Profiboxerin Nina Meinke trainiert auf einem Dachboden.
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Video: rbb24 | 02.01.2021 | Caroline Labes | Bild: rbb

Berliner Boxerin Nina Meinke - Mit klarem Ziel WM-Kampf durch ungewisse Zeiten

Wegen der Corona-Pandemie konnte die Berliner Profi-Boxerin Nina Meinke im vorigen Jahr nur wenig trainieren und nur zwei Mal in den Ring steigen. 2021 will "Nina The Brave" das ändern - und den WM-Titel holen. Von Friedrich Rößler

Ein sonniger Wintertag zwischen den Jahren. Nina Meinke läuft entlang der Havel, durch Spandau. Ihre kurzen, zur Seite gekämmten Haare glitzern im Winterlicht, ihr Hund trottet mal vor, mal neben, mal hinter der Berliner Boxerin. "Für mich ist es sehr wichtig, draußen zu sein," sagt die Europameisterin im Federgewicht.

Mit dem Spandauer Forst und der Havel vor der Tür habe sie da sehr viel Glück gehabt. Nur ihr Hund Apollo, der eigentlich ihrem Vater und Manager Christian Meinke gehört, eigne sich nicht mehr so gut als Trainingspartner: "Früher habe ich den nie tot bekommen, der ist jetzt ganz schön in die Jahre gekommen."

Früher, da schaute Nina Meinke dem Weltmeister im Supermittelgewicht Sven Ottke im Boxring zu. Da Ottke mit Christian Meinke eng befreundet ist, war Tochter Nina schon als Achtjährige voll dabei und entdeckte die Leidenschaft für den Boxsport in sich. Ihr erfolgreiches Profi-Debüt gab die Berlinerin vor mehr als vier Jahren im Huxleys Berlin Kreuzberg, es folgten zwölf Kämpfe mit zehn Siegen und zwei Niederlagen.

Ziel und Wunsch 2021: der WM-Titel

Vor allem die erste Niederlage gegen die Irin Katie Taylor, heute Weltmeisterin in allen vier wichtigen Verbänden, im April 2017 dürfte "Nina The Brave" aber besonders in Erinnerung behalten haben. Schließlich boxte die Berliner Federgewichtlerin in London damals im Vorprogramm des Hauptkampfes zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua vor fast 90.000 Zuschauern.

Vor nicht ganz so spektakulärer Kulisse verlor sie in Potsdam ein Jahr später den WM-Kampf im Federgewicht gegen Elina Tissen. Das hat Nina Meinke aber nicht entmutigt. "Mein Ziel und mein Wunsch für dieses Jahr ist es, den WM-Titel in Angriff zu nehmen, das wäre schön, wenn das klappen sollte", sagt die 27-Jährige.

Schwierige Trainings- und Kampfbedingungen

In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Lockdown gestaltet sich Meinkes Boxalltag allerdings sehr schwierig. Da die Gyms, wie die Sportstätten der Boxenden heißen, seit Beginn des zweiten Lockdowns wieder geschlossen und auch Sparringspartnerinnen Mangelware sind, bleibe nur das Einzeltraining, erzählt Meinke: "Ich habe immer irgendwie weitergemacht und mir was einfallen lassen."

Eine Notlösung war zum Beispiel das Einzeltraining auf dem heimischen Dachboden. Nur zwei Mal, im Dezember und im Juli, stieg Nina Meinke im Vorjahr in den Ring, davor hatte sie 15 Monate Pause. Eine Verletzung und der erste Lockdown zwangen sie dazu. "Daher war der Kampf gegen die Italienerin Angela Cannizzaro im Dezember sehr gut, denn wer weiß, wann ich wieder boxen kann."

Problem 2021: die Ungewissheit

Trotz der schwierigen Umstände geht die Berliner Boxerin positiv gestimmt ins neue Jahr und hofft auf eine Verbesserung der Corona-Situation, und damit auch in ihrem Sport. "Egal ob Impfstoff oder andere Medikamente, hoffentlich können wir bald zur Normalität übergehen."

Mit Blick auf ihren möglichen WM-Kampf fallen Meinke allerdings noch einige Hindernisse ein: die Schwierigkeiten mit der Organisation internationaler Gegnerinnen, die Ungewissheit, ob ein Kampf stattfindet oder kurzfristig abgesagt werden muss.

Doch das soll sie nicht davon abhalten, an ihren Traum WM-Titel zu glauben. Wobei sie es schade fände, wenn dieser Kampf eine Geisterveranstaltung ohne Zuschauer wäre: "Da hat doch keiner was davon." Wann und ob dieser Kampf und unter welchen Bedingungen stattfinden kann, weiß noch niemand. Da helfe nur abwarten und weiterhin die frische Luft und die Havelpromenade in Spandau zu genießen.

Sendung: rbb24, 02.Januar 2021, 21:45 Uhr

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Beitrag von Friedrich Rößler

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