Eine Katze im Tierschutzligadorf bei Spremberg (Bild: Daniel Friedrich/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.07.19 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Haustiere in der Urlaubszeit - Tierschutzligadorf Neuhausen platzt aus allen Nähten

Die Urlaubszeit macht sich auch in den Tierheimen im Land bemerkbar. Immer wieder werden Tiere ausgesetzt oder müssen von Ordnungsbehörden aus verwahrlosten Wohnungen gerettet werden. In Neuhausen dürfen es zur Zeit nicht viel mehr werden. Von Daniel Friedrich

Jedes Jahr füllen sich zur Urlaubszeit die Tierheime in Brandenburg. Schon im Frühjahr geht es los, wenn Besitzer nicht mehr wissen wohin mit ihren Haustieren - oder mit dem ungewollten Nachwuchs. Im Tierschutzligadorf Neuhausen/Spree (Spree-Neiße) herrscht zur Zeit besonders großer Andrang. 20 Pfleger kümmern sich um die Tiere. Das Limit ist aber fast erreicht.

Über 300 Katzen und 100 Hunde

Es ist ruhig auf dem Hof des Tierschutzligadorfes. Die Pfleger haben die Fütterung beendet, als nächstes werden die Gehege gereinigt. Die Ruhe täuscht aber über die Probleme, die das Heim hat hinweg. In den vergangenen zwei Monaten sind vor allem viele Katzen in die Einrichtung gekommen, erzählt die Leiterin Annett Stange. "Das war enorm, da sind allein im Mai 134 Katzen über die Veterinärämter zu uns gekommen", sagt Stange. Von den Ämtern hört sie, dass es immer häufiger Anzeigen wegen schlechter Tierhaltung gebe.

Nicht nur verwahrloste Tiere kommen nach Neuhausen. Auch, wenn beispielsweise Besitzer plötzlich erkranken springt das Dorf ein. Über 300 Katzen, 100 Hunde, zahlreiche Vögel, Kaninchen, Schweine und eine Schildkröte leben derzeit im Heim. Und viel mehr geht nicht, sagt Stange.

Allein im Mai seien 40 Hunde, 140 Katzen und fast 200 Vögel abgegeben worden. "Seit Mai brennt die Luft", so die Leiterin.

Annett Stange, Leiterin des Tierschutzligadorfes bei Spremberg (Bild: Daniel Friedrich/rbb)
Die Leiterin des Tierheims, Annett Stange | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Nachfrage fängt Angebot auf

Erfreulich ist hingegen die Vermittlungsquote, zum Beispiel bei Katzenbabys, wie Annett Stange beim Blättern durch den Vermittlungskatalog feststellt. Jeder Wurf an Kätzchen, der bei ihr ankommt, bekomme einen Buchstaben nach alphabetischer Sortierung. In diesem Jahr ist das Alphabet schon einmal komplett vergeben worden. Trotzdem freut sich Stange über die gute Nachfrage.

Werden die Tiere erfolgreich vermittelt zahlen die neuen Besitzer eine geringe Vermittlungsgebühr. Die reicht allerdings nicht, um das Tierheim zu betreiben. Zu 95 Prozent finanziere sich die Einrichtung daher aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Patenschaften. Für Fundtiere gebe es darüberhinaus eine Unterstützung für 28 Tage von der Gemeinde, in der das Tier gefunden wurde.

Dennoch lebt auch das Tierschutzligadorf mehr oder weniger von der Hand in den Mund, erzählt Stange, während schon wieder das Telefon klingelt. Das Ordnungsamt Welzow hat in einer Wohnung drei verwahrloste Katzen aufgefunden - und will sie nun im Tierheim abgeben.

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