Boris Becker umringt von Fans in Liebsdorf (Quelle: Junge Welt)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.11.2017 | Bild: Junge Welt | Bild: Junge Welt

Wimbledon-Sieger wird 50 Jahre alt - Als Boris Becker das einzige Mal in der DDR war

Liebsdorf mit seinen 35 Einwohnern schafft es auf kaum eine Landkarte. Im September 1989 aber wird es tagelang von hunderten Leuten belagert. Denn Boris Becker wohnt in einem der Häuser. Sein einziger Besuch in der DDR hat einen sehr privaten Grund.

September 1989. Ein kleines Dorf bei Luckau. Wie ein Lauffeuer spricht es sich herum: Boris Becker kommt nach Liebsdorf! Kein Witz, kein Gerücht. Der Wimbledon-Sieger ist Ende der 80er Jahre mit Karen Schultz befreundet. Drei Jahre dauert die Beziehung. Schultz ist sportlich und blond und lebt in Hamburg. Dort lernt sie Becker kennen, von dem sie anfangs nicht einmal weiß, wer der Mann überhaupt ist.

Die Eltern von Karen Schultz hatten die DDR verlassen, Liebsdorf verlassen, noch vor dem Mauerbau und waren nach Hamburg umgesiedelt. Dort wird auch Karen geboren. Ihre Großeltern aber, ihre Cousins und Cousinen, die Tante - sie alle leben in Liebsdorf. So oft es geht, besucht Karen ihre Verwandten auch zu DDR-Zeiten immer wieder.

Nun will sie auch ihrem Freund Boris Becker ihr Liebsdorf zeigen, will ihn mit dem großen Rest ihrer Familie bekannt machen. Und Becker muss nicht lange überzeugt werden. Gemeinsam mit seiner Freundin reist er in den damaligen Bezirk Cottbus.

"Ich hätte nie gedacht, was hier geschehen ist"

Karen Schultz kann es nicht fassen: Als das Westpaar dort ankommt, bevölkern hunderte, überwiegend junge Leute das Örtchen mit seinen 35 Einwohnern. Überall stehen Trabants und Wartburgs. Alle wollen Boris Becker sehen.

Der sitzt im Haus der Großeltern von Karen, wo sie die ganzen vier Tage wohnen, und schreibt fast pausenlos Autogramme, die Karen und die Oma dann draußen verteilen. Becker ist völlig überfordert mit dieser Situation. Karen wird später sagen, sie war naiv erschrocken.

Ein Gruppenfoto entsteht am Ortseingangsschild von Liebsdorf. Boris Becker inmitten einer Traube von Fans. Das Bild macht ein Fotoreporter der FDJ-Zeitung "Junge Welt". Manfred Hönel arbeitet dort in der Sportredaktion. Er ist der einzige Journalist, der nach Liebsdorf fährt und Becker zum Interview trifft.

Redakteuren vom DDR-Rundfunk und der Heimatzeitung "Lausitzer Rundschau" wurde es verboten, dorthin zu fahren und vom Besuch Beckers zu berichten. Der West-Star passte im September 1989 offensichtlich den Chefredakteuren nicht ins derzeitige sozialistische Weltbild.

"Wir wollten nur ein paar ruhige Tage verbringen"

Das sagt Karen Schultz 20 Jahre später, in ihrem ersten Interview überhaupt. Während ihrer Zeit mit Boris Becker habe die Presse sie belagert, aber sie habe nie nachgegeben, erklärt sie ihre Zurückhaltung. Sie wollte kein öffentliches Leben führen.

Für den rbb macht sie 2009 eine bis heute einmalige Ausnahme. Sie reist mit einem Kamerateam nach Liebsdorf, erinnert sich an die Tage mit Boris Becker bei den Großeltern, bei der Tante, bei den Cousins und Cousinen.

Die drei Jahre mit Boris habe sie nie bereut, sagt sie im Gespräch in Liebsdorf. Warum auch, fügt sie an. Sie hat ihn geliebt. Seine Art, enthusiastisch und spontan zu sein, neugierig auch. Und überhaupt war und ist er einfach sympathisch, heute, wie damals in Liebsdorf. In jenem Örtchen, das im September 1989 vier Tage lang Kopf stand.   

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren