe der täglichen Bewegung, die zählt.
    Jeder schafft es, sich irgendwie zu bewegen. Selbst Rollifahrer haben ihre Expander etc.
    Sie kriegen das auch hin!

  6. 5.

    Aber nicht mit Maske und dieser irrsinnige Zwang wird auch noch kommen und zwar für überall.
    Anstatt man wirklich mal entsprechend die Risikogruppen gerade durch Sport und richtige Ernährung stärkt, wird der negative Kreislauf immer weiter verstärkt.
    Aber man gucke sich die Politiker an, vor allem Leute wie altmaier, die wahrscheinlich in ihrem Leben als einzigen Sport dem Weg zum Auto hatten, da kann einfach nichts richtiges kommen.

  7. 4.

    Bisher konnte ich 2 mal die Woche nach knapp 10 Stunden aus dem Büro verschwinden, weil ich Sport im Verein gemacht habe. Das fällt nun weg. Klar, was passiert - da kann der Angestellte ja ein bisschen länger bleiben...
    Das Schließen der Sportstätten ist echt ein Fehler. Angesteckt haben sich die Zuschauer - die Sportler sind nicht mehr infiziert als andere, die gleichzeitig Restaurants besucht haben und sich mit vielen Menschen trafen.

    Menschen, die NUR arbeiten dürfen, Homeschooling und Kinderbetreuung machen (wird kommen, da wette ich...), drehen ohne Ausgleich irgendwann am Rad. Werden gewalttätig. Und nein, mit Kindern zu Hause kann man nicht einfach morgens mal laufen gehen oder abends! Diese Tips sind für Alleinstehende oder Rentner geeignet.

  8. 3.

    Ein super Beitrag. Vielleicht sollte man das den Politikern mal in die Hand drücken. Vier Wochen die Leute beim Thema Sport auf sich allein stellen, find ich nur dreist. Wenn schon alles dicht gemacht wird, dann würde ich auch von unseren Politikern gerne erläutert bekommen, wie wir ein effektives Training zu Hause machen können z.B. durch selbstgedrehte Sportvideos.

  9. 2.

    Aha Sport ist wichtig , warum darf ich dann nicht ins Fitness Studio ? Ich darf nicht joggen und auch nicht Radfahren . Aber Geräte schon , was soll das Ganze

  10. 1.

    Die meisten Rehaeinrichtungen beginnen den Tag direkt nach dem Aufstehen mit 30 min Bewegung an der frischen Luft. Das kann ein Spaziergang sein oder auch schnelleres Laufen, was fast überall möglich ist ;)

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