Gruppenfoto: Kerstin Roy und ihre Auszubildenden (Quelle: Roy/Wetzke)
Bild: Roy/Wetzke

Philippinische Pflegekräfte für Deutschland - Wer pflegt mich, wenn ich krank oder dement werde?

Während hierzulande über zu wenig Pflegepersonal und immer mehr pflegebedürftige Menschen diskutiert wird, werden auf den Philippinen Pfleger für den deutschen Markt ausgebildet - unter anderem von einer Lausitzerin. Kerstin Roy kommt ursprünglich aus Döbbrick bei Cottbus, lebt seit zwei Jahren in der philippinischen Hauptstadt Manila und arbeitet dort für eine deutsche Sprachschule. Interview von Sophia Wetzke.

Mit Deutschkursen macht Kerstin Roy die zukünftigen Pflegekräfte fit für den deutschen Markt. Warten die potentiellen Arbeitgeber hier zu Lande schon sehnsüchtig auf die neuen südostasiatischen Mitarbeiter?

Wir selbst als Schule haben natürlich keine Arbeitgeber an der Hand, aber wir arbeiten mit Arbeitsvermittlern zusammen. Deswegen haben wir auch viele Schüler, die ein Stipendium haben. Wo also der Arbeitgeber aus Deutschland auch für die Sprachausbildung aufkommt.

Wie groß ist denn die Nachfrage?

Wir bekommen das ja auch von unseren Arbeitsvermittlern mit, mit denen wir zusammen arbeiten, dass da wirklich Anfragen aus Deutschland kommen: Wir hätten gern 100 Pflegekräfte. Weil sie so zufrieden sind, weil der Filipino sehr hart arbeitet, sehr fleißig ist und nicht meckert. Das liegt einfach in der Mentalität der Filipinos. Außerdem ist die Ausbildung auch sehr gut. Um Krankenschwester oder Krankenpfleger zu werden muss man hier studieren. Die philippinischen Pflegekräfte haben alle einen Bachelor oder Master in „Nursing“.

Pflegefachkraft ist auf den Philippinen ein sehr angesehener Beruf. Trotzdem ist es für diese Menschen Gang und Gäbe, im Ausland zu arbeiten. Woran liegt das?

Der Filipino der im Ausland arbeitet wird ein bisschen als Held gefeiert. Weil natürlich diese „Kinder“ ein besseres Leben für ganze Familie, für die Eltern, ermöglichen. Oftmals haben sie selbst Kinder auf den Philippinen, die dann natürlich eine bessere Ausbildung genießen können mit dem Geld, das nach Hause geschickt wird.

Lohnt sich der ganze Aufwand denn finanziell?

Im Vergleich zu den Philippinen verdienen die Pflegekräfte in Deutschland sehr gut. Eine Pflegekraft hier auf den Philippinen verdient umgerechnet circa 200 Euro pro Monat.

Wollen die Leute dann auch länger hier bleiben?

Das kommt natürlich auch immer auf den Arbeitgeber drauf an, aber die meisten möchten schon, dass unsere Leute längerfristig bleiben. Wenn ich mit den Schülern spreche, die jetzt schon in Deutschland sind, die möchten auch längerfristig bleiben. Die überlegen dann natürlich auch den Ehepartner zu einem späteren Zeitpunkt mit nach Deutschland zu holen. Da ist keiner dabei der sagt „Ich möchte nur ein Jahr bleiben“.

Wohin werden denn die philippinischen Pflegekräfte vermittelt?

Es gehen sehr viele nach Berlin, Stuttgart, Halle oder Hamburg. Wobei mir schon auffällt, dass sich scheinbar die Arbeitgeber im Osten noch etwas zurück halten. Die Leute gehen in der Tat größtenteils in den Westen, aber ich denke der Osten wird da noch nachziehen.

Sophia Wetzke führte das Interview für Antenne Brandenburg. Teile des Gesprächs können Sie mit Klick auf das Bild am Anfang des Artikels nachhören.

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