50 Jahre "Tor des Monats" | Erich "Ete" Beer - Volley auf dem Weg zur Vizemeisterschaft

Do 18.03.21 | 17:32 Uhr
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50 Jahre Tor des Monats: Erich Beer bejubelt ein Tor für Hertha BSC (Quelle:imago/Rust)
Bild: imago/Rust

Erich "Ete" Beer erzielte in den 1970er Jahren zwei Mal das "Tor des Monats". Beide Medaillen funkeln ihn noch heute täglich an. Beer erinnert sich zurück - und hat für seine Nachfolger im Hertha-Trikot noch ein paar Tipps auf Lager. Von Dennis Wiese

Erich Beer muss ganz schön kämpfen. Kämpfen, um den großen braunen Rahmen mit all seinen funkelnden Fußball-Medaillen in den Bildausschnitt der Webcam zu kriegen. Unten in der Ecke sind die beiden goldenen: "Tor des Monats" November 1974 und "Tor des Monats" April 1976.

Die 1970er sind das Jahrzehnt, das Erich "Ete" Beer bei Hertha BSC mit seinen Toren geprägt hat. Zum großen Jubiläum "50 Jahre Tor des Monats" schaut Beer, heute Münchner, auf seine beiden schönsten Tore zurück.

Per Volleyschuss in Richtung Vizemeisterschaft

Die Augen des heute 74-jährigen funkeln, wenn er an jene Bude aus dem November 1974 beim Auswärtssieg in Duisburg zurückdenkt: "Luggi Müller flankt mit links, der Ball wird verlängert von einem Duisburger Spieler, halbrechte Position. Ich nehme den Ball aus der Luft, durch die Unterkante der Latte ist er dann reingegangen. Das war ein tolles Tor. Aber an das Tor des Monats habe ich da noch nicht gedacht", so Erich "Ete" Beer.

Es war eines von 83 Toren, die der Franke für Hertha BSC in der Bundesliga erzielte. Ehe Michael Preetz ihn in den frühen 2000ern überholte, war Beer jahrzehntelang Herthas treffsicherster Bundesligatorschütze.

In jener Saison 1974/75 wurden die Berliner Vizemeister hinter Borussia Mönchengladbach. Die 1970er, in denen Beer acht Jahre lang das blau-weiße Trikot trug, waren die erfolgreichste Zeit der Clubgeschichte. Neben der Vizemeisterschaft stand Hertha zweimal im DFB-Pokalfinale (1977 und 1979) und kam im UEFA-Pokal bis in das Halbfinale (1979). Hertha und Beer waren nah dran an einem Titel, gewonnen haben sie nie etwas: "Ich grübele heute noch", sagt Beer "warum uns das nie gelungen ist."

Erich Beer bei Herthas Auswärtsspiel in München 2019 (Quelle:imago/Sven Simon)
Lebt in München, trägt aber Hertha-Schal: Erich Beer 2019 bei einem Spiel gegen die Bayern | Bild: imago/Sven Simon

"Etes" Spezialitäten: Direktabnahmen und Distanzschüsse

Für einen Mittelfeldspieler ist Beers Torquote beeindruckend. Alle Vereine und Wettbewerbe zusammengenommen, kam er in 428 Pflichtspielen auf 125 Tore. In der Nationalmannschaft traf er in 24 Länderspielen sieben Mal. Für Direktabnahmen wie die beim "Tor des Monats" November 1974, hatte er ein Faible: "Ich habe das nach dem Training oft mit meinem Co-Trainer Gustav Eder trainiert", so Beer.

Auch seine zweite Geheimwaffe hat "Ete" in seiner Zeit bei Hertha perfektioniert: "Wir hatten bei Hertha den Mittelstürmer Lorenz Horr. Wir zwei haben uns blind verstanden. Lorenz hat die Bälle abgelegt und ich habe aus vollem Lauf abgezogen. Das war meine Spezialität: aus der zweiten Reihe zu schießen und Tore zu machen".

Mit Blick auf seine stürmenden Nachfolger im Hertha-Trikot würde er sich etwas mehr Mut wünschen, sagt Beer. "Ich denke manchmal vorm Fernseher: Warum schießen der Cunha oder der Darida nicht mal aus der zweiten Reihe? Da wird nochmal abgespielt und nochmal. Mein Trainer hat immer gesagt: 'Wenn ihr nicht auf Tor schießt, könnt ihr den Torwart nicht prüfen'. Also habe ich geschossen."

Aus der Ferne in Richtung Europameisterschaft

Ein solcher Treffer aus der Distanz gelang Erich Beer im April 1976 im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, sein zweites "Tor des Monats". EM-Qualifikation in Madrid. Erich Beer hat das Tor noch genau vor Augen: "Ich habe den Ball im Mittelfeld bekommen, bin dann ein bisschen gegangen und aus 25, 30 Metern habe ich abgezogen. Der Torhüter war unheimlich groß, der Iribar von Spanien. Aber der Ball ging über ihn rüber ins lange Eck. Genau in den Winkel. Die ganze Mannschaft ist auf mich gestürmt und hat gratuliert", erinnert sich Beer an seinen Kunstschuss vor 45 Jahren. (Video des Tores bei sportschau.de)

Deutschland spielte in Spanien 1:1, gewann zwei Wochen später mit 2:0 und qualifizierte sich so für die Europameisterschaft im damaligen Jugoslawien. Der Herthaner Beer spielte beim Vier-Nationenturnier in beiden Spielen, dem im Halbfinale und dem Endspiel, das mit einem verschossenen Elfmeter von Uli Hoeneß in Belgrad endete. Gewonnen hatte "Ete" Beer wieder keinen Titel. Ausgezeichnet ist seine Karriere dennoch. Zum Beispiel mit den beiden Medaillen zum "Tor des Monats", die in seinem Münchener Zuhause aus dem großen braunen Rahmen funkeln: "Das ist eine besondere Auszeichnung, eine Ehre."

1 Kommentar

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  1. 1.

    Nach der WM 1974 bin ich Hertha Fan geworden. Bis 1979 waren es sehr schöne Jahre. In den 80er wurde es aber fast durchgehend trostlos. Erst nach dem Aufstieg in die erste Liga unter Jürgen Röber kam wieder eine ähnlich schöne Zeit. Das ist wie im richtigen Leben, nichts ist automatisch von Dauer.

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