Blick über den Gräbendorfer See am 05.09.2018. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.06.2019 | Christian Matthée | Bild: dpa/Patrick Pleul

Antenne-Stammtisch im Lausitzer Seenland - Leinen los für den Tourismus

Das Lausitzer Seenland ist das jüngste Reisegebiet Brandenburgs. Die Bekanntheit steigt, die Gäste sind zufrieden. Um wirklich durchzustarten, fehlt es aber an Fachkräften und Infrastruktur. Wie die Probleme zu lösen sind, war Thema beim Antenne-Stammtisch.

Neben dem Spreewald ist das Lausitzer Seenland das zweite große Reisegebiet im Brandenburger Süden. Die Bekanntheit der Region steigt, die Gäste sind zufrieden. Bis Europas größte künstliche Wasserlandschaft aber fertig ist, fehlt es unter anderem an Fachkräften und Infrastruktur. Beim Antenne-Stammtisch am Montag ging es um die Lösung dieser Probleme. Gesprächsgäste waren neben anderen die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland Kathrin Winkler, der Landrat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz Siegurd Heinze (parteilos) und Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach (parteilos). Die Grundstimmung war optimistisch.

Das Podium beim Antenne-Stammtisch in Großräschen (Bild: Dirk Schneider/rbb)
Bild: rbb/Dirk Schneider

Wachsende Bekanntheit und steigende Übernachtungszahlen

Die Gäste waren sich über die Einzigartigkeit des Lausitzer Seenlandes einig und hoben die Besonderheit der Entstehung einer völlig neuen Kulturlandschaft hervor. Das Seenland, ursprünglich eine Bergbauregion, soll durch Flutung der ehemaligen Tagebaue zur größten Seenkette Europas werden.

Kathrin Winkler vom Tourismusverband sagte, knapp 800.000 Übernachtungen gebe es jährlich im Lausitzer Seenland, auf bis zu 1,5 Millionen soll diese Zahl in Zukunft ansteigen. Der Bekanntheitsgrad der Region steige bereits langsam, nach aktuellen Umfragen würden 30 Prozent der Deutschen die Region kennen, so Winkler. im Marketing könne man aber noch zulegen, bilanzierte sie.

Fachkräftemangel behindert weiteres Wachstum

Das größte Hemmnis für die Entwicklung des Lausitzer Seenlandes sei hingegen der Fachkräftemangel, vor allem in der Gastronomie. Köche und Servicekräfte seien rar, sagt der Geschäftsführer des Zweckverbandes Lausitzer Seenland, Detlev Wurzler. Besonders in den Hauptreisemonaten Juli und August könnten viele Betriebe ihren Mitarbeiterbedarf kaum oder gar nicht decken.

Für Kathrin Winkler ist deshalb klar, Fachkräfte müssen auch aus dem Ausland gewonnen werden. Für Angestellte und Auszubildende müssen darüberhinaus weitere Reize geschaffen werden. Winkler sprach beispielsweise von eigens für die Mitarbeiter hergerichteten Häusern oder Wohnungen. Auch über ein spezielles Bahnticket für Azubis wurde gesprochen.

Das Publikum beim Antenne-Stammtisch in Großräschen (Bild: Dirk Schneider/rbb)
Publikum beim Antenne-Stammtisch in GroßräschenBild: rbb/Dirk Schneider

Strukturwandel in der Region weiter großes Thema

Auch der Strukturwandel nach dem geplanten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung spielte eine große Rolle beim Antenne-Stammtisch. Für Thomas Zenker, Bürgermeister von Großräschen war klar, dass das Seenland nicht zu einer reinen Urlaubsregion werden darf. Auch Industrie müsse angesiedelt werden.

Wirtschaftsminister Steinbach zeigte sich optimistisch in Bezug auf den Strukturwandel. Man gehe Schritt für Schritt weiter bei der Umsetzung der Vorschläge der sogenannten Kohlekommission in Gesetze. So solle die Bundesregierung nach seiner Kenntnis noch im August ihren Entwurf zum Strukturgesetz verabschieden. Wichtig sei es, so der Minister, bereits bestehende Angebote zu nutzen. So gebe es bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze, die aktuell noch nicht besetzt werden könnten. Dennoch musste der Minister um Geduld bitten, viele Maßnahmen würden erst in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren greifen.

Von den Strukturhilfen der Bundesregierung sollen laut Steinbach 17 Milliarden Euro in die Lausitz fließen. Zehn Milliarden seien dabei für Infrastrukturprojekte vorgesehen, sieben Milliarden sollen "intelligenten Projekten" zugute kommen. Derzeit gebe es eine Liste mit knapp 70 Projekten. Diese würden das Geld allerdings noch nicht ausschöpfen. Der Minister warb in diesem Zusammenhang dafür, weitere Vorschläge und Ideen einzureichen.

Viele Ideen für Lausitzer Seenland

Das Seenland müsse laut Kathrin Winkler deshalb bekannter werden. Sie kann sich deutschlandweite Imagekampagnen für die Region vorstellen. Außerdem müsse man über den Tellerrand hinausschauen, erklärt Maik Bethke von der Industrie- und Handelskammer Cottbus. So solle man beispielsweise über nachhaltige und moderne Gastronomie nachdenken. Thomas Zenker, Bürgermeister von Großräschen will an den IBA-Terrassen beispielsweise einen Standort für modernes Arbeiten etablieren, einen sogenannten Coworking-Space.

Darüberhinaus sollen auch insbesondere Berliner Touristen über eine direkte Bahnverbindung ins Seenland gelangen können, hofft Detlev Wurzler vom Zweckverband Lausitzer Seenland. Er mahnte außerdem an, das es eine andere Gründerkultur geben solle, auch von Seiten der Kreis-, Landes- und Bundesverwaltungen.

Ein weiteres Thema war die Verlängerung der Saison im Seenland. Derzeit würden zahlreiche Leistungsträger der Region eingebunden um gezielt für Urlaubsangebote im Winter und Herbst zu werben.

Die Grundstimmung des Abends war allerdings optimistisch. Spätestens in 20 Jahren habe man 1,5 Millionen Gäste pro Jahr, so Landrat Heinze. Minister Steinbach ergänzte, dass bis dahin auch die Ladeinfrastruktur beispielsweise für E-Bikes vorhanden sein wird. Mit der Anbindung an die großen Ballungsräume soll dann der Wandel zur Urlaubsregion vollständig vollzogen werden.

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