Dirk Paulick kontrolliert Wasserstand
Audio: Antenne Brandenburg | 26.08.2020 | Iris Wußmann | Bild: rbb/Iris Wußmann

Müschen bei Burg im Spreewald - Brandenburgs einziger Wassermühle fehlt das Wasser

Eine Wassermühle, die nicht mahlt, weil das Wichtigste fehlt: das Wasser. Genau das passiert gerade in Müschen bei Burg (Spree-Neiße) an der einzigen noch produzierenden Wassermühle Brandenburgs. Was ist da los? Von Iris Wußmann

Die Müschener Wassermühle hat ein Alleinstellungsmerkmal. Sie ist die einzige ihrer Art im Land Brandenburg. Seit 1890 schon wird sie von der Müllerfamilie Paulick betrieben. Jetzt fürchtet sie um ihre Existenz, denn der Mühle fehlt das Wasser, sie steht trocken.

Der Pegel im Greifenhainer Fließ ist rapide gesunken. Normal sei ein Durchfluss von 600 Litern je Sekunde, jetzt seien es nur magere 30 Liter, berichtet Dirk Paulick. Dieser geringe Durchfluß reiche nicht, um die Turbine anzutreiben. Seitdem es die Mühle hier gebe, habe es mit dem Wasser keine Probleme gegeben.

Wasserantrieb ist abgestellt in der Mühle
Wasserantrieb ist abgestellt | Bild: rbb/Iris Wußmann

Mühlenbetreiber erhebt schwere Vorwürfe

Es sind schwere Vorwürfe, die Dirk Paulick und Sohn Stephan, inzwischen auch Müller, erheben. Nach ihrer Meinung hat der Landkreis Spree-Neiße als, wie sie sagen, verlängerter Arm des Brandenburger Umweltministeriums der Mühle das Wasser abgedreht. Schuld sei nicht die Dürre, sondern ein falsches Wassermanagment, auch zugunsten der Flutung des Cottbuser Ostsees.

Der Landkreis Spree-Neiße weist diese Vorwürfe zurück. Die Reserven in den sächsischen und brandenburgischen Speichern seien fast völlig aufgebraucht und es fehlten Niederschläge. An erster Stelle stehe die Trinkwasserversorgung, deswegen könne kein Wasser abgezweigt werden. Auch nicht für die Flutung des Ostsees.

Vater Dirk Paulick und Sohn Stephan
Dirk Paulick und Sohn Stephan | Bild: rbb/Iris Wußmann

Strom statt Wasser für den Mühlenbetrieb

Statt mit Wasser treiben Elektromotoren die Mühle an. Man brauche sehr viele Tausend Kilowattstunden zusätzlich um den Verträgen mit seinen Mühlenkunden gerecht zu werden, erklärt Paulick die Situation. Da sei total unrentabel, das Land Brandenburg zerstöre ihre Existenz.

Die Fronten scheinen verhärtet. Auf der einen Seite Familie Paulick mit ihrer einzigartigen Mühle, deren Produkte begehrt sind und der Absicht, der nächsten Generation den Mühlenbetrieb zu übrgeben.

Auf der anderen Seite Landkreis und Landesumweltamt, die auf den Wassermangel und Prioritäten bei der Verteilung verweisen und jegliche Willkür ausschließen. Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

3 Kommentare

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  1. 3.

    Gäbe es regionale Wurzeln bei den beteiligten Redakteuren, so hätte dieser Beitrag eine gute Gelegenheit geboten, [die Causa Müller Arnold](https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCller-Arnold-Fall) zuschauertauglich aufzubereiten. Ein in der Justizgeschichte nicht ganz unbedeutendes Vorkommnis (Friedrich II. wollte der Gerechtigkeit dienen, indem er geltendes Recht brach). Die Ähnlichkeiten sind recht einladend: a) Wassermühle, b) niedriger Wasserstand, c) drohender Ruin des Müllers, d) „oberer Stand“ hat Doppelrolle inne (hier verursachendes Umweltamt und wassermühlenstatusentziehendes Kultusministerium?). Auch ohne hier Parallelen zu ziehen, würde dem RBB insgesamt etwas mehr Lokalkolorit gut stehen. Und damit meine ich nicht Bilder von verlorenen Reportern auf den Straßen entleerter Dörfer, die, wenn sie denn doch jemanden antreffen, irgendwas von früher wissen wollen und immer die DDR meinen. Dabei hat die Geschichte eines Ortes vor der DDR sehr häufig viel mehr zu bieten.

  2. 2.

    Wenn das Wasser auch künftig knapp ist, wie wärs mit einer alternativen Stromquelle? Wind- oder Solarenergie und einer Spendenkampagne dafür? Zur Rettung der Mühle würde der ein oder andere vielleicht sogar spenden.

  3. 1.

    Die zweite produzierende Wassermühle Brandenburgs steht in Gottsdorf bei Luckenwalde und wird vom Pfefferfließ angetrieben. Bitte zukünftig genauer recherchieren.

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