Pflegerin hält Hand eines sterbenden Mannes (Bild: imago/Oberhäuser)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.04.2020 | Iris Wußmann | Bild: imago/Oberhäuser

Seelsorger über die Corona-Zeit - "Da sein und Menschen Zeit schenken"

"Da sein und Menschen Zeit schenken", so begreift der Cottbser Kinikseelsorger Bernd Puhlmann jetzt in schwierigen Zeiten seine Aufgabe. "Am Ende eines Gespräches herzhaft zusammen lachen" empfindet Pfarrerin Osten-Sacken als Geschenk. Von Iris Wußmann  

Pfarrer Bernd Puhlmann ist Seelsorger im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum. Er kennt die Sorgen, die Nöte derer, die mit ihm sprechen wollen. Und er weiß, diese Zeit verlangt vielen vieles ab. Klar sei es blöd mit Mundschutz am Krankenbett zu sitzen, aber besser so, als gar nicht da zu sein.

Puhlmann will Mut machen. "Was hindert sie als Patient daran, eine Weile vor der Tür, vor der Klinik zu stehen und in sicherem Abstand ihre Familie zu sehen." Es gehe nicht darum Menschen zu isolieren, sondern eine Krankheit zu bekämpfen.

Es geht um Sorgen, etwa wegen einer verschobenen Operation oder die Angst vor einer Krebsdiagnose. Trotz Corona, das Virus würde Puhlman nicht davon abhalten, Sterbende zu begleiten. "Natürlich mit aller gebotenen Vorsicht", sagt Puhlmann.

Klinikseelsorger Bernd Puhlmann vor der Cottbuser Lutherkirche
Klinikseelsorger Bern Puhlmann | Bild: rbb/Iris Wußmann

Angst, allein und unbemerkt zu sterben

Auch für Pfarrerin Vera von der Osten-Sacken von der Evangelischen Luthergemeinde Cottbus ist die Gefahr mit der jetzt beschlossenen Lockerung keinesfalls gebannt. Zumal sie in der eigenen Familie besonders gefährdete Menschen hat. Deshalb hält sie den Kontakt zu ihren älteren Gemeindemitgliedern, von denen viele über 80 sind, per Telefon.

"Da fehlt Nähe, da fehlt auch Geborgenheit und das nährt Angst" beschreibt sie ihre Empfindungen. Wer in einem Heim wohnt, könne ja noch gegen die Wand klopfen, der Nachbar wird es hören. Aber jene, die allein wohnen ist die Angst groß, unbemerkt zu sterben.  

Pfarrerin Vera von der Osten-Sacken
Pfarrerin Vera von der Osten-Sacken | Bild: privat

Eine Angst, die immer da ist, die jetzt durch Corona sichtbarer wird, resümiert die Pfarrerin. Aber sie erlebe auch viel Einsicht und mache die Erfahrung, dass es mitunter jene sind, um deren Seelen sie sich sorgt, die Mut machen. "Das kennen wir schon, das stehen wir durch" gibt die Seelsorgerin wieder, was die alten Leutchen ihr sagen.

Zuhören, gemeinsam der Sitution vielleicht sogar etwas Positives abgewinnen, das sehen die beide Seelsorger als ihre Aufgabe. Es müssen keine großartigen Botschaften sein, die mitgegeben werden. "Das wir am Ende eines Gesprächs herzhaft zusammen lachen, das ist das, was ich am liebsten mitgebe" sagt Vera von der Osten-Sacken.

Und Klinikseelsorger Bernd Puhlmann fasst seine Arbeit kurz und schon fast ein wenig philosophisch zusammen: "Was kann man machen: da sein und Menschen Zeit schenken."

 

 

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