Aus dem Tagebau Welzow-Süd werden jährlich etwa 20 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert und in den drei Großkraftwerken zur Stromerzeugung verbrannt © dpa/Patrick Pleul
Audio: Antenne Brandenburg | 28.01.2019 | Anja Kabisch | Bild: dpa/Patrick Pleul

Reaktionen aus Südbrandenburg - Der Kohleabschied hat begonnen

Lange wurde um den Fahrplan zum Kohleausstieg gerungen. Jetzt liegen Eckpunkte vor. Bis zum Jahr 2038 soll der Abschied von der Kohleverstromung dauern. Und dieser lange Weg soll in der Lausitz mit 18 Milliarden Euro aus dem Bundesetat finanziert werden. Wie reagiert die Region auf den Plan?

"Wir können nicht zufrieden sein mit diesem Bericht", das sagt LEAG Sprecher Thoralf Schirmer am Montag. Der Bericht durchkreuze die Planungen des Energiekonzerns. Bis 2040 wollte die LEAG Kohle verstromen. Ein Ausstieg vor der Zeit bedeute Stellenstreichungen. Der Bericht der Kohlekommission war Thema der LEAG-Vorstandssitzung am Montag, bestätigt Schirmer.

Man werde das Papier gründlich auf mögliche Konsequenzen für Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und Wertschöpfung prüfen. Schließlich geht es darum, ob und in welchem Maße der Tagebau Welzow Süd erweitert wird. Kohle, die in diesem Revier gefördert wird, versorgt das nahegelegene Kraftwerk Schwarze Pumpe mit Braunkohle.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) und wird dabei vom Sonnenuntergang farbig angestrahlt (Quelle: ZB/Patrick Pleul)
| Bild: ZB

Erst neue Arbeitsplätze, dann Schließungen

Markus Tolle ist Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Für ihn ist klar, die LEAG wird bei diesem Strukturwandel ein Hauptplayer sein. Der Konzern müsse sich neu aufstellen und in erneuerbare Energien investieren. Start-ups, so schlägt Tolle vor, müssten gefördert werden.

Jährlich soll der Bund 800 Millionen Euro in die wirtschaftliche Neuausrichtung der Lausitz stecken. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigt sich zuversichtlich, dass mit dem finanziellen Aufwand neue Jobs geschaffen werden können. Allein durch die Ansiedlung von Bundesinstitutionen sollen über 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen, davon allein über 1.000 in der Lausitz entstehen. "Erst neue Arbeitsplätze, dann erst Schließungen", nur so geht es, sagt Woidke. Und der Regierungschef kündigt an, dass die Infratsruktur ausgebaut werde. Das beträfe Strassen und Bahnverbindungen.

Es ist ein riesengroßes Aufgabenbuch, dass da durch die Bundesregierung vor allem abzuarbeiten ist, sagt Woidke. Noch in dieser Woche werde es ein weiteres Treffen mit der Bundeskanzlerin geben.

Das Informations-Kommunikations- und Medienzentrum der BTU Cottbus Senftenberg
Das IKMZ der BTU Cottbus Senftenberg | Bild: rbb/Thomas Krüger

Hoffnungsträger BTU Cottbus Senftenberg

Unter dem Dach der Brandenburgisch-Technischen-Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) sollen mehrere Forschungseinrichtungen angesiedelt werden. Uni-Präsidentin Christiane Hipp erklärt, es gebe bereits intensive Gespräche mit dem DLR und dem Fraunhofer-Institut. Es sollen Konzepte beispielsweise für neue Energiespeichertechnologien entwickelt werden. Und es gehe um das große Thema, erneuerbare Energien besser für die Region, für Deutschland zu nutzen.

Bis zu 1.500 Wissenschaftler sollen für die Zukunftsforschung in die Lausitz kommen, so die jüngste Forderung von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Insofern könnte der Kohleausstieg auch eine große Chance für die gesamte Region sein, gibt sich Uni-Präsidentin Christiane Hipp optimistisch.

Fazit: Der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist für manche noch ein Weg mit vielen Fragezeichen, andere sehen der Zeit danach mit viel Hoffnung entgegen.

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wenn nicht die LEAG und Woidke da die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben....
    2038 ist viel zu spät. Was momentan in den sozialen Netzwerken bei der Jugend abgeht ist mehr als bemerkenswert.
    Weiter so, es geht um eure Zukunft!!!

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