Bakterien gegen eine braune Spree (Quelle: Grafik, rbb-Fernsehen)
Audio: Antenne Brandenburg | 02.11.2018 | Daniel Friedrich

Bürgerforum in Spremberg - Dichtwand als Rettung vor Eisenschlamm?

Die Spree als rostbraune Brühe: Die Spremberger leben seit Jahren mit der Eisenhydroxidbelastung als Spätfolge des Bergbaus. Damit abfinden wollen sie sich nicht. Bei einem Bürgerforum wurde ihnen jetzt eine neue Idee präsentiert. Von Daniel Friedrich

An die braune Eisenfracht, die mit der Spree durch ihre Stadt rauscht, haben sich die Spremberger wohl mittlerweile gewöhnt. Mehrere Tausend Kilogramm sind es Tag für Tag. Doch abfinden wollen sich viele nicht. Rund 100 haben deshalb am Donnerstag-Abend ein  Bürgerforum der Stadtverwaltung besucht.

Was sie zu hören bekamen, waren kleine Erfolge: Bis 2020 sollen 35 Prozent des Ockerschlamms vor Spremberg, also im sächsischen Teil der Spree zurückgehalten werden. "Mittelfristige Abfangmaßnahmen" nennt das Sven Radigk, Projektleiter des Bergbausanierers LMBV.  

Kein Ende abzusehen

Zu sehen sind diese Fortschritte allerdings noch nicht, so Winfried Böhmer, der Sprecher des Aktionsbündnisses "Klare Spree".

Aus seiner Sicht reichen die bisherigen Bemühungen nicht aus. Es gebe eine extreme Belastung, bei der noch kein Ende abzusehen sei, bis auf die avisierte Reduzierung um 35 Prozent. "Das kann's nicht sein", so Böhmer.

Frust, den Projektleiter Radigk versucht, mit einer neuen Idee zu entschärfen:

Er zaubert die Idee von Dichtwänden aus der Tasche. Diese sollen praktisch das Übel an der Wurzel packen und schon beim Grundwasser ansetzen.     

Millionenkosten für Dichtwand

Die Dichtwand funktioniere als hydraulische Barriere, die das Grundwasser langsamer fließen lässt. Dadurch würde weniger eisenbelastetes Grundwassers in die Spree fließen.

Bisher ist das allerdings nicht mehr als eine Idee. Solch eine Dichtwand ist teuer, die Kosten liegen im hohen zweistelligen Millionenbereich.  Und eine schnelle Lösung würde auch sie nicht bringen, warnt der LMBV Projektleiter vor zu hohen Erwartungen.

Die Eisenfracht zu reduzieren "bleibt eine Generationenaufgabe", noch 50 bis 60 Jahre würden die Spremberger mit den Belastungen leben müssen, betont Radigk. Ob diese noch so viel Geduld aufbringen, wird sich zeigen.  

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Es wird immer deutlicher, dass die "Sanierung" der Tagebauhinterlassenschaften lange schöngeredet und schöngerechnet wurde und wird. Wahrscheinlich werden die Kosten und Gesundheitsbelastungen an die kommenden Generationen weitergereicht. Beim jahrzehntelangen Rückbau der AKWs weiterhin ohne Endlager erleben wir bereits, wie das geht. ""bleibt eine Generationenaufgabe", noch 50 bis 60 Jahre würden die Spremberger mit den Belastungen leben müssen"
    Sehr Schade nicht nur für unsere Kinder, dass nicht engagierter an dem Ausstieg aus der Braunkohle und der Nutzung fossiler Energien gearbeitet wird.

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