Suche nach in der DDR zwangsadoptierten Kindern
Audio: Antenne Brandenburg | 21.09.2017 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Anja Kabisch

Ausstellung zu Zwangsadoptionen in Cottbus - Wo sind meine Kinder?

Was muss das für ein Gefühl sein, wenn einem das eigene Kind nach der Geburt weggenommen wird. Zwangsadoptiert. Tausende Familien sind in der DDR durch Zwangsadoptionen zerissen worden. Viele Betroffene versuchen immer noch, die Puzzlestückchen ihrer Biographie zusammenzufügen. Von Anja Kabisch

Quelle: rbb/Anja Kabisch
Bild: rbb/Anja Kabisch

eine lange Liste mit Namen von Gesuchten an der ehemaligen Mauer des Cottbuser Gefängnisses

Und endlich den Sohn, die Schwester, die Mutter oder den Vater nach Jahrzehnten der Ungewissheit in die Arme schließen zu können, wurde im Cottbuser Menschenrechtszentrum eine Ausstellung unter freiem Himmel eröffnet. Knapp 300 Suchanzeigen hängen am Zaun des ehemaligen Gefängnisses. Zur Eröffnung kamen auch Betroffene aus Altdöbern, Lauchhammer und Finsterwalde.

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"Michael" - nur eines von tausenden Schicksalen

Am 14. März 1983 kommt Singora Viola Greiner Willibalds Sohn zur Welt. Sie nennt ihn Michael. Einen Tag nach der Geburt - Michael muss noch im Krankenhaus bleiben, will sie ihre einjährige Tochter aus der Krippe holen. Wie aus heiterem Himmel wird sie dort gezwungen, ihren Sohn zur Adoption freizugeben.

Singora Viola Greiner Willibald glaubt an einen Irrtum, an eine Verwechslung. 30 Jahre lebt sie mit dem Wissen, dass irgendwo ihr Sohn aufwächst. Ohne sie. Und sie weiß nicht - warum. Sie war nicht politisch auffällig, nicht asozial. Auch heute findet sich in ihrer Akte kein Hinweis. 30 Jahre frisst ihren Kummer in sich hinein - ist nicht in der Lage darüber zu sprechen. Schließlich stößt die heute 53 jährige im Internet auf den Verein "Hilfe für Opfer von DDR-Zwangsadoptionen". Sie nimmt Kontakt auf - und findet tatsächlich ihren Sohn.

Die Geschichte nimmt aber kein gutes Ende. Ihr Sohn möchte keinen Kontakt zu ihr. Es sei, als sei ihr ihr Kind zum zweiten Mal weggenommen worden, sagt Singora Viola Greiner Willibald.

Den Verein "Hilfe für Opfer von DDR-Zwangsadoptionen" will sie jedoch weiter unterstützen. Er hat mittlerweile weit über 600 Familien wieder zusammengeführt. Und mit der Ausstellung im Menschenrechtszentrum Cottbus sollen es noch viel mehr werden.

Beitrag von Anja Kabisch

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