Klassenzimmer in Guben (Quelle: rbb/Iris Wussmann)
Video: Brandenburg aktuell | 12.01.2018 | Anne Holzschuh | Bild: rbb/Iris Wussmann

Lehrermangel in Guben - Polnische Pädagogen helfen gegen die "Minusstunden"

Guben hat zu wenige Lehrer - selbst viele der Referendare, die dort ausgebildet werden, wollen nicht bleiben. Deshalb versucht die dortige Grundschule es nun mit Kolleginnen und Kollegen aus dem nahe gelegenen Polen - mit Erfolg.

Freitagnachmittag, die Schule ist aus - ab nach Hause! Für Robert Buczek, Lehrer an der Friedensgrundschule in Guben heißt das nach Zielona Góra- denn Buczek ist Pole, wohnt nur die Woche über in Guben. Dort unterrichtet er Deutsch und Englisch und ist seit diesem Jahr Klassenlehrer.

"Good morning, boys and girls", sagt der Lehrer. "Good mor-ning, Mis-ter Bu-czek", antworten die Schülerinnen und Schüler im Chor. Englischunterricht in der 5b. Die Arme gehen nach oben, alle machen eifrig mit - und kämpfen sich zusammen mit ihrem Lehrer anschließend durch die deutsche Grammatik.

Der polnische und der deutsche Lehrer in einem Klassenzimmer in Guben. (Quelle: rbb/Iris Wussmann)
Der polnische und der deutsche Lehrer in Guben. | Bild: rbb/Iris Wussmann

Bei seinen Schülern ist Buczek beliebt

Dass ihr Lehrer Deutsch, Polnisch und Englisch spricht, finden sie cool - wie den Mann überhaupt."Ich finde ihn toll, weil er lustig ist und guten Unterricht macht", sagt eine Schülerin. "Er erzählt auch oft Geschichten und erklärt sehr gut", ergänzt eine andere. Ein dritter Schüler lobt, dass Buczek zu seiner Klasse halte, sich auch bei Problemen vor "meine Schüler" stelle.

Dass Robert Buczek in Guben unterrichtet, hat viel mit seiner Liebe zur deutschen Sprache zu tun - 25 Jahre lehrte er Gemanistik an der Uni in Zielona Góra, aber irgendwann reicht ihm das nicht mehr. "Weil ich von der Ausbildung her Lehrer bin, war es eigentlich mein Traum, an einer deutschen Schule zu unterrichten", erzählt er. "Ich glaube, ich habe den Traum realisiert."

"Ohne die polnischen Kollegen könnten wir das Loch nicht stopfen"

Buczek ist einer von fünf polnischen Lehrern an der Grundschule - die Rettung angesichts des Mangels an Pädagogen.

Für Schulleiter Frank Müller sind Buczek und die anderen polnischen Kollegen ein Glücksfall. Natürlich hätten am Anfang einige Vorbehalten der Eltern zerstreut werden müssen, aber die Neuen seien keine Seiteneinsteiger, sondern gut ausgebildete Lehrer.

Lehrer, die hier fehlen: Keiner von den Referendaren wolle in Guben bleiben. Der Blick üer die Grenze nach Polen sei deshalb naheliegend - zumal durch die Reform des Bildungssystems dort Lehrer arbeitslos sind. "Deshalb glaube ich: Wenn wir nicht auf die polnischen Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen würden, könnten wir diese Loch, das wir hier haben, nicht stopfen", sagt Müller. "Wir probieren es aus. Zur Zeit läuft es sehr gut - aber wir warten ab, ob das die Lösung ist oder nicht. Ich denke aber schon. Hätte ich die Kollegen nicht genommen, hätte ich das Loch nicht stopfen können und wir hätten mit Minusstunden arbeiten müssen."

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7 Kommentare

  1. 7.

    Menno, das ist ja alles recht schön und gut, eines kann ich jedoch nicht ganz verstehen: der poln. Ü40-Quereinsteiger, der Germanistik studierte, lehrt jetzt in einer deut. Grundschule Englisch. Klar, Hello Boys und Girls, ist ja keine Weltmeisterleistung, aber man hätte schon erwarten können, dass der Englischunterricht von einem geleitet wird, der das Zeug dazu hat, zumindest die richtigen Papiere. Wenn jetzt nur ein Zertifikat völlig ausreicht, dann werden sich ab morgen die Schulen von einem Ansturm von „gebt mir nur das Geld“-Möchtegern-Biolehrern kaum erholen können.
    Und dass der Selbstfindungsprozess bei Herrn Dr. B. über zwanzig Jahre gedauert hat, dies gibt ja auch viel Stoff zum Nachdenken. Geht wirklich ein Traum in Erfüllung oder fahren wir eher die klassische Schiene „Hauptsache: Cash“? Alles Gute.

