Sozialarbeiter Lars Lüdtke und die stellvertretendende Jugendamtsleiterin Yvonne von Deparade sitzen bei einer Familie in Cottbus am Tisch (Foto: rbb/Screenshot)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.12.2018 | Anke Blumenthal | Bild: rbb

Unterwegs mit dem Jugendamt Cottbus - Wenn der Sozialarbeiter klingelt, gibt's Geschenke

Das Cottbuser Jugendamt macht gerade Hausbesuche. Allerdings zur Freude der betreuten Kinder. Sie bekommen von den Mitarbeitern ein besonderes Weihnachtsgeschenk überreicht, gepackt von anderen Kindern. Anke Blumenthal war bei einem Besuch dabei.

Sie ist oft nicht einfach, die Arbeit der Mitarbeiter vom Cottbuser Jugendamt. Doch jetzt in der Weihnachtszeit ist sie auch voller schöner Momente. Die Sozialarbeiter verteilen Weihnachtspäckchen an Familien, die sie betreuen. Nicht selbst gepackt, das dürfen sie nicht. Um den Inhalt der Geschenke kümmern sich Schüler und Eltern der evangelischen Grundschule Cottbus. Doch die Jugendamtsmitarbeiter nehmen sich mitten im Vorweihnachtsstress die Zeit, sie persönlich zu übergeben.  

Reporterin Anke Blumenthal und Eddi beim Weihnachtsbesuch des Jugendamtes Cottbus (Foto: rbb/Screenshot)
Reporterin Anke Blumenthal und Eddi | Bild: rbb

"Ich hab' gerade wieder Gänsehaut."

Mit Yvonne von Deparade und Lars Lüdtke vom Jugendamt bin ich zu einem Hausbesuch verabredet, auf den sich der kleine Eddi schon lange gefreut hat. "Hallo Eddi!", "Hallo!" Er steht schon an der Wohnungstür. Und schnell entdeckt er das mitgebrachte Geschenk. Es ist ein Angelspiel, das er auch gleich ausprobiert.

Für Sozialarbeiter Lars Lüdtke ein toller Moment. "Ich hab' gerade wieder Gänsehaut." Lüdtke ist seit zehn Jahren für Janine Wrobel zuständig. Und mittlerweile auch für ihren Sohn, den vierjährigen Eddi. "Ich habe ihn schon auf dem Arm halten dürfen." Und er freut sich, wie toll sich Eddi und seine Mutter entwickelt haben.

Janine Wrobel ist 26 und alleinerziehend. Sie hat immer Hilfe gebraucht. Details möchte sie mir nicht erzählen. Eddis Start ins Leben war schwierig.

Oft liegt nichts unter dem Tannenbaum

Für diese und rund 40 andere Familien haben die Schüler und Eltern der evangelischen Grundschule Cottbus Anfang Dezember ein Überraschungspäckchen gepackt. "Es waren immer tolle Geschenke", erinnert sich Janine Wrobel. Der Pullover, den Eddi heute trägt, war im vergangenen Jahr im Geschenkpäckchen.

Die ungewöhnliche Geschenkaktion des Jugendamtes rief Yvonne von Deparade vor fünf Jahren ins Leben. Sie macht oft die Erfahrung, "dass nichts unter dem Tannenbaum liegt. Das ist sehr traurig zu sehen."

Sozialarbeiter Lars Lüdtke und die stellvertretendende Jugendamtsleiterin Yvonne von Deparade in Cottbus (Foto: rbb/Screenshot)
Lars Lüdtke und Yvonne von Deparade | Bild: rbb

Die Hausbesuche, die Bescherungen sind freiwillige Überstunden in einer Zeit, die für die 21 Mitarber des Bereichs "Hilfen zur Erziehung" ohnehin heftig ist. Sie betreuen insgesamt fast 1.000 Familien, viele von ihnen haben Trennungsstress und streiten sich, wer das Kind Heiligabend bei sich zu Hause haben kann. "Hier wollen sie natürlich schnelle Termine und von uns auch schnelle Entscheidungen haben."

Probleme gibt es laut Lars Lüdtke manchmal auch, gerade wenn ein Geschenk unter dem Baum liegt. "Dann haben die Familien Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder gekauft, aber es reicht am Ende des Monats nicht mehr für die Nahrung, geschweige denn für die Miete."

Auf eigenen Beinen stehen

Janine Wrobel hat für Eddi ein eigenes Weihnachtsgeschenk besorgen können. Es muss kein großes sein. Und sie hat einen Wunsch für das Jahr 2019: Kein Jugendamt mehr. "Man freut sich dann doch, wenn man auf eigenen Beinen stehen kann. Und die Sache allein meistern kann."

Dann gibt es zwar kein extra Geschenk der Cottbuser Grundschüler mehr. Aber das wird Eddi verstehen.

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