"Der Sturm" von Shakespeare an der Neuen Bühne Senftenberg
Audio: Antenne Brandenburg | 28.09.2018 | Anke Blumenthal | Bild: Steffen Rasche

Theaterspektakel startet mit "Der Sturm" - Steife Brise statt lauem Lüftchen in Senftenberg

"Der Sturm" soll bei der Premiere am Samstag alle mitreißen, auf der Bühne, davor, dahinter. Zuschauer wird es nicht auf den Sitzen halten, sie werden Teil der Inszenierung. Das hat Tradition an der Neuen Bühne Senftenberg. Von Anke Blumenthal

"Der Sturm", ein Sinnbild: Mit ihm sollen die Zuschauer Wind um die Nase geweht bekommen.  Es wird spektakulär. Mit einem Hafen, in dem sich alles tummelt. Die Küchenjungen, die zum Kartoffelschälen bitten, die Anwerber, die mit phantastischen Geschichten aus der Südsee locken und die Matrosen, die den Besuchern zum Empfang einen Grog reichen. Ein paar Damen vom Seniorentheaterclub haben sich sogar in Hafennutten verwandelt. Man fühlt sich mal wie in der "Schatzinsel", der "Titanic" oder im "Fluch der Karibik".

Ohne abgestempeltes Heuerbuch kein Einlass in das Theaterhaus, das Deck muss schließlich sauber geschrubbt sein. Die Besucher müssen mit ran. Die Fischgaststätte öffnet ohnehin erst in der Pause.

Roland Kurzweg als Kapitän
Roland Kurzweg als Kapitän | Bild: Steffen Rasche

Ein Spektakel mit viel Bewegung für alle

Doch bevor Shakespeares "Sturm" in Senftenberg auf die Bühne kommt (Premiere am Samstagabend), fährt das Publikum quasi zur See. Da schwelgt im Magazin der Shanty-Chor, der eigentlich der Chor der Bergarbeiter ist, mit Schauspieler Heinz Klevenow musikalisch in Erinnerungen.

Im Keller blubbert die Unterwasserwelt vor sich hin, überall werden Texte auch vom ehemaligen Seemann und Autoren Joseph Conrad deklamiert. Die Zusammenhänge mit dem großen Ganzen des Abends miteinander zu verweben, hat den Theaterleuten sicher Spaß gemacht. Doch muss sie niemand wissen und kennen, betont Gast-Regisseur Frank Düwel. Das Vor-"Sturm"-Programm allein ist ein kleines Spektakel, bei dem der Hamburger vom Haus freie Hand bekam.

"Der Sturm" von William Shakespeare beginnt im großen Saal des Theaters. Aber auch hier bleibt das Publikum nicht lange auf seinen Stühlen sitzen. Einzelne Akte laufen parallel. Niemand verpasst etwas, doch jeder erlebt anderes.

Heinz Klevenow mit dem Chor der Bergarbeiter
Heinz Klevenow mit dem Chor der Bergarbeiter | Bild: Steffen Rasche

So viel Spektakel braucht viel Personal

Nur die Nachtpförtnerin ist raus, alle anderen – vom Stagemanager über den Kinder- bis zum Seniorentheaterclub – sind den ganzen langen Abend lang wieder in mehreren Rollen zu erleben. Die Idee der Hafennutten sei von den Damen des Seniorentheaters selbst gekommen, betont der Regisseur.

Dass es dazu das passende Catering gibt, versteht sich von selbst:  Südseefrüchte oder Fischsuppe im Gastmahl des Meere. Nach Shakespeares "Sturm" lädt Senftenbergs begabtester Hofnarr Jan Mixsa kurz vor Mitternacht zum Epilog ins Foyer und fragt sich, was aus Shakespeares Figuren eigentlich wurde. Die frei erfundene Story enthüllt musikalisch die Untaten wahnsinnig gewordener Nachfahren der Bühnenhelden. Bitte noch einen Grog.

Patrick Gees als Bootsmann
Patrick Gees als Bootsmann | Bild: Steffen Rasche

Bei der obligatorischen Frage, was ein Shakespeare dem Publikum im Jahre 2018 zu sagen  hat, zitiert Intendant und Regisseur Manuel Soubeyrand seinen Lieblingssatz im Stück. Prospero sagt im 2. Akte: "Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind. Und unser kleines Leben ist von einem großen Schlaf umringt."

"Nehmen wir uns nicht so wichtig", sagt Soubeyrand, "rasseln wir nicht sinnlos mit den Säbeln, genießen wir den kurzen Augenblick, der sich Menschenleben nennt.  Und feiern wir jetzt."

Beitrag von Anke Blumenthal

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