Olympia-Starter aus der Region - Mit Vollgas zu einer Medaille auf der Bahn?

Emma Hinze beim Keirin-Rennen
Bild: IMAGO / Felix Jason

Die deutschen Bahnradfahrer sind bei Olympia normalerweise Medaillengaranten. Ob das auch für Tokio gilt, lässt sich nur schwer einschätzen. Zu lange sind die letzten internationalen Wettbewerbe her, sagen die Berliner und Brandenburger Olympioniken.

Statt in fünf Disziplinen wird es bei den Olympischen Spielen in Tokio in diesem Jahr sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in sechs verschiedenen Wettbewerben Medaillen-Entscheidungen beim Bahnradfahren geben.

Neben dem Einzel- und dem Teamsprint, der Mannschaftsverfolgung, Keirin und Omnium wird es 2021 auch das Zweier-Mannschaftsfahren geben – besser bekannt als Madison. Bei den Männern war Madison von 2000 bis 2008 bereits im olympischen Programm, bei den Frauen kommt es in Tokio zur Premiere.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) schickt einige Athletinnen und Athleten aus der Region nach Tokio.

Berliner und Brandenburger im BDR-Team auf der Bahn

Roger Kluge fährt aktuell noch bei der Tour de France, wird aber Anfang August wieder auf der Bahn um olympisches Edelmetall fahren. Der in Berlin lebende Ausdauerfahrer holte 2008 Silber im Punktefahren. Die Disziplin ist mittlerweile nicht mehr olympisch. Stattdessen wird der gebürtige Eisenhüttenstädter im Omnium und Madison antreten.

Kluges Partner beim Madison ist Theo Reinhardt vom SC Berlin. Die beiden wurden 2018 und 2019 Weltmeister in dieser Disziplin, 2020 holten sie bei der WM in Berlin Bronze. Neben dem Madison tritt Reinhardt auch in der Mannschaftsverfolgung an, allerdings mit einem anderen Partner. Domenic Weinstein vom Frankfurter RC 90 wird gemeinsam mit Reinhardt in der Verfolgung auf Medaillenjagd gehen.

Als einzige Frau aus Berlin und Brandenburg fährt Sprinterin Emma Hinze vom RSC Cottbus nach Tokio. Sie wird sowohl im Einzel- als auch im Teamsprint sowie im Keirin an den Start gehen. Für die gebürtige Hildesheimerin war die Verschiebung der Spiele sicherlich am schmerzhaftesten, da sie vergangenes Jahr mit ihren drei Goldmedaillen bei der WM in bestechender Olympia-Form war. "Ich freue mich genauso, wie ich mich schon im letzten Jahr gefreut habe", betont die 23-jährige trotz der Verschiebung voller Optimismus. Es werden ihre ersten Olympischen Spiele sein.

Der gebürtige Berliner Maximilian Levy dagegen weiß bereits, wie man olympische Medaillen gewinnt. Zwei Mal holte er bereits Bronze im Teamsprint (2008 und 2012) und im Keirin zudem Silber (2012). Er tritt in Tokio im Keirin, im Einzel- und im Teamsprint an und bereitet sich derzeit in Frankfurt (Oder) auf die olympischen Wettkämpfe vor. Für den 34-jährigen werden es die letzten Spiele als aktiver Sportler sein. "Bei mir gibt es ja dann auch Pläne danach. Das musste alles ein Jahr aufgeschoben werden. Wieder ein Jahr ohne Ferien für die Kinder", freut er sich schon jetzt auf seinen sportlichen Ruhestand.

Marco Mathis vom Frankfurter RC 90 ist als Ersatzmann für die Mannschaftsverfolgung eingeplant und tritt in Tokio an, falls sich einer der Nominierten verletzt. Das Gleiche gilt für Maximilian Dörnbach aus Cottbus, der als Ersatz für die Sprinter vorgesehen ist.

Mehr zu Olympia

Conrad Scheibner, Annika Schleu, Ronald Rauhe, Laura Ludwig, Patrick Hausding, Emma Hinze und Lilly Stoephasius (Quelle:picture alliance /Axel Heimken; Frank May: Collage: rbb)
picture alliance /Axel Heimken; Frank May: Collage: rbb

Mehr zu den regionalen Olympiastartern und ihrer Vorbereitung auf die Spiele gibt es auf "Alles außer Fußball" (ALAF), dem Instagram-Kanal vom rbb Sport.

