Audio: Antenne Brandenburg | 31.07.2018 | Ralf Jußen | Bild: dpa

Bis zu 38 Grad - Südbrandenburg schwitzt am heißesten Tag des Jahres

Fenster zu und Rollos runter. Südbrandenburg durchlebt am Dienstag den vorraussichtlich heißesten Tag des Tages. Rettunsgwachen und Notaufnahmen sind besonders vorbereitet. Und mit den Temperaturen steigt auch die Liebeslust der Rehböcke. Von Martin Schneider

Die Lausitz und das Elbe-Elster-Land kratzen an einer Rekordmarke: Im Jahr 2015 wurden in Großräschen 39,3 Grad gemessen. Der letzten Julitag 2018 bringt mit immerhin 38 Grad ganz Südbrandenburg ins Schwitzen. Während die Ferienkinder Abkühlung in den Seen und Freibädern finden, sorgt die Hitzewelle für Sorgenfalten in mehreren Berufen.

Hochbetrieb in Notaufnahmen

Südbrandeburgs Rettunsgwachen und Notaufnahmen haben alle Hände voll zu tun, sind aber nach Informationen von rbb|24 gut vorbereitet. So wurden das Personal und der Vorrat an Infussionen aufgestockt. Die Einsatzstatistik zeigt, dass an besonders heißen Tagen die Rettunsgwagen deutlich häufiger ausrücken und sich um Kreislaufprobleme kümmern müssen. Schwächeanfälle sind oft die Folge von Flüssigkeitsverlust, Überanstrengung und Wärmestau im Körper. Deshalb bekommen die betroffenen Patienten häufig einen Tropf mit Kochsalzlösung, um den Wasser- und Salzhaushalt wieder zu stabilisieren.

Mediziner empfehlen viel zu trinken, um den Kreislauf in Schwung zu halten. Außerdem warnen sie vor extremer Belastung und Sport bei Hitze.

Fluss ohne Wasser

Die schon seit Wochen andauernde Hitzewelle setzt auch den Lausitzer Flüssen und den Fischen darin zu. Nach den Angaben des Landesumweltamtes liegt der Wasserstand der Schwarzen Elster zum Beispiel in Bad Liebenwerda 20 Zentimeter tiefer als noch vor 14 Tagen. 46 Zentimeter werden hier noch gemessen. Bei Senftenberg sind Teile des Flusses sogar komplett ausgetrocknet.  

Nicht ganz so dramatisch ist die Situation der Pulsnitz bei Ortrand. Dort ist der Wasserstand in den letzten zwei Wochen nur um fünf Zentimeter gesunken. Die Wasserstände von Spree und Neiße sind im Moment noch recht stabil.

Eine von der andauernden Hitze aufgeplatzte Betonplatte auf der A10 in Brandenburg (Bild: dpa/Julian Stähle)Eine aufgeplatzte Betonplatte (Foto: dpa/Julian Stähle)

Blow-Ups verformen Straßen

Sorgenfalten haben auch die Mitarbeiter der Straßenmeistereien. Bei der Hitze reißen Fahrbahnen auf und der Straßenbelag verformt sich - vor allem in Kreuzungsbereichen. Die sogenannten "Blow-ups“ führen in vielen Fällen zu einem Tempolimit in dem Bereich.

Blow-ups entstehen auf Beton. Können sich zum Beispiel nebeneinander liegende Betonplatten bei Hitze nicht ausreichend ausdehnen, schieben sie sich übereinander. Dadurch kann die Fahrbahn gesprengt werden.

Wild wird ganz wild

Die Hitze sorgt auch für einere weitere Gefahr auf Südbrandenburgs Straßen: Beim Rehbock wächst die Lust auf die Ricke. Die Paarungszeit beginnt bei den Temperaturen zeitig - aber auch besonders beschwerlich, erklärt Anna Martinsohn vom Deutschen Jagdverband. "Wenn man eine Weile zuschaut, sieht man den Bock schon hinterher hecheln, weil es natürlich körperlich wahnsinnig anstrengend ist."

Rekord-Juli durch die "Hitzeglocke Lausitz"

Der Juli war nicht nicht der wärmste seit Jahren, sondern auch der trockenste.  Zwar habe der Lindenauer Hobbymeteorologe Rudolf Kupfer bei seinen Wetteraufzeichnungen im Jahr 2003 bereits einen heißen Juli verzeichnet, aber "in diesem Jahr ist besonders verschärfend, dass wir seit Mai anhaltende Trocken- und Hitzeperioden haben, die im Juli ihren Höhepunkt gefunden haben." In den beiden letzten Juliwochen wurden fast durchgängig über 30 Grad gemessen. "Das ist schon grausam, weil wir davon ausgehen müssen, dass in den nächsten Tagen kein dauerhafter Regen eintreten wird, weil die Lausitz einfach eine Hitzeglocke hat", so Kupfer.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Angeklagter mit seinem Anwalt im Gerichtssaal (Quelle: rbb/Daniel Jorewitz)
rbb/Daniel Jorewitz

Urteil im Familiendrama von Werben - Drei Jahre Haft nach Messerangriff

Die Tat hat in der Lausitz für Bestürzung gesorgt: Ein junger Mann greift Mutter, Stiefvater und Halbbruder mit einem Messer an und verletzt sie zum Teil schwer. Danach will er sich selbst töten. Jetzt wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Von Daniel Jorewitz