Alba Nachwuchsspieler bei einem Spiel in der Mercedes Benz Arena beim Euroleague Spiel Albas gegen Belgrad im November 2019. Bild: imago-images/Camera 4
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Seit Monaten ohne Spiel - Albas Nachwuchs leidet unter den Corona-Beschränkungen

Die Corona-Pandemie hemmt viele Jugendliche und Kinder im deutschen Basketball-Nachwuchs - denn Mannschaftstraining und Spiele sind schon lange nicht mehr erlaubt. Albas U14-Trainer Milan Pesic spricht sogar schon von "verlorenen Jahrgängen".

Milan Pesics Job hat sich verändert. Der Trainer der U14-Jugendmannschaft von Alba Berlin ist derzeit mehr eine Art Fitness-Trainer. Er schreibt Trainingspläne, macht per Video Übungen vor und telefoniert oder schreibt mit seinen Schützlingen, um deren Fortschritte zu kontrollieren. An ein echtes Training ist nicht zu denken. Nur individuelle Übungen zu Hause oder auf den Freiplätzen der Stadt sind erlaubt.

Kein Mannschaftstraining, kein Spielbetrieb

"Training ist das nicht so wirklich", sagt Pesic deshalb. "Sie dürfen draußen auch nicht eins-gegen-eins spielen. Es geht also nur um technische Sachen, Korbleger, Wurf, Dribbling und solche Sachen." Wobei auch das in den letzten Tagen den Schneemassen zum Opfer fiel. Zusätzlich gibt es drei oder vier Mal in der Woche eine Stunde Cyber-Training. Kraftübungen oder kleine technische Sachen, die die Kinder in der Wohnung schaffen können. Das letzte richtige Basketball-Spiel, das Pesic mit seiner Mannschaft hatte, liegt schon fast ein Jahr zurück.

"Irgendwann im Februar letzten Jahres", sagt Pesic. Dass er es nicht auf Anhieb genau weiß, ist ein sicheres Zeichen, dass dieser Zustand schon zu lange anhält. "Wir Trainer reden schon von verlorenen Jahrgängen", sagt Pesic deshalb. Besonders für die Jüngeren sei die derzeitige Situation hart, meint er. Das sieht auch der deutsche U20-Nationaltrainer Alan Ibrahimagic so. "Das ist extrem schlimm. Und wir reden da ja sogar noch von Alba Berlin, einem der größten Vereine." Schließlich sind nicht in jedem Basketball-Verein die Möglichkeiten und das hauptamtliche Engagement so groß, wie beim deutschen Meister. In kleineren Vereinen ist es meist sogar noch schwieriger.

"Die Liebe zum Sport könnte verloren gehen"

Die Auswirkungen schätzen die beiden Trainer dramatisch ein. Denn vor allem dem jüngeren Nachwuchs fehlt so ein wichtiger Teil der Ausbildung. "Das Spielen ist superwichtig, um alle Möglichkeiten im Basketball kennenzulernen. Es ist ein Teamsport und da ist es wichtig, Situationen auf dem Platz zu erkennen. Wann muss ich attackieren, wo stehen meine Mitspieler, wo die Gegner", erklärt Pesic die Probleme. Das alles lässt sich selbst mit den besten individuellen Trainingsplänen nicht kompensieren.

Da ist sich auch Ibrahimagic sicher. Er macht sich allerdings vor allem um eines Sorgen: "Die Liebe zum Sport könnte verloren gehen. Das finde ich sogar noch schlimmer, als ob dann mal ein Training fehlt." Er macht sich deshalb vor allem um die jungen Jahrgänge Sorgen. Bei den 14-jährigen oder noch jüngeren sei in so einer Phase ohne Spiele und gemeinsames Training das Risiko viel höher, dass Kinder sogar ganz mit dem Sport aufhören könnten. Das befürchtet er bei seinen Schützlingen, die es schon an die Schwelle zum Profisport geschafft haben, nicht unbedingt.