Medaillen-Chancen

Emma Hinze hat mit ihren Dreifach-Erfolg bei der WM vergangenes Jahr große Hoffnungen für Olympia entfacht. Sie wird sicherlich in allen Wettbewerben, an denen sie teilnimmt, um die Medaillenplätze mitfahren. Ihre eigenen Chancen schätzt sie jedoch nüchtern ein, da es zuletzt keine Möglichkeiten gab, sich mit der Konkurrenz zu messen. "Eigentlich ist das alles eher ein Überraschungspaket, weil man nicht weiß, wie die anderen fahren und man schon lange nicht gegeneinander gefahren ist." Sie berichtet jedoch auch, dass sie schneller fahre als früher, "aber in den nächsten Wochen auch nochmal eine Schippe drauflegen will."

Auch Maximilian Levy findet, dass die gesamte Mannschaft noch einen Schritt nach vorne gemacht hat. Eine Prognose für die Spiele fällt ihm dennoch nicht leicht: "Es ist sehr schwer einzuschätzen, wo wir aktuell stehen. Das Wichtigste für uns ist, dass wir mit persönlichen Bestzeiten aufwarten – gerade auch im Teamsprint." Er selbst wolle dazu beitragen, dass das Team in Richtung Medaille gucken kann. Auch im Keirin gibt er sich angriffslustig: "Ich weiß, dass ich an einem guten Tag, wenn ich den Weg ins Finale schaffe, etwas bewegen kann."

Roger Kluge, dessen Olympia-Vorbereitung aus 3.414,4 Kilometern bei der Tour den France besteht, und sein Madison-Partner Theo Reinhardt sind aufgrund ihres Erfolgs bei den Weltmeisterschaften zweifellos heiße Anwärter auf olympisches Edelmetall – vorausgesetzt Kluge übersteht die von zahlreichen Stürzen überschattete Frankreich-Rundfahrt ohne Verletzung.

Gut zu wissen

Das Izu Velodrome, in dem die Bahnrad-Wettbewerbe stattfinden, liegt auf der Izu-Halbinsel südlich von Tokio – über zwei Autostunden vom Olympiastadion entfernt. Eine ungewohnte Situation für den Bahnradfahrer, denn das Velodrome lag bei vergangenen Spielen meist in unmittelbarer Nähe oder direkter Nachbarschaft zum Olympiastadion. Bundestrainer Detlef Uibel bedauert diesen Umstand, da sich die Radsportler in einer eigenen Blase befinden. "Die ganzen Zeremonien, die man sonst hat, wird man nicht miterleben können. Gerade für die Sportler, die das erste Mal dabei sind, ist das sicherlich auch eine Erfahrung, die erstmal fehlen wird", sagt der aus der Niederlausitz stammende Trainer.

Wann sind die Wettbewerbe?

Die Bahnradfahrer kommen in der zweiten Olympiawoche zum Einsatz. Die meisten Wettkämpfe finden aufgrund der Zeitverschiebung am späten Abend statt und gehen in die tiefe Nacht hinein. Die Finals am letzten olympischen Wettkampftag sind dagegen zur besten Sendezeit am frühen Sonntagabend.

Montag, 2. August 22:30 bis 1:30 Uhr
Teamsprint Frauen, Qualfikation, 1. Runde, Finale    
Mannschaftsverfolgung Männer und Frauen, Qualifikation    
Dienstag, 3. August 22:30 bis 1:10 Uhr
Teamsprint Männer, Qualifikation, 1. Runde und Finals    
Mannschaftsverfolgung Frauen, 1. Runde und Finals    
Mannschaftsverfolgung Männer, 1. Runde    
Mittwoch, 4. August 22:30 bis 2:00 Uhr
Sprinter Männer, Qualifikation plus 2 Runden inkl. Hoffnungsläufe    
Keirin Frauen, 1. Runde und Hoffnungsläufe    
Mannschaftsverfolgung Männer, Finals    
Donnerstag, 5. August 22:30 bis 1:50 Uhr
Omnium Männer    
Sprint Männer, Achtel- und Viertfinale mit Hoffnungsläufen    
Keirin Frauen, Viertelfinale und Halbfinale, Finals    
Freitag, 6. August 22:30 bis 1:15 Uhr
Sprint Frauen, Qualfikation und 2 Runden inkl. Hoffnungsläufe    
Sprint Männer, Halbfinale und Finals    
Madison Frauen    
Samstag, 7. August 22:30 bis 1:25 Uhr
Sprint Frauen, Achtel- und Viertelfinale inkl. Hoffnungsläufe    
Keirin Männer, 1. Runde inkl. Hoffnungsläufe    
Madison Männer    
Sonntag, 8. August 17:00 bis 20:15 Uhr
Omnium Frauen    
Sprint Frauen, Halbfinale, Platzierungsrunde, Finale    
Keirin Männer, Viertel- und Halbfinale und Finale    

Sendung: rbb Inforadio, 06.07.2021, 10:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Die Zeitverschiebung geht in die andere Richtung - 15;30 Uhr in Tokyo entspricht 8:30 in Deutschland und nicht 22:30 Uhr ;)

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