Olympia-Starter aus der Region - Hoffen auf den richtigen Wind

Svenja Weger im Laser-Boot / DSV
Bild: Deutscher Segler-Verband

Je rauer die See, desto besser – Svenja Weger vom Potsdamer Yachtclub kommt mit schwierigen Wellen bestens klar. Deshalb hofft die Olympionikin in Tokio auf auflandigen Wind, bei dem sie ihre Stärken ausspielen kann. Der Kurs ist bekannt für raue See.

Egal wie gut ein olympisches Turnier geplant ist, egal wie gut sich die Sportlerinnen und Sportler auf den Wettkampf vorbereitet haben – es gibt ein paar Sportarten, bei denen hängt der sportliche Erfolg an Dingen, die schlichtweg nicht beeinflussbar sind. Doch genau aus diesem Grund sind ebenjene Wettbewerbe auch so aufregend.

Es kann schließlich alles passieren. Beim Segeln ist das Wetter diese unvorhersehbare Komponente, die Medaillenträume zerstören oder überhaupt erst aufleben lassen kann.

Bei den Olympischen Spielen 2021 gibt es insgesamt zehn Medaillenentscheidungen im Segeln und Windsurfen. Der Deutsche Segler-Verband (DSV) schickt zehn Athletinnen und Athleten nach Tokio, die in sechs verschiedenen Disziplinen an den Start gehen werden. Darunter ist auch eine Seglerin, die für einen regionalen Verein im Wind liegt.

Berliner und Brandenburger im DSV-Team

Svenja Weger kommt aus Heidelberg, wohnt und studiert in Kiel, tritt aber für den Potsdamer Yachtclub an. Sie hat sich in der Bootsklasse Laser Radial für Olympia qualifiziert. Ein Ziel, auf das sie zehn Jahre hingearbeitet hat. "Ein Traum geht in Erfüllung. Die Olympiateilnahme bedeutet mir enorm viel. Jetzt möchte ich dort meine Leistung bringen", sagt die 27-jährige.

Das Laser-Boot ist eine sogenannte Einhand-Jolle, die von nur einer Person gesegelt wird – im Gegensatz zur Zweihand-Jolle, bei der zwei Personen im Boot sind. Das Radial ist die Frauen-Bootsklasse, während die Männer im Laser Standard mit einem etwas größeren Segel unterwegs sind. Ihr eigenes Boot muss Weger nicht mit nach Tokio bringen, da die standardisierten Boote gestellt und zugelost werden. "Das heißt, es ist alles abhängig von der eigenen Leistung und nicht vom Material", erklärt Weger.

Um sich auf die Spiele in Tokio vorzubereiten, hat sie den Winter in Segelrevieren verbracht, die ähnliche Bedingungen aufweisen wie der Enoshima-Kurs, auf dem die olympischen Wettkämpfe ausgetragen werden. "Wir haben nach großen Wellen und ein bisschen mehr Wind gesucht. Wir waren auf den Kanaren, auf Lanzarote und Grand Canaria", berichtet die Heidelbergerin.

Eigentlich war auch noch eine Vorbereitungsreise nach Tokio geplant, aber aufgrund der Corona-Pandemie konnte diese nicht stattfinden. Nun bleiben Weger und ihren Segel-Kollegen nur die paar Tage vor Beginn der Spiele, um sich mit dem Kurs, dem Wind und den Wellen vertraut zu machen.

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Conrad Scheibner, Annika Schleu, Ronald Rauhe, Laura Ludwig, Patrick Hausding, Emma Hinze und Lilly Stoephasius (Quelle:picture alliance /Axel Heimken; Frank May: Collage: rbb)
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Mehr zu den regionalen Olympiastartern und ihrer Vorbereitung auf die Spiele gibt es auf "Alles außer Fußball" (ALAF), dem Instagram-Kanal vom rbb Sport.