Einige wollen die Zeit nutzen, um an individuellen Schwächen zu arbeiten

Hier haben auch viele die Chancen zu trainieren. Für die Kaderathleten darf der Verband zum Beispiel Trainings-Lehrgänge organisieren. Außerdem trainieren viele bereits bei den Profimannschaften ihres Vereins. Das hilft auch Albas NBBL-Trainer Vladimir Bogojevic. Die NBBL ist so etwas wie die Bundesliga für die unter 19-Jährigen. Trainieren und spielen dürfen die derzeit auch nicht gemeinsam. Aber immerhin haben die Kader-Athleten aus den U-Nationalmannschaften die Möglichkeit auf Gruppentraining in der Halle und einige der talentierten Spieler sind schon beim Kooperationspartner LoK Bernau untergebracht. Der spielt in der ProB-Liga und da ist der Spielbetrieb erlaubt.

Bogojevic ist ebenfalls überzeugt davon, dass ein echtes Basketball-Training nicht zu ersetzen ist. Er will die aktuelle Phase aber nicht so negativ sehen, wie einige Kollegen. "Es gibt immer eine Möglichkeit, um besser zu werden. Natürlich ist das für die Kaderathleten gerade leichter, weil sie in der Halle mit dem Ball und Trainern arbeiten dürfen. Aber auch die anderen haben in diesem Alter die Möglichkeit, an sich zu arbeiten, vielleicht dann eher an athletischen Defiziten." Deshalb setzt auch er, wie sein Kollege Pesic, auf individuelle Trainingspläne. Bogojevic macht mit seinen Spielern aber auch Taktik-Einheiten. "Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber wir schauen zusammen Spiele und analysieren sie dann", erklärt er. Er mache das, "damit der Kontakt zum Sport nicht verloren geht."

Alan Ibrahimagic (links) mit Bundestrainer Henrik Rödl. Bild: imago-images/Camera4Alan Ibrahimagic (links) mit Bundestrainer Henrik Rödl bei der Basketball-WM 2019.

Hoffnung auf ein paar Spiele bis zum Sommer

Deshalb hoffen alle, dass in der aktuellen Saison wenigstens noch ein paar Spieltage absolviert werden können. Vladimir Bogojevic ist es da auch egal "mit wie vielen Spielen". Hauptsache mal wieder echter Basketball. "Es geht einfach nur darum, dass wir diesen jungen Spielern bald wieder die Möglichkeit bieten können, sich auch in einem Wettkampf zu messen", sagt er. Darauf hofft auch der deutsche Basketball-Bund. Ibrahimagic erklärt, dass die deutsche U16 möglichst zeitnah, um Ostern herum, Spielpraxis in einem Freundschaftsspiel bekommen soll.

Dieser Jahrgang hätte eigentlich im letzten Jahr seine ersten Länderspiele machen sollen, das fiel aus. In diesem Sommer steht für das Team aber schon eine Europameisterschaft im Sommer an. Ein weiteres Problem könnte sich dann erst nach dem Lockdown offenbaren: Schon beim letzten Lehrgang vor einem halben Jahr merkte Ibrahimagic bei seinen Spielern enorm unterschiedliche Trainingsstände. Man kann den Betrieb also auch nach einem Lockdown-Ende nicht sofort wieder wie früher hochfahren. Es muss noch eine ganze Zeit improvisiert werden, hoffentlich steht am Ende nicht wirklich eine verlorene Basketball-Generation.

Sendung: Inforadio, 10.02.2020

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ja leider nicht nur ein Basketballproblem....es wird tausenden Vereinen ähnlich oder schlimmer gehen...Es dürfen ja nur Kadetsportler trainieren und das müssten ja die Teilnehmer einer Europameisterschaft sein, oder ?
    Ich wünsche mir für alle, dass es wieder möglich sein wird zu trainieren, sich in Wettkämpfen zu messen, ganz egal ob jung oder alt, Profi oder Amateur.
    Das Beeinflussen wir aber mit unserem Miteinander und der Rücksicht auf die Mitmenschen der Gesellschaft....

  2. 1.

    Danke für diesen Beitrag!
    Kleine Anmerkung: Die NBBL ist die U19-Liga; U16 = JBBL.

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