Zuschauer-Ausschluss bei Olympia - "Da sieht man, dass Fußball einfach einen anderen Stand hat als der Rest der Sportwelt"

Das National Stadium in Tokio / IMAGO / ZUMA Wire
Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Die Olympischen Spiele in Tokio werden - nach der erneuten Verhängung des Corona-Notstandes - ohne Zuschauer stattfinden. Von den Sportlerinnen und Sportlern aus der Region gibt es dafür viel Verständnis, aber auch kritische Worte.

Es war Donnerstagnachmittag deutscher Zeit, als eine Eilmeldung aus Japan eine olympische Hoffnung platzen ließ. Dass bei den Spielen in Tokio keine ausländischen Fans zugelassen sein würden, war schon vorher klar - nun verkündeten die Organisatoren zwei Wochen vor dem Start: Die Tribünen bleiben bei dem Großveranstaltung gänzlich leer.

Auch inländische Zuschauer müssen also draußen bleiben. Mit bis zu 10.000 pro Wettkampfstätte hatten die Olympia-Macher zuvor noch gerechnet. Nun reagierten sie kurzfristig auf eine Ankündigung der japanischen Regierung. Diese hatte wegen steigender Infektionszahlen entschieden, erneut den Corona-Notstand für Tokio zu verhängen. "Wir hatten keine andere Wahl", hieß es von der Organisationschefin Seiko Hashimoto.

 

Zahlreiche Sportlerinnen und Sportlern aus Berlin und Brandenburg haben sich bei rbb|24 zum Fan-Ausschluss geäußert:

 

Paul Drux (Handball): "Das Beste daraus machen"

"Sehr, sehr schade" sei es, dass Olympia nun ohne Zuschauer stattfinden werde, "nicht nur für uns, sondern für alle Sportler", sagt Paul Drux. Der Kapitän der Füchse Berlin ist mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft in Tokio dabei. "Dennoch muss man die Maßnahmen respektieren und das Beste daraus machen."

 

Fabian Liebig (Mod. Fünfkampf): "Fußball hat anderen Stand als Rest der Sportwelt"

Der Moderne Fünfkämpfer Fabian Liebig zeigt sich enttäuscht. "Bei alle den Auflagen, die wir bei der Einreise haben und auch vor Ort, hatte man sich zumindest auf ein paar japanische Zuschauer gefreut", sagt der 27-Jährige. Besonders ärgerlich sei das für ihn, wenn er aktuell auf die Europameisterschaft der Fußballer schaue, "wo in England auf gar nichts mehr Rücksicht genommen wird." Er beklagt eine Ungleichbehandlung: "Da sieht man, dass Fußball einfach einen anderen Stand hat als der Rest der Sportwelt. Traurig." Dennoch gilt für Liebig: Am wichtigsten sei, dass die Spiele überhaupt stattfinden könnten. "Und wenn es in Japan nun mal nicht anders geht, dann gehen Menschenleben natürlich vor", sagt er.

 

Annika Schleu (Mod. Fünfkampf): "Nimmt schon den Spirit"

"Es nimmt natürlich den ganzen Spielen schon irgendwie den Spirit, der dieses Jahr eh eingeschränkt sein muss", sagt Annika Schleu. Dennoch kann die 31-jährige Berlinerin nach eigener Aussage mit der Entscheidung leben. "Ich bin sehr froh, dass eher Einschränkungen und auch Verschärfungen in letzter Minute in Betracht gezogen wurden, als dass man die Spiele schon vor drei Monaten abgesagt hat, weil man sagt: Man kann die Situation nicht einschätzen", so die Moderne Fünfkämpferin. Bei steigenden Zahlen in Japan sei es "wahrscheinlich final nur die richtige Entscheidung, dass auch härtere Maßnahmen ergriffen werden".

 

Auch wenn der Fan-Ausschluss sehr traurig sei, habe es für sie oberste Priorität, dass die Spiele durchgeführt werden können. "Es ist für so viele Sportler und Menschen drumherum immer ein Highlight. Ein Lebenstraum. Wenn dann Einschränkungen nötig sind, zum das über die Bühne zu bekommen, müssen wir in diesen saueren Apfel beißen."

 

Clemens Prüfer (Diskus): "Hart, aber nachvollziehbar"

Es sei "eine harte, aber nachvollziehbare Entscheidung", sagt auch Diskuswerfer Clemens Prüfer vom SC Potsdam. "Dadurch entfernen wir uns leider noch weiter von normalen Olympischen Spielen, aber ich denke, dass wir alleine über die Tatsache, dass sie überhaupt stattfinden können, froh sein sollten." Die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Japan gehe vor, sagt der 23-jährige Olympia-Starter.

 

Hamsat Shadalov (Boxen): "Gold bleibt Gold"

"Ohne Zuschauer ist es natürlich was anderes, aber trotzdem denke ich, dass es nicht viel ändert", sagt Hamsat Shadalov. Für den 22-Jährigen Boxer aus Berlin zählt nach seiner Aussage ohnehin nur eines: "Olympia-Sieger mit Zuschauern oder ohne ist kein Unterschied. Gold bleibt Gold."

 

Lisa Unruh (Bogenschießen): "Auch damit kann ich umgehen"

Die Fans vermissen wird nach eigener Aussage Bogenschützin Lisa Unruh. "Ich finde es sehr schade, muss ich sagen. Als bekannt gegeben wurde, dass doch Zuschauer zugelassen werden, habe ich mich darüber gefreut", sagt die 33-jährige Berlinerin, "dann kommt auch ein bisschen Stimmung auf." So wie 2016 in Rio de Janeiro, als sie die Silbermedaille holte. Doch sie will nicht hadern. "So ist es nun und auch damit kann ich umgehen", sagt sie.

 

Sendung: Inforadio, 08.07.2021, 16:15 Uhr

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