Der Seniorensport ist seit je her fester Bestandteil des TSV Wittenau e.V. (Quelle: dpa/Alina Novopashina)
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Interview | Amateur-Sport während Corona - "Man sieht jeden Tag, wie der Verein ein bisschen kleiner wird"

Der TSV Wittenau spürt wie viele andere Sportvereine die Folgen der Corona-Pandemie. Vorstandsmitglied Elke Duda erzählt im Interview, welchen Bereich es in ihrem Verein besonders getroffen hat und warum sie trotz sinkender Mitgliedszahlen optimistisch ist.

rbb|24: Frau Duda, die Corona-Krise hält nun schon eine Weile an. Daher zuerst einmal die allgemeine Frage: Wie geht es Ihnen denn - auch in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied beim TSV Wittenau?

Elke Duda: Persönlich geht es mir sehr gut, aber man sieht jeden Tag, wie der Verein ein bisschen kleiner wird. Das ist schon sehr anstrengend zu beobachten, dass man immer wieder Kündigungen auf dem Tisch hat. Dafür muss man auch Verständnis aufbringen und das tun wir auch, dennoch ist es traurig zu sehen, was das für einen Lauf nimmt.

Gerade müssen viele Menschen ihr Geld zusammenhalten, weil zum Beispiel der Job weggebrochen ist oder das Einkommen niedriger ist. Wissen Sie, ob das solche Gründe hat?

Nein, wir wissen das nicht wirklich. Man ist als Verein ja auch ein Stück Familie und ganz viele sind uns auch treu. Gott sei dank, denn unsere Fixkosten laufen ganz normal weiter. Bei den Mitgliedern, die jetzt gegangen sind, muss man auch ganz klar sagen: Unsere Fluktuation hier im Märkischen Viertel ist sowieso recht hoch. Wir haben einen großen Kinderanteil und Kinder wechseln doch mal die Sportarten und damit vielleicht auch mal den Verein oder können aufgrund schulischer Situationen nicht weitermachen. Da gibt es verschiedene Gründe. Die Fluktuation ist gar nicht höher. Wir hatten im Jahr 2020 ähnlich viele Austritte wie davor, nur eben keine Neueintritte, weil wir nichts anbieten können. Das ist das große Dilemma.

Und was bedeutet das in Zahlen?

Wir hatten 2020 zu Jahresbeginn etwa 3.344 Mitglieder und jetzt sind es rund 2.800. Das sind also mehr als 500 Mitglieder weniger. Das macht einen Etat von 80.000 bis 90.000 Euro aus, den wir in diesem Jahr weniger haben. Aktuell sinken die Inzidenzen ja und natürlich hoffen wir jeden Tag mehr, in die richtige Richtung zu kommen. Man muss auch wissen, dass ab bestimmten Mitgliederzahlen bestimmte Förderungen dranhängen. Das trifft uns nur am Rande, aber andere Vereine trifft das hart, weil sie komplett aus Förderungen rausfallen. Da versucht der Landessportbund, Möglichkeiten zu finden und es gibt auch einen Rettungsschirm, aber letztendlich tut es uns allen ein Stück weit weh, zu sehen, wie diese Entwicklung voranschreitet.

In den Vereinen engagieren sich immer viele Ehrenamtliche, aber es gibt natürlich auch die Hauptamtlichen. Wer ist denn in der aktuellen Situation gerade schwieriger zu halten?

Alle Angestellten hier beim TSV Wittenau sind momentan in Kurzarbeit. Aber alle sind auch glücklich, hier zu arbeiten. Wir sind da schon ein eingeschworenes Team. Genauso ist es aber auch bei den Ehrenamtlichen. Ich glaube, dass wir die gar nicht verlieren. Wir sind ja in Kontakt und ich habe da, ehrlich gesagt, gar nicht unbedingt Sorgen. Wir sind da reich beschenkt. Die Fragen uns eher, weil gar nichts zu tun ist und wollen beschäftigt sein. Ich glaube auch, dass wir, sobald wir stufenweise den Betrieb wieder hochfahren können, relativ schnell neue Mitglieder bekommen und das wieder auffüllen können. Da bin ich ganz zuversichtlich.

Ich weiß aus unserem Vorgespräch, dass es den Gesundheitsbereich in Ihrem Verein besonders getroffen hat. Wie stellt sich das dar und warum macht es sich dort so sehr bemerkbar?

Ich glaube, das ist ein historischer Punkt. Wir als Verein sind auch Gesellschafter und wollen verbinden, Netzwerke unter den Sportlern schaffen. Wie sehen uns verantwortlich für die soziale Komponente. Im Gesundheitssport resultiert die Gemeinsamkeit oft daraus, dass man eine gesundheitliche Problematik hat, aber die Bindungskraft ist oft nicht so hoch wie in anderen Abteilungen. Dann verabschiedet man sich schneller mal von so einer Geschichte, die man gerade nicht ausüben kann, für die man aber zahlen muss. Das ist schon verständlich, aber wir wollen natürlich auch diese Mitglieder so gut wie möglich halten. Dafür bieten wir jetzt Online-Trainings an. Die Reihe heißt "Die Heimtrainer", das sind Videos auf Youtube, die man jederzeit abrufen kann. Wir haben aber mittlerweile auch eine große Zahl an Online-Trainings, wo der Trainer in Zoom dabei ist. Das wird auch super gut angenommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stephanie Baczyk, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung.

Sendung: Inforadio, 14.02.2021, 06:04 Uhr

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Habt doch mal ein bisschen Mitleid mit den Profisport und den Profivereinen die nagen am Hungertuch. Dem Amateursport gehst ja super die Vereine schwimmen ja in Millionen von Euros aus diesem Grunde darf Amateursport zur Zeit auch nicht ausgeübt werden. Es ist so eine Ungerechtigkeit das Profisport ausgeübt werden darf und die Herrschaften auch noch durch die Welt Europa und Deutschland reisen dürfen. Z.B. Die Bayern und bringen dann auch noch Corona mit nach Deutschland(Herr Müller Spieler beim FC BAYERN). Der Amateursport geht den Bach runter und bedanken dürfen wir uns bei unseren Politikern/innen vom Bund und den Ländern.

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