Schatten zweier Jugendlicher mit Bierflaschen am Mund (Bild: imago images/epd)
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Audio: Antenne Brandenburg | 09.09.19 | Anke Blumenthal | Bild: imago images/epd

Tag des alkoholgeschädigten Kindes - "Ich habe das Kind gesehen und hab' mich erschrocken"

FASD, das Fetale Alkohol-Syndrom, gehört zu den häufigsten angeborenen Behinderungen in Deutschland. Die Kinder sind oft verhaltensauffällig. Zum "Tag des alkoholgeschädigten Kindes" soll auch die Arbeit von Pflegeeltern gewürdigt werden. Von Anke Blumenthal

Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) gehören zu den häufigsten angeborenen Behinderungen in Deutschland. Alkoholgeschädigte Kinder zeigen häufig Verhaltensauffälligkeiten. Für Außenstehende sind sie meist einfach unerzogen: Die Kinder rasten aus, klauen oder reißen von zu Hause aus.

80 Prozent leben bei Pflegeeltern, das Leben miteinander ist oft anstrengend. Der "Tag des alkoholgeschädigten Kindes" am 9. September sollte auf FASD hinweisen - und eine Anerkennung für die Pflegeeltern sein. Zum Beispiel für Familie Koschker in Peitz.

"Wie ein kleiner Mini-Mensch mit Schlaganfall"

Heike Koschker, die insgesamt drei Pflegekinder hat, wird den Moment nicht vergessen, in dem sie die vier Wochen alte Katja im Krankenhaus zum ersten Mal sah. "Ich habe dieses Kind gesehen und habe mich erschrocken", meint sie. "Wenn man medizinisch ein bisschen versiert ist, hat man gedacht da liegt ein kleiner Mini-Mensch mit einem Schlaganfall." Der Kopf sei nach hinten gebeugt, der Mund weit offen gewesen. Katja habe keine Reaktion gezeigt.

Das ist mittlerweile elf Jahre her. Katja geht heute in die Förderschule in Cottbus und lernt gerade Lesen. Auf den ersten Blick fällt nicht auf, dass sie FASD hat. Sie zeigt auf Bilder in ihrem Kinderzimmer und erzählt von ihrer Freundin.

Die Familie funktioniert, die dörfliche Gemeinschaft ebenso. Dennoch sind es elf mühevolle Jahre gewesen, gibt Heike Koschker zu. Jeden Tag habe sie mit Katja zu tun gehabt, beispielsweise bei der Frühförderung.

Hohe Ansprüche an Pflegeeltern

Was Eltern von FASD-Kindern leisten, lasse sich gar nicht genug würdigen, meint Christina Kölzsch vom Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) Cottbus. "Sie sollen medizinisches Wissen haben, heilpädagogisches Wissen, dann sollen sie noch wenn es geht Ergotherapeut sein, Physiotherapeut, dann sind sie noch Taxifahrer, also da wird immens viel gefordert." Daher müssten die professionellen Kräfte auch darauf achten, dass es den Eltern gut gehe, dass es auch Auszeiten gebe.

Auch Katja ist am Cottbuser SPZ in Betreuung. Als erstes im Land hat es sich 2010 auf FASD spezialisiert. Aus Sicht von Christina Kölzsch hat sie sich gut entwickelt, insbesondere durch die Förderung der Pflegeeltern, wie sie sagt. "Sie fordern auch ein bisschen was und bieten ihr diese regelmäßigen Tagesstrukturen, die sie braucht." Dadurch habe Katja sichtbare Fortschritte gemacht.

Die Kraft sich um drei Pflegekinder zu kümmern, eines davon mit FASD, schöpft Heike Koschker daraus, dass ihre Kinder gklücklich sind und das auch zeigen. "Kati kommt nach Hause und strahlt. Die strahlt immer", so die Pflegemutter.

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