Schreiben des DDR-Generalstaatsanwalts an Erich Honecker (Quelle: rbb/Dirk Schneider)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.07.2017 | | Bild: rbb/Dirk Schneider

Der "Fall" Egon Glombik - Das Todesurteil stand schon vor Prozessbeginn fest

Erst 1987 hat die DDR die Todesstrafe abgeschafft. Vor fast genau 30 Jahren, am 17. Juli. Bis dahin wurden zunächst vor allem Kriegsverbrecher, später Mörder und danach in erster Linie Hochverräter zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Urteil stand oft schon vor Prozessbeginn fest, wie im Fall Egon Glombik. Sein Sohn hat dem rbb die Geschichte seines Vaters erzählt. 

Egon Glombik lässt sich als junger Student vom DDR-Geheimdienst anwerben. Er ist oft im Einsatz, auch im Ausland. Mehrere Pässe und unterschiedliche Uniformen liegen zu Hause in der Cottbuser Wohnung griffbereit, erinnert sich sein Sohn. Auch, dass der Vater schnell seine erklärte Bereitschaft als Fehler ansieht. Er sucht nach einem Weg, das MfS verlassen zu können und beginnt für den Bundesnachrichtendienst zu spionieren.

Mehr als ein Jahr liefert Glombik Informationen, Fotos und Unterlagen. Er weiß, dass das verboten ist. Er weiß, dass er auffliegen kann. Er hofft in diesem Fall gegen in der BRD festgenommene DDR-Spione ausgetauscht zu werden. 1973, Egon Glombik ist 32 Jahre alt, wird er in Hoyerswerda verhaftet und ins Gefängnis nach Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Dort wird er verhört und gefoltert. Nach vier Monaten ist das schwarze Haar weiß, sagt sein Sohn. Seine Großmutter hat es nach einem Besuch im Gefängnis berichtet.   

Kurzer Prozess vor dem Obersten Gericht der DDR

Egon Glombik wird vor dem Obersten Gericht der DDR angeklagt. Der Staat hat den Prozess gut vorbereitet. Der Generalstaatsanwalt der DDR sichert sich vorab bei Erich Honecker, damals Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED und damit mächtigster Mann in der DDR, ab. "In Anbetracht des besonders schweren Falles der Spionage beabsichtige ich, die Todesstrafe beantragen zu lassen", schreibt er am 20. März 1975. Fünf Tage später erklärt Erich Honecker sein Einverständis auf dem Brief. 

Die Ermittler haben u.a. zusammengetragen, dass Glombik 1023 Fotos, 114 Dias, 65 Dokumente mit grundsätzlichen Informationen über Interna des MfS an den BND geliefert haben soll. Außerdem habe er über Mitarbeiter, Operationen und Standorte informiert und beispielsweise Angaben zu 259 "Personen, die das MfS freiwillig unterstützen", gemacht.

Der Prozeß findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Verteidiger seines Vaters ist vom Staat ausgesucht worden, erzählt Glombiks Sohn. Auch, dass ihn das MfS bezahlt hat. Am 25. April 1975 wird das Urteil verkündet: Todesstrafe. Das Urteil wird am 11. Juli 1975 in der zentralen Hinrichtungsstätte der DDR in Leipzig vollstreckt. Der Sohn ist zwölf Jahre alt.  

1995 wurde Egon Glombik vom Landgericht Berlin rehabilitiert (Quelle: rbb/Dirk Schneider)
1975 wird das Urteil vom Landgericht Berlin aufgehoben. | Bild: rbb/Dirk Schneider

Rehabilitierung nach der Wende

Noch in den letzten Monaten der untergehenden DDR bemüht sich Glombiks Sohn, seinen Vater rehabilitieren zu lassen. Ohne Erfolg. Nach der deutsch-deutschen Vereinigung wendet er sich an das Landgericht Berlin. Mit Erfolg. Am 3. November 1995 beschließt die Rehabilitierungskammer, das Urteil des Obersten Gerichtes der DDR für rechtsstaatswidrig zu erklären und aufzuheben.

Die Suche nach weiteren Informationen über seinen Vater bleibt erfolglos. Ehemalige MfS-Mitarbeiter wollen bis heute nicht mit ihm darüber reden. Auch der BND ist schweigsam. Die Akten zum Fall Glombik, die es auch dort geben muss, bleiben geheim.  

Auf die Rückgabe der mehr als 20 Jahre zuvor eingezogenen Gegenstände verzichtet der Sohn. Den Vater bringt es ihm nicht zurück. Genau aus diesem Grund ist Glombiks Sohn gegen die Todesstrafe. Die Folge ist nicht reversibel.

Beitrag von Dirk Schneider

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich war Schulfreund vom Bruder Herbert aus Welzow- und so berührt es mich sehr. Aber wer von den Scheingenossen damals stellt sich schon seiner Verantwortung. Sein Vater war ja wohl auch "Genose" in der ZW.

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