Dachdecker auf einem Hausdach in Döllingen (Foto: rbb/Wussmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 31.07.2018 | Sebastian Schiller, Anja Kabisch, Iris Wussmann | Bild: rbb/Iris Wussmann

Dachdecker, Straßenarbeiter, Gärtner - Arbeiten - auch wenn die Sonne knallt

38 Grad, im Schatten: Bei besonders hohen Temperaturen wie am Dienstag warnen Ärzte vor zu großer körperlicher Belastung. Doch viele Arbeiter können nicht auf die Mediziner hören. Sie müssen in der prallen Sonne ackern. Der rbb bringt immerhin Getränke vorbei. Von Martin Schneider

Südbrandenburg schwitzt. Wer kann, baumelt mit den Füßen im Wasserbecken oder kühlt sich dank freier Zeit an einem See im Schatten ab. Doch die vielen Arbeiter unter freien Himmel, für die die angesagten 38 Grad im Schatten noch einmal viel hitziger ausfallen, müssen ranklotzen. rbb-Reporter brachten Abkühlung in Form von Wasserflaschen.

Bauarbeiter auf der Baustelle am Bahnhof Cottbus (Foto: rbb/Schiller)
Bild: rbb/Sebastian Schiller

"Die Sonne ist brutal"

Die Belastung bei Hitze ist vor allem auf den Straßenbaustellen, zum Beispiel in Mühlberg, auf der Autobahn 13 - oder in Cottbus am Hauptbahnhof groß. Auf der Großbaustelle knallt die Sonne auf die Köpfe der Arbeiter, die gerade Rohre verlegen und Bordsteine an Schienen verlegen.

"Die Sonne ist brutal", sagt einer von ihnen. Aber so lange Arbeit Spaß mache, ginge es noch. Er verbraucht an heißen Tagen richtig viel Wasser, "vier, fünf Liter auf jeden Fall." Mit der Sonne müsse man einfach leben, denn "man kann sich auch nicht immer einen Baum oder Bagger mitnehmen, damit man Schatten hat."

rbb-Reporter Sebastian Schiller übergibt Wasser an einen Bauarbeiter am Bahnhof Cottbus (Foto: rbb/Schiller)
Bild: rbb/Sebastian Schiller

Immerhin: Der Feierabend wird wahrscheinlich etwas vorverlegt, "ansonsten rennst du halb vier herum, wie bekloppt. Da ist ja alles ausgetrocknet - inklusive Gehirn", meint der Arbeiter.

Der Cottbuser Hauptbahnhof  wird bis zum Jahr 2020 komplett modernisiert. Barrierefreie Erreichbarkeit der Züge, Zusammenführung des öffentlichen Personennahverkehrs und Integration des Busbahnhofes - die Bahn investiert hier 48 Millionen Euro in den Umbau.

Auf dem Dach: Schon Mittags über 40 Grad

Glühende Hitze, die Sonne brennt unbarmherzig - das bekommen auch die fünf Dachdecker zu spüren, die am Dienstag auf einem Haus in Döllingen (Elbe-Elster) arbeiten. Schatten ist nicht in Sicht.  "Man könnte sich noch hinter dem Schornstein verstecken, aber das bringt ja auch nicht viel", meint grinsend einer der Männer.

Von ihnen ist Günther am längsten auf dem Bau. 1966 hat er gelernt, aber so eine Hitze wie jetzt hat er noch nicht erlebt. "So doll wie in diesem Jahr, und so lange... Es ist ja auch noch kein Ende abzusehen."

Am Dienstag haben die Dachdecker extra eine Stunde eher als sonst angefangen. "Die Hitze wird extrem, jede Minute eher hilft da weiter", erklärt einer der Arbeiter.

rbb-Reporterin Iris Wussmann übergibt Wasser an Dachdecker in Döllingen (Foto: rbb/Wussmann)
Bild: rbb/Iris Wussmann

"Das haben wir uns so ausgesucht."

Bei so viel Sonne ist die richtige Kleidung wichtig, "mit freien Oberkörper machen wir nicht", meint einer der Arbeiter. Stattdessen sind Shirt und Mütze angesagt.  

Außerdem machen sie öfter mal eine Pause, um die Temperaturen zu ertragen. Einmal pro Stunde kommen die Männer runter von der Lattung, greifen regelmäßig zum Mineralwasser. "3 Flaschen Wasser brauchen wir schon am Tag", sagt einer von ihnen. 

Zurück auf dem Dach brennt aber nicht nur die Sonne, "manchmal ist die Stange auf der Rüstung heißer als alles andere." Doch sein Kollege schiebt gleich hinterher: "Das haben wir uns so ausgesucht, also machen wir das auch so."

rbb-Reporterin Anja Kabisch übergibt Wasser an einen Gärtnerei-Mitarbeiter in Cottbus (Foto: rbb/Kabisch)
Bild: rbb

Dauergießen in der Gärtnerei

Während die Dachdecker in Döllingen schwitzen, gibt es zeitgleich in einer Gärtnerei in Cottbus jede Menge Abkühlung - allerdings nur für Pflanzen. Die Mitarbeiter haben gerade unter freiem Himmel und im Gewächshaus alle Hände voll zu tun. "Wir gießen den ganzen Tag, bis Abend, weil die Gräser sehr schnell austrocken", meint einer von ihnen.

Dabei halten sich Bewässern und Schwitzen die Waage, ergänzt ein Kollege. Auch er hält die Hitze vor allem mit viel trinken aus. Eine weitere Mitarbeiterin sieht die Temperaturen im tropisch-warmen Gewächshaus ganz pragmatisch: "Wir speichern sie innerlich und heben sie auf für den Winter" sagt sie lachend - denn im Winter sei es "schweinekalt hier drin."

Tipp für Hobbygärtner

Bei den hohen Temperaturen haben übrigens die Rosen besonders viel Durst, genauso wie Strohblumen und Zitrusfrüchte.

Auch wenn in der Cottbuser Gärtnerei das Wasser den ganzen Tag fließt, sollten Hobbygärtner lieber in den Morgenstunden gießen. "Wenn wir Abends gießen, locken wir die Schnecken raus", erklärt eine Mitarbeiterin.

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