Letzte Saison in der DDR-Oberliga von Energie Cottbus - Absturz im Umbruch

Spiel von Energie Cottbus in der Saison 1990/91 (Quelle: rbb)
Video: rbb UM6 | 29.05.2021 | Torsten Michels | Bild: rbb

Im Mai 1991 ist die DDR schon Geschichte, doch der Ball rollt noch. In der DDR-Oberliga wird ein letztes Mal der Meister ermittelt. Auch Energie Cottbus kickt mit. Eine Zeitreise 30 Jahre zurück. Von Andreas Friebel

Im Sommer 1990 steuert die DDR auf ihr Ende zu und Energie startet in die letzte Oberliga-Saison. Statt Trabbi fahren die Spieler inzwischen Renault. Die Franzosen sind nämlich gerade als Trikotsponsor eingestiegen. Und auch die Trainingsklamotten kommen statt von Ost-Sportgerätehersteller Germina, aus dem Westen, freut sich Torjäger Detlef Irrgang. "Wir kannten ja Adidas und Puma und waren echt stolz, die Sachen tragen zu dürfen. Denn das war ja gerade bei den Schuhen echte Qualität."

"Die hatten Flausen im Kopf"

Und weil jetzt alles möglich scheint, träumt die Klubspitze vom großen Fußball in der Bundesliga oder der zweiten. Dafür muss Cottbus am Saisonende unter die besten Acht kommen. Und der Anfang ist vielversprechend. In vier Spielen gewinnt Energie zwei Mal und holt zwei Unentschieden. Nach zwei Niederlagen gegen Frankfurt/Oder (0:1) und Erfurt (1:3), schaffen die Lausitzer noch ein 4:1 gegen Sachsen Leipzig.

Wir schreiben den 5. Oktober 1990. Kurz zuvor feiert Deutschland Wiedervereinigung. Danach wurde aber im Stadion der Freundschaft nicht mehr gefeiert. Plötzlich geht nichts mehr im Team um Abwehrspieler Jens Melzig. "Manchmal läuft es halt nicht, gerade wenn man Flausen im Kopf hat und nicht nur die zweite Liga da Ziel ist. Vielleicht hatten wir deshalb dann auch irgendwie eine Blockade im Kopf."

Nach guten Saisonstart, folgt der Absturz

Bis zur Abwicklung der Oberliga gewinnt Cottbus kein einziges Spiel mehr. Auch zwei Trainerwechsel können daran nichts ändern. 19 Partien ohne Sieg stehen in den Geschichtsbüchern. Der letzte Auftritt für Detlef Irrgang und seine Kollegen ist ein 0:2 gegen Jena, am 25. Mai 1991. "Wie es danach weiter gehen sollte, wusste niemand. Keiner hatte einen Vertrag. Es wusste auch niemand was mit dem Klub passieren würde. Es stand alles in den Sternen."

Nach dem "Erreichen" des vorletzten Tabellenplatzes bricht die Mannschaft auseinander. Jeder Spieler versucht irgendwie in der neuen Zeit zurecht zu kommen. Jens Melzig zum Beispiel geht nach Dresden, dann nach Leverkusen und Chemnitz. Er wird aber später von Eduard Geyer zurückgeholt. So ist Melzig Teil der legendären Mannschaft, die 1997 im DFB-Pokal Pokalfinale gegen Stuttgart (0:2) steht und den Aufstieg in die 2. Liga (gegen Hannover 96) schafft. "Wir haben in dieser Zeit alles weggeschossen. Denn wir hatten eine gute Mannschaft mit viel Charakter. Auf und neben dem Platz."

Aufstieg in die Bundesliga kommt später

Die Truppe mit Charakter schafft es im Mai 2000 sogar dann doch bis in die erste Bundesliga. Und gewinnt auch gegen Rekordmeister Bayern München. Es sind Sternstunden für den Lausitzer Fußball und den Hexenkessel Stadion der Freundschaft. Doch diese Sternstunden fühlen sich für den heutigen Viertligisten fast genausoweit weg an, wie die letzte DDR-Oberliga-Saison.

Sendung: rbb UM6, 29.05.2021, 18 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ein schöner Beitrag, danke rbb.
    Immer vorwärts Energie!

  2. 1.

    Ich hatte während meines Studiums in Cottbus eine so schöne Zeit - auch wegen dem FC Energie - gehabt. Irgendwann kommen wieder bessere Zeiten, ich bin mir sicher.

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