Die ehemalige Interflug-Mitarbeiterin Margot Lux (Bild: Daniel Friedrich/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.10.19 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Geschichte einer ehemaligen Interflug-Mitarbeiterin - "Wir waren privilegiert, das gebe ich zu"

1979 fängt die Technikerin Margot Lux bei der ehemaligen DDR-Fluggesellschaft Interflug an - für sie ein Traumjob. Mit dem Mauerfall vor 30 Jahren kommt das Ende der Interflug und damit die Arbeitslosigkeit. Heute sieht sich Lux als Wendeverliererin. Von Daniel Friedrich

Knapp ein Jahrzehnt hat Margot Lux aus Lübbenau für die DDR-Fluggesellschaft Interflug gearbeitet. Eine Tätigkeit, deren Ende mit dem Mauerfall vor 30 Jahren eingeläutet wurde. Lux verliert durch die Wende ihren Traumjob und wird arbeitslos. Ihren Job als Technikerin kann sie nicht mehr ausüben. Heute sieht sich die 73-Jährige als Wendeverliererin.

Vorteile durch den Traumjob

Wenn Margot Lux von ihrer Arbeit bei der Interflug erzählt, strahlen ihre Augen. Direkt nach ihrem Studium hat die Lübbenauerin bei der Fluggesellschaft als Flugtechnikerin angefangen. Das war 1979. Sie kontrollierte die Geräte an Bord und war für die Wartung zuständig.

"Das war natürlich mein Leben, das war das Schönste", sagt die 73-Jährige heute. "Wir waren auch ein bisschen privilegiert, gebe ich ja zu", ergänzt sie. Lux sei viel gereist,ihre Kinder hätten Budapest besser gekannt als Berlin.

Die ehemalige Interflug-Mitarbeiterin Margot Lux Mitte der 80-er Jahre (Bild: Daniel Friedrich/rbb)
Die ehemalige Interflug-Mitarbeiterin Margot Lux Mitte der 80-er Jahre | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Noch kurz vor dem Mauerfall habe die Interflug drei neue Airbus-Maschinen aus Frankreich bekommen. Die bevorstehenden Veränderungen warfen damit bereits ihre Schatten voraus, sagt Margot Lux rückblickend. Bei einer Betriebsreise für langjährige Mitarbeiter nach Kuba kurz nach dem Mauerfall ist vielen Mitarbeitern bereits klar, das ist der letzte Flug.

"Auf dem Rückflug nach Berlin lagen wir uns alle in den Armen und haben geweint. Es war klar, dass das dann zu Ende ist", so Lux heute.

Protest gegen die Treuhand

Kampflos aufgeben wollten sie und ihre Kollegen aber nicht. Sie übergaben dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eine Petition und demonstrierten vor der Treuhandgesellschaft in Berlin. "Ich hatte ein großes Schild gemalt, 'Treuhand = Mafia'. War natürlich gleich in allen Medien, aber es hat nichts gebracht", erzählt Margot Lux.

Mit 45 Jahren wird die Technikerin arbeitslos, so wie viele ihrer rund 8.000 Kollegen. Die Interflug war Geschichte, die konkurrierende Lufthansa hatte einen Wettbewerber weniger, so die Kritik. Durch eine ABM-Stelle kommt Lux später zurück an den Flughafen und arbeitet am Check-In-Schalter. Für die studierte Flugzeugtechnikerin war das eine Demütigung.

"Für mich war das ein Zusammenbruch und ich muss heute sagen, ich war ein Verlierer der Wende", meint Margot Lux.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Teil zwei der Antwort:
    Meine Mutter ist ungefähr im gleichen Alter wie die Dame im Artikel, aber sie würde den Teufel tun, ihre Biografie nur auf die Zeit vor der Wende reduzieren lassen! Sie hat ihr Leben weiterhin in die Hand genommen, Tatsachen geschaffen, selbstständig gearbeitet und sich nicht klein kriegen lassen. Ehrliche Arbeit wäre nie eine Demütigung für sie.

  2. 6.

    Da verdrehen Sie aber scheinbar einiges! Sollten die Leute, die vorher das System mitgetragen und ihre Privilegien auch auf Kosten vieler anderer genossen haben, etwa auch weiterhin belohnt werden? Man hat es bestimmt nicht nur mit Anständigkeit und guten Leistungen zum Major der NVA „gebracht“. Wie viele hart arbeitende Menschen sind arbeitslos und nicht in den sicheren Hafen von Besoldungsordnungen oder -gesetze geschwemmt worden.
    Übrigens waren technische Berufe bei Frauen in der DDR gar nicht so selten, wie Sie es hier kund tun. Sicher war es für Frauen nach der Wende schwieriger, in den Berufen wieder Fuß zu fassen, das gilt aber für alle Frauen. Ich denke, die wenigsten von ihnen hatten in diesen Zeiten Urlaub in Kuba, sondern haben zugesehen, wie sie ihr Leben regeln, zumal viele Regeln ständig neu geregelt wurden.

