Schnittmodell eines Wankelmotors
Audio: Antenne Brandenburg | 10.07.2020 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Josefine Jahn

Alter Motor mit neuer Antriebsidee - Testphase für Wankel-Motor mit Wasserstoff läuft in Cottbus

Bei Wankel Super Tec in Cottbus wird schon länger mit dem Wankelmotor experimentiert. Der Motor, der in den 50er Jahren bereits entwickelt wurde, soll künftig umweltfreundlich mit Wasserstoff funktionieren. Von Josefine Jahn

Gegründet hat die Firma Wankel Super Tec vor 20 Jahren der frühere Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität, Ernst Sigmund. Er wollte dem legendären Wankel-Motor neues Leben einhauchen und ihn so weiterentwickeln, dass er mit unterschiedlichen Kraftstoffen betrieben werden kann.

Warum nicht auch mit Wasserstoff? Mit dieser Idee kam der Jurist Holger Hanisch nach Cottbus. 2018 wird er Geschäftsführer der Wankel Super Tec GmbH. Er sucht und findet Kunden für den noch mit Diesel betriebenen Wankel-Motor. Das so verdiente Geld steckt Hanisch in die Idee des Wasserstoffs als nachhaltigen Treibstoff der Zukunft. Seit September wird das Modell getestet.

Leistung des Wankelmotors erhöhen

Für das Testmodell sind Winkel für Zündkerzen verändert worden, die Injektion für Diesel ist auf Wasserstoff umgestellt worden. Kleine Veränderungen, sagt Hanisch.

Zum zehnköpfigen Team gehört Rudolf Klotz. Der Entwickler arbeitet seit den 80-er Jahren für Wankel. Jetzt optimiert er den neuen Motor.

Das Problem, Wasserstoff entzündet sich sehr schnell, zu schnell, das verträgt kein Motor, erklärt Klotz.

Es gehe darum, den Motor so zu optimieren, dass möglichst viel Leistung aus ihm geholt werden kann und sich damit der Wirkungsgrad erhöht.

Dr. Rudolf Klotz im Testlabor an der BTU CottbusDr. Rudolf Klotz

Wankelmotor soll Dörfer im Amazonas versorgen

Die Nachfrage nach der Innovation aus Cottbus sei groß, fast täglich kämen Anfragen aus dem gesamten Ausland nach dem aktuellen Entwicklungsstand des Wankel-Wasserstoff-Motors, freut sich Hanisch über das starke Interesse.

Ein erster Vertrag ist unterschriftsreif. Geplant ist die Lieferung in den Amazonas. Dort sollen Dörfer umweltfreundlich und ohne Einsatz fossiler Brennstoffe mit Strom versorgt werden.

Dr. Holger Hanisch im BTU-Testlabor
Dr. Holger Hanisch | Bild: rbb/Josefine Jahn

Jährliche Produktion von 100 Motoren möglich

Umweltbewusst denkt auch ein anderer Kunde, der seinen PKW-Oldtimer RO 80 in Kombination Elektromotor/ Wankel-Wasserstoff-Motor austatten lassen will. Der soll dann die Batterie nachladen können. Technisch sei das gut umzusetzen, sagt Hanisch. Allerdings müsse dafür eine neue Abgasreinigungsanlage entwickelt werden, man sei mit Katalysatorenherstellern dazu im Kontakt.

Wenn alle Tests erfolgreich abgeschlossen sind, könnten jährlich bis zu 100 wasserstoffbetriebene Wankelmotoren produziert werden. So die Prognose des Geschäftsführers.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Was ist das denn für ein Irrsinn?
    Wasserstoff ist als Energieträger sehr ineffizient, die Elektrolyse hat nur ca. 60 % Effizienz, zum Lagern muss viel Energie für die Kompression aufgebracht werden (10-15% der enthaltenen Energie als Aufwand)und dann wird er in einem Verbrennungsmotor (30%) verstromt? Und dann auch noch in einem Verbrennungsmotor, der viel mehr technische Schwachstellen hat als ein Ottomotor. Unter dem Strich bleiben da vielleicht 12 % der am Anfang rein gesteckten Energie übrig
    Der Energieträger ohne Zukunft kombiniert mit dem Verbrennungsmotor ohne Vergangenheit, das optimale Loser-Gespann.

  2. 3.

    War das Dichtflächen Problem nicht schon mal gelöst? Es könnte aber neu auftreten wegen H2.

  3. 2.

    Auf diese Idee ist Mazda schon 1991 gekommen, 2003 kam der Mazda RX-8 Hydrogen und wankelte mit Wasserstoff. Aber nichtsdestotrotz: Dranbleiben Jungs, Elektro ist ein Irrweg. Denn wenn wir elektrisch fahren gibt es in Südamerika neue Mondlandschaften...

  4. 1.

    Sehr interessant, dass alte Motorkonzept mit neuer Kraftstofftechnik zu erproben.
    Die Frage ist ja, den hochentzündlichen Wasserstoff in dem Kreiskolben in dem Verdichtertrakt so einzuspritzen, dass der Kolben nicht zurückschlägt.
    Zumal es ja damals auch immer wieder Probleme mit den keramischen Dichtflächen an der Laufbahn gab. Ich bin interessiert, ob und wie erfolgreich das Projekt weitergeführt werden kann und wird.

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