Geschlachtete Gänse hängen in Terpt bei Luckau (Foto: rbb/Wussmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.12.2018 | Iris Wussmann | Bild: rbb/Iris Wussmann

Weihnachten naht - Das letzte Schnattern der Terpter Gänse

150 Gänse watscheln über einen Hof in Terpt. Noch. Das Weihnachtsfest rückt näher. Am kommenden Wochenende sollen die Tiere geschlachtet werden. Wenn es den ersten Gänsen an die Gurgel geht, trauern die anderen - aber auch die Besitzer. Von Iris Wussmann

Es ist Dienstag, sechs Tage vor Heiligabend. Noch schnattern rund 150 Gänse auf der Wiese und genießen die mageren Sonnenstrahlen auf dem Hof in Terpt (Dahme-Spreewald). Doch während die Gänse noch nichts von ihrem Schicksal ahnen, ist Besitzerin Heidi Lehniger der Blick auf das kommende Wochenende nicht egal. Dann werden die Tiere geschlachtet. Doch es ginge nummal nicht anders. Immerhin hätten die Tiere "ein glückliches Leben auf einer grünen Wiese bis zum letzten Tag" gehabt.

Schnatternde Gänse in Terpt bei Luckau (Foto: rbb/Wussmann)
| Bild: rbb/Iris Wussmann

Ein Leben in Bio

Ein glückliches Leben, damit meint Lehniger auch das Bio-Leben. Die Küken kommen von einem zertifizerten Ökobetrieb in Sachsen. Der Hof in Terpt baut das Futter selbst an. "Der Hafer wird biologisch produziert, wir sind bio-zertifiziert", sagt Mario Lehniger. Das heißt, es werden keine Pestizide eingesetzt. Der einzige Dünger sei "Gänsemist."

Bis zu fünf Kilo bringen die Gänse nun auf die Waage. Den heißen und trockenen Sommer haben sie gut überstanden. Die Wiese wurde beregnet und es gab sogar einen Swimming-Pool für die Tiere, erzählt Heidi Lehniger. Dort konnten die Gänse baden und so kam es, "dass sie sich teilweise angestellt haben, sind ein paar Runden geschwommen - und haben den Teich dann verlassen. Dann waren die nächsten dran."

Gänse trauern auf ihre Art

Momente wie diese Bade-Szenen zeigen: Gänse sind soziale Tiere. Das macht sich auch bemerkbar, wenn das Schlachten beginnt, sobald ein paar Tiere aus der Gänseschar fehlen, erklärt Lehniger. "Wenn der Fuchs da war, dann geht es. Dann ist es eine natürliche Auslese. Aber wenn der Mensch einen Teil wegnimmt, dann ist wirklich Trauer angesagt." Dann fressen die Tiere eine Woche lang nichts mehr. Sie seien wie eine große Familie.

Genau deshalb werden, bis auf wenige Ausnahmen, alle Gänse erst kurz vor Weihnachten geschlachtet. Ein weiterer Grund ist, dass die Kunden die Tiere ganz frisch haben wollen. Alle 150 Gänse sind bereits vergeben.

Das Schlachten fällt Gänsebesitzer Mario Lehniger schwer. "Wenn man ein halbes Jahr mit ihnen herumgerannt ist, gesehen hat, wie sie aufwachsen - da muss man ein bisschen den Kopf ausschalten."

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