  3. 5.

    Es geht darum, wie hier nach der Wende mit ehemaligen DDR-Bürgern umgegangen wurde und noch heute wird.

    Wir mussten damals nach der Wiedervereinigung unsere Studienabschlüsse anerkennen lassen, was per se schon eine Sauerei war. Hier wurden undxwerden heute noch die Biografien der ehemaligen DDR-Bürger mit Füßen getreten.

    Mein Schwager, der es bei der NVA bis zum Major gebracht hatte, wurde vom Bund dann einfach wieder zum Hauptmann degradiert, obwohl er, genauso wie die Bundeswehrsoldaten, einiges dafür geleistet hat.

    Das Studium, das diese Frau absolviert hat, ist für eine Frau noch heute sehr selten und zudem sehr anspruchsvoll. Sie wollte ihren Beruf gern weitermachen, weil sie an ihrer Arbeit Spaß hatte. Was ist daran falsch?

    Aber hier wird nur rumgehackt, wird einem nichts gegönnt. Aus euch spricht nur der pure Neid, sonst nichts.

  4. 4.

    Warum wird so auf dieser Frau rumgehackt? O

    Es geht hier nicht um Privilegien, sondern darum, dass diese Frau ein Studium gemacht hat, das zum einen auch noch heute für eine Frau äußerst selten und zum anderen sehr anspruchsvoll ist.

    Ich kann mich daran erinnern, dass wir aus der ehemaligen DDR unsere Studiensbschlüsse nach der Wiedervereinigung anerkennen lassen mussten, was per se schon eine Sauerei war. Und eine Anerkennung bei technischen Berufen nicht so selbstverständlich.

    Diese Frau hatte eben Spaß an ihrem Beruf und wollte da gern weitermachen. Aber das versteht hier offenbar keiner.

    Es geht einfach nur darum, wie nach der Wende mit den ehemaligen DDR-Bürgern umgegsngen wurde und teilweise noch heute umgegangen wird, dass deren Biografie nichts zählt.

  5. 3.

    Guten Morgen @Chucky B.
    Es war damals eine zwischenzeitliche Lösung, die Toleranz von allen erforderte und war nicht immer leicht. Will damit sagen, dass für einen Neuanfang jammern nicht hilfreich ist. Wer es nicht versuchte, hatte auch keine Chance. Und Danke für Ihren Beitrag.

  6. 2.

    Einen Vollzeitjob und einen Nebenjob...
    Ihre Kinder erkennen sie noch...
    Glück gehabt...
    Meine ungarischen Bekannten haben in der Konstellation nur schlechte Erfahrungen gemacht

  7. 1.

    Tut mir leid - wenn ich das lese, kommt mir die Suppe hoch. Wie viele Ihrer damaligen Mitbürger haben ein ähnliches Schicksal erleiden müssen. Und diese waren halt nicht so "privilegiert" ins Ausland mit samt der Kinder reisen zu dürfen. Und ehrlich. In meiner Familie gab es zupackende Menschen, die zwar erstmal um ihren Job geheult haben, aber dann nach vorn geschaut und neu angefangen haben. Ohne zu jammern, mit viel Elan! Heute genießen sie ihren Ruhestand und sind froh darüber, ohne Ängste in großer Freiheit zu leben und die Welt zu bereisen.
    Wer konnte das zu DDR Zeiten eigentlich ohne das Parteibuch im Nachtschränkchen zu haben...?
    Mal Butter bei den Fischen: ohne Parteibuch in der Familie Flugzeugtechnik zu studieren - hätte mit neuem Elan und Wissensdurst und mit der größten Wahrscheinlichkeit auch noch einmal neu durchstarten dürfen. Schon damals suchte man gutes Personal in den Firmen der alten Bundesländern!
    Nun, jeder Mensch ist anders gestrickt. Aber: eine "Demütigung am Schalter arbeiten zu müssen" - das wäre mir jetzt beim besten Willen nicht eingefallen...
    Für meine Kinder hätte ich auch vorübergehend als Klopersonal gearbeitet. Musste ich gottseidank nicht. Hatte das Glück einer 2. Ausbildung beim Schopf gepackt, mit 40(!) und als Nebenjob im Supermarkt Geld dazuverdient. Nichts jammern, null Demütigung. Einfach nur das pure Leben...und das war u.a. auch schön...

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