Fußgängerzone der Spremberger Straße in Cottbus (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Coronamaßnahmen im November - Das sagt die Lausitz zum Lockdown

Ab Montag befindet sich ganz Deutschland im zweiten Lockdown in diesem Jahr. Die Maßnahmen sind streng und erzeugen in der Lausitz sowohl Kritik als auch Zustimmung in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Ein Überblick von Florian Ludwig.

Deutschland und damit auch Brandenburg und die Lausitz befinden sich seit Montag im bereits zweiten Lockdown in diesem Jahr. Gastronomiebetriebe, Sport- und Freizeiteinrichtungen müssen schließen, touristisches Reisen ist verboten. Die harten Maßnahmen sorgen für Zustimmung und Ablehnung bei Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Politik

Zustimmung für die neuen Einschränkungen kommt aus dem Brandenburger Landtag, genauer von den Regierungsfraktionen. Gegenüber rbb24 verteidigte die Lausitzer Abgeordnete Ricarda Budke (Bündnis90/Grüne) die Maßnahmen. "Wir erleben das auch in Cottbus, in der Lausitz, dass wir ein sehr starkes Infektionsgeschehen haben", so Budke. Die bundesweiten Infektionszahlen würden die Maßnahmen