Podium Stammtisch
Bild: Quelle: rbb/Dirk Schneider

Bildungssystem Brandenburg am Antenne Stammtisch - Permanente Erinnerung : Nach der Schule kommt noch was !

Betriebe beklagen Wissensdefizite, für Lehrer sind Schulen nicht die "Reparaturanstalten" der Nation, die alles glattbügeln müssen, was vorher versäumt wurde: Der Ruf nach mehr Unterstützung ist auf beiden Seiten laut! Und: Praxislernen hilft, Schulabgänger fitter für die Ausbildung zu machen- die Botschaften des Antenne Stammtischs! Von Iris Wussmann

Die jungen Leute sind selbstbewusst, teamfähig,  können sich gut präsentieren, sind clever bei Fremdsprachen: Da leistet die Schule eine gute Arbeit, sind sich ziemlich zu Beginn der Diskussion im Kultur- und Freizeitzentrum "Pegasus" in Senftenberg die Ausbildungsprofis von Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer einig. Und doch klemmt es offensichtlich beim Übergang von Schule in Ausbildung, 1000 unbesetzte Lehrstellen in Südbrandenburg sprechen eine deutliche Sprache.

Dranbleiben, sich konzentrieren : Fehlanzeige !

Es fehle vielen jungen Leuten an Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft, beklagt Anke Schuldt von der IHK Cottbus, die immerhin 30-Tausend Unternehmen in Südbrandenburg vertritt. Dranbleiben, durchhalten, sich konzentrieren: Da gebe es enorme Defizite.

Dabei würden die Firmen die Ansprüche schon herunterschrauben und einkalkulieren, dass in Mathe und Deutsch Nachhilfe nötig sei. Doch viele Jugendlichen hätten keine klaren Vorstellungen davon,   was die berufliche Zukunft bringen soll, seien schlicht nicht ausbildungsfähig.

Da müsse die Schule viel besser vorbereiten.  

Publikum Stammtisch
Bild: Quelle: rbb/Dirk Schneider

Praxislernen in den Ferien

Kritik, die die beiden Schulleiter aus Senftenberg und Großräschen am Stammtisch so nicht stehen lassen wollen. Bei ihnen gibt es zum Teil seit 15 Jahren Praxisunterricht. Ab der 7.Klasse werden die Weichen Richtung Zukunft gestellt, die Mädchen und Jungen gehen regelmäßig zum Praktikum in die Betriebe. In der 10.Klasse müssen sie dafür sogar eine Woche ihrer Ferien opfern.

Ein "Hineinschnuppern" ins Arbeitsleben, das sich bewährt habe. Auch die Cottbuser Handwerkskammer hat mit ihrem Lehrbauhof gute Erfahrungen gemacht. Von den 500 Schülern, die im letzten Jahr in den Werkstätten waren, seien viele Bewerber gekommen, erzählt Martina Schaar.

Also ab in die Praxis und alles paletti ?

Alle mitnehmen und mehr investieren

Dass es nicht so einfach ist, weiß auch Bildungsminister Günter Baaske. Er erzählt von Eltern, die ihren Kindern sagen: "Wo du den Antrag für Hartz IV stellen musst, das bringen wir dir schon bei". Es gebe in Brandenburg Schulen mit 30 Prozent dieser Familien.

Auch Schulleiter Frank Losch berichtet von Eltern, bei denen der "Faden zu ihren Kindern gerissen" sei, sowohl bei genannten "bildungsfernen" als auch bei  "Helikoptereltern".

Und Frank Kramer, Hauptpersonalrat der Lehrer des Landes Brandenburg, bescheinigt den Pädagogen, dass sie eine Riesenarbeit leisten. Gerade in den Oberschulen gebe es ein Klientel, das einiges abverlange. Lehrer könnten nicht Reparaturbetriebe der Gesellschaft sein!

Tolle Idee: Azubis als Botschafter

Allgemeines Kopfnicken - aber kein Wegducken angesichts der Probleme. Große Einigkeit an diesem Abend, dass alle mitgenommen werden müssen. Große Bereitschaft auch, dabei noch mehr zu investieren: Schule und Unternehmen enger zusammenbringen ist der Dreh- und Angelpunkt !

Also: mehr Praktika für Schüler und auch für Lehrer, mehr Förderung für nicht aubildungsfähige Jugendliche. Hier will Minister Baaske prüfen, ein entsprechendes Programm wieder aufleben zu lassen. 

Und der Minister nimmt eine Idee der Cottbuser IHK mit nach Potsdam, die er einfach nur toll findet: die Kammer hat Auszubildende zu Coaches gemacht und lässt sie in die Schulen gehen.

Die Ausbildungsbotschafter könnten nahezu Gleichaltrige viel besser motivieren, würden ihre Sprache sprechen, von Erfahrungen und Fehlern berichten.

Ein Weg von vielen, um die Jugendlichen fitter für die Ausbildung zu machen.

Sendung: Antenne Brandenburg 18.00-19.00

 

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