  2. 6.

    Alles Gute zur neuen Arbeitsstelle! aber so nebenbei, welche Bösewichter haben Kollegen an der Uni die langen 25 Jahre davon abgehalten, den großen Traum vom Unterrichten an einer Grundschule zu verwirklichen? Das kaufe ich nicht ab. Ich kann zwar nachvollziehen, dass das jetzige Geld im Vergleich zu den Gehältern der Akademiker in Polen einen großen Sprung bedeutet, aber was soll jetzt diese ganze Ideologie? Ob andererseits die Bemerkung, dass der polnische promovierte Germanist, der in einer deutschen Grundschule Englisch unterrichtet, für seine Aufgaben überqualifiziert sei, eine große Anerkennung bedeutet..., ich weiß nicht...

  3. 5.

    Bleiben wir sachlich: Es ist nicht der Traum von einer Arbeit an einer deutschen Grundschule, der Herrn Dr. Buczek nach Guben geführt hat, sondern sein wissenschaftliches Scheitern an seiner polnischen Heimatuni. Eine solche Umorientierung erfolgt nie aus eigenem Antrieb. Der Schülerin der Friedensschule in Guben ist auf jeden Fall zuzustimmen: Herr Buczek ist ein exzellenter Geschichtenerzähler...

  4. 4.

    Es ist kein Traum von einer Arbeit an einer deutschen Grundschule, der Herrn Dr. Buczek nach Guben gebracht hat, sondern sein wissenschaftliches Scheitern: 16 Jahre nach der Promotion und ohne Chancen auf die Habilitation galt er in seinem Institut als längst überfällig und musste gehen. Selbstinszenierungspraktiken, die auf Halbwahrheiten bzw. auf Lügen basieren, sind einfach peinlich.
    Der Schülerin der Friedensgrundschule in Guben ist jedoch zuzustimmen: Herr Dr. Buczek ist ein exzellenter Geschichtenerzähler...

  5. 3.

    Herrn Dr. Specht wünsche ich alles Gute auf seinem neuen Lebensweg! In der Zeit alternativer Wahrheiten kann man sich selbstverständlich so vermarkten, zu der Erkenntnis jedoch, endlich einmal den eigenen Traum realisieren zu müssen, hat sich jemand erst nach 25 Jahren durchgerungen. Der wissenschaftliche "Schuh" in Form einer obligatorischen Habilitation hat sich als ein um einige Nummern zu großes Wanderwerk erwiesen, so dass der Zug ohne Muttis Liebling hat abfahren müssen. Träumen Sie weiter, Herr Dr. Specht!

  6. 2.

    Eine eigentlich schöne Sache gerät hier wieder zur Posse. Seit 28 Jahren bringt man die ostdeutschen Lehrer um ihren gerechten Lohn und nun wird ausgerechnet ein Pole noch schlechter behandelt. Dem Bericht zu folge, ist er in einer Grundschule überqualifiziert, kommt aus einem Land das bei Pisa vordere Plätze belegt und soll nun jahrelang "überprüft" werden? Er darf in einem BL arbeiten, was stets letzte Plätze im Vergleich mit den anderen BL belegt. Der roten LR sind die geringste finanzielle Mittel für die Bildung wehrt. Nebenbei führt man, von Journalisten unbemerkt, eine Oberstufenreform durch, die ein weiteres Absinken des Niveaus bedeuten: Wegfall der 2. Fremdsprache als Pflichtfach und um eine bestimmte Note zu bekommen, müssen die Schüler noch weniger leisten. Da sind wir ja mal auf zukünftige Statistiken der Verwaltung gespannt, wie sich das Abi entwickelt hat. Und die Brandenburger Schüler haben dann noch schlechtere Chancen in der Wirtschaft und an der Uni. Toll

  7. 1.

    Minusstunden??? Noch nie gehört den Begriff! Ist dessen Gebrauch jetzt vom Bildungsministerium verordnet worden, als euphemistischer Ersatz für "Ausfallstunden"?
    Übrigens bekommt der polnische Lehrer weniger Gehalt als seine deutschen Kollegen, seine Qualifikationen müssen noch geprüft werden ( Quelle: rbb-aktuell vor 15 Minuten). Könnte die Redaktion bitte einmal recherchieren, ob er als ausgebildeter polnischer Lehrer
    weniger als ein fortgebildeter deutscher Quereinsteiger verdient!?
    Wenn ja, würde mich sehr die Stellungnahme der Schulbehörde interessieren!

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