Medaillen-Chancen

Wegers Ziel lautet, unter den ersten zehn zu landen. Ihren aktuellen Leistungsstand kann sie aufgrund fehlender internationaler Wettkämpfe nur schwer einschätzen. "Wenn es gut läuft und ich alles richtig abrufen kann, ist auch eine ganze Menge drin", sagt sie.

Zu den Favoriten zählt sie die Dänin Anne-Marie Rindom. Sie habe im vergangenen Jahr dominiert und sollte, wenn nichts schief geht, auch eine Medaille holen, sagt Weger. Auch die Goldmedaillen-Gewinnerin von 2016, die Niederländerin Marit Bouwmeester, gehört zu den Favoritinnen aufs Podium.

Doch wie bereits erwähnt: Beim Segeln hat auch Mutter Natur noch ein Wörtchen mitzureden und das Wetter kann auch zur einen oder anderen Überraschung verhelfen. Das könnte ein Vorteil für Svena Weger sein, denn bei schwierigen Windbedingungen läuft sie zur Höchstform auf.

Gut zu wissen

Der Enoshima-Kurs, rund 60 Kilometer südwestlich von Tokio, gehört für gewöhnlich zur raueren Sorte. Starker vom Pazifik kommender Wind und eine hohe Welle prägen den Kurs und machen ihn zu einem enorm anspruchsvollen Segelrevier – meistens zumindest. "Bei ablandigem Wind kann es aber auch so werden, als würde man auf einem Berliner Binnensee segeln", sagt Weger.

Für ihre eigene Leistung wäre das fatal, denn ihr liegen hohe Wellen, bei denen sie ihre Segelkünste ausspielen kann. "Es wird technisch anspruchsvoller. Ich bin im Vergleich zur Konkurrenz etwas leichter", sagt sie. Das sei ein Nachteil, da sie mehr Muskelkraft aufwenden müsse, um das Boot gerade zu halten.

Beim Segeln arbeitet man viel mit dem eigenen Körpergewicht. Indem man sich über den Bootsrand lehnt, hält man das Segel straff und im richtigen Winkel zum Wind. Wer weniger wiegt, muss mehr aktiv arbeiten. Hohe Wellen verwischen diesen Nachteil, da man laufend in die Welle rein und wieder raus steuern muss. Doch dafür braucht man eine umso bessere Segeltechnik.

Svenja Weger sieht hier einen möglichen Vorteil: "Es kommt mir entgegen, wenn es nicht um die reine Physis geht, sondern auch um Technik." Um diesen Vorteil auch im Wettkampf ausspielen zu können, braucht sie eine vom Meer kommende Welle am Wettkampftag.

Wann sind die Wettkämpfe?

Die Segelwettbewerbe des Laser Radial finden in der ersten Woche der Olympischen Spiele 2021 statt und gehen über mehrere Tage. An jedem der fünf Wettfahrt-Tage werden jeweils zwei Rennen durchgeführt. Dee besten zehn Seglerinnen qualifizieren sich für das Medaillen-Rennen. Die Punkte aus den Wettfahrten werden in das finale Rennen mitgenommen.

Sonntag, 25. Juli 5:00 bis 11:00 Uhr
Wettfahrt Laser Radial    
Montag, 26. Juli 5:00 bis 11:00 Uhr
Wettfahrt Laser Radial    
Dienstag, 27. Juli 5:00 bis 11:00 Uhr
Wettfahrt Laser Radial    
Donnerstag, 29. Juli 5:00 bis 11:00 Uhr
Wettfahrt Laser Radial
   
Freitag, 30. Juli 5:00 bis 11:00 Uhr
Wettfahrt Laser Radial    
Sonntag, 1. August 5:00 bis 11:00 Uhr
Medaillen-Rennen Laser Radial    

Sendung: rbb Inforadio, 07.07.2021, 13:15 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich wünsche all unseren Olympiateilnehmern maximale sportliche Erfolge und eine gesunde Heimkehr.

  2. 1.

    Viel Erfolg :-))

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