Vor der Eröffnungsfeier am Dienstag - Was Sie zu den Paralympics wissen sollten

Das paralympische Logo vor der Skyline von Tokio. / imago images/ZUMA Wire
Audio: Inforadio | 24.08.2021 | Kathrin Erdmann | Bild: imago images/ZUMA Wire

Für viele Athleten aus unserer Region beginnen am Dienstag in Tokio die Paralympics. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst: Erfahren Sie alles über TV-Zeiten, Medaillenchancen - und einen schwimmenden Instagram-Star.

Wie viele Sportler aus der Region nehmen teil?

22 Paralympics-Teilnehmer kommen aus der Region. Brandenburg ist mit elf Sportlern in Japan vertreten - ebenso wie Berlin. Am größten ist die Fraktion der Para-Schwimmer: Gleich sieben regionale Starter werden an den Wettkämpfen im Tokyo Aquatics Centre teilnehmen. Es folgen die Radsportler sowie die Leichtathleten (je fünf Athleten).

 
 

Eckdaten in Kürze

Die Paralympischen Spiele finden vom 24. August bis zum 5. September statt.

An den 12 Wettkampftagen wird es 539 Medaillen-Events geben.

In 22 Sportarten messen sich die Teilnehmer bei den Paralympics. In 18 ist das deutsche Team vertreten.

Deutschland schickt 133 Athleten nach Tokio. Insgesamt nehmen 4.400 Sportler teil.

ARD und ZDF übertragen 62 Stunden live im TV und zudem in zahlreichen Livestreams.

 

Insgesamt startet die deutsche Paralympics-Mannschaft mit 133 Sportlern und drei Guides in die Spiele. Deutschland wird eine von 162 Nationen sein. 4.400 Teilnehmer gehen an den Start. Es sind Zahlen, die die enorme Entwicklung der Paralympics seit ihrer Premiere zeigen: Es sind elf Mal so viele Athleten und sieben Mal so viele Länder wie 1960, als die "Paralympic Games" in Rom erstmals ausgetragen wurden - damals mit 400 Sportlern aus 23 Ländern.

 

Wer ist der regionale Star?

Elena Krawzow vom PSC Berlin ist fraglos eine der Athletinnen, die im Fokus stehen. Die sehbehinderte Schwimmerin ist die unangefochtene Social-Media-Queen im deutschen Team. Bei Instagram folgen ihr 32.400 Menschen [Instagram]. Für Schlagzeilen sorgte sie im Vorfeld der Spiele abseits des Beckens: 2020 ließ sie sich für den Playboy ablichten. Nun möchte sie im Wasser des Tokyo Aquatics-Centre abliefern. Nach Silber in London hat sie erneut gute Medaillenchancen.

 
 

Wem könnte in Tokio der Durchbruch gelingen?

Gina Böttcher ist in Brandenburg an der Havel geboren, startet für den SC Potsdam - und könnte bei den Paralympics so richtig ins Rampenlicht schwimmen. Die 20-Jährige tauchte auch auf, als der Sport-Informationsdienst jüngst seine Liste der (noch) unbekannten deutschen Hoffnungsträger für die Spiele veröffentlichte. Böttcher wird als Viel-Schwimmerin in Brust-, Lagen-, Rücken, Freistil- und Schmetterling-Rennen antreten. Ihre besondere Stärke: Freistil. Eine paralympische Medaille scheint durchaus machbar. Schließlich trumpfte sie bei EM und WM schon als Dritte und Vierte auf.

Welcher Starter aus Berlin und Brandenburg bringt die meiste Erfahrung mit?

61 Jahre alt - und immer noch Weltspitze: Bereits zum achten Mal nimmt Martina Willing vom BPRSV Cottbus an Paralympics teil. Ihre Premiere erlebte die Speerwerferin 1992 in Barcelona. Damals holte sie auch gleich ihre erste von inzwischen drei Goldmedaillen. Insgesamt gewann die gebürtige Pasewalkerin bereits 14 Mal Edelmetall.

Mit 61 vor ihren achten Paralympics: Martina Willing. / imago images/Beautiful SportsMit 61 Jahren vor ihren achten Paralympics: Martina Willing.

Neben vielen erfolgreichen hat die paralympische Karriere jedoch auch einen zutiefst tragischen Moment: 1994 nahm Willing - seit Geburt sehbehindert und ab dem 21. Lebensjahr komplett erblindet - an den Winterspielen in Lillehammer teil. Die Gold-Werferin des Sommers startete dort im Langlauf. Im letzten Rennen der Spiele kollidierte sie mit einer anderen Läuferin - seitdem ist Willing auch querschnittsgelähmt.

 

Wie viele Medaillen sind dem deutschen Team zuzutrauen?

Man strebe im Medaillenspiegel einen Platz in den Top 10 an, sagte der Chef de Mission, Karl Quade. Darüber hinaus gibt es keine genauen Vorgaben. In Rio de Janeiro 2016 holte die deutsche Mannschaft 57 Medaillen und landete damit auf Rang sechs. 66 Medaillen waren es vier Jahre zuvor in London. Chancen auf Edelmetall haben die deutschen Athleten in 18 der insgesamt 22 paralympischen Sportarten. Nicht vertreten ist der Deutsche Behindertensportverband im Blinden-Fußball, Gewichtheben, Teakwondo und Rollstuhl-Rugby.

Übrigens: Für eine Goldmedaille bekommen deutsche Para-Athleten 20.000 Euro von der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Für Silber gibt es 15.000 Euro und 10.000 Euro für Bronze. Das sind dieselben Prämien wie für die Sportler bei den Olympischen Spielen. Diese Gleichstellung gilt seit den Winterspielen in Sotschi 2014. Ein Unterschied bleibt jedoch: Während die deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in Tokio für Rang vier bis acht zwischen 5.000 und 1.500 Euro erhielten, gehen die Paralympics-Starter in diesem Bereich leer aus. Der Grund ist die oft geringe Anzahl an Teilnehmern in den einzelnen Wettbewerben.

 
 

Wo sind die Paralympics im TV zu sehen?

ARD und ZDF halten die Rechte. Geplant sind 62 Stunden Übertragung an 13 Tagen im TV - im täglichen Wechsel zwischen den beiden Sendern. Die Eröffnungsfeier wird am Dienstag ab 12:50 Uhr in der ARD zu sehen sein. Auch den ersten Wettkampftag zeigt das Erste. Am Donnerstag steigt dann das ZDF in die Paralympics ein. Die Haupt-Sendezeiten im Fernsehen liegen fast immer zwischen 9:05 Uhr und 15 Uhr. Zusätzlich bieten die öffentlich-rechtlichen Anstalten ausgewählte Livestreams, Videos und Infos auf sportschau.de und zdfsport.de an.

Wie groß ist das weltweite Interesse?

Das lässt sich für die vergangenen Spiele klar beziffern: Nach Angaben des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) verfolgten die Paralympics 2016 weltweit 4,1 Milliarden Zuschauer. Es war das erste Mal, dass die Vier-Milliarden-Marke geknackt wurde.

 

Sendung: rbb UM6, 23.08.2021, 18:15 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich bin gestern bei einer Doku über "Killerbiene" hängengeblieben. Meine absolute Hochachtung vor soviel "Biß".
    https://tokio.sportschau.de/tokio2020/paralympics/nachrichten/Paralympics-Mein-Weg-Denise-Schindler,paralympics2664.html
    Die Paralympics sind für mich irgendwie "echter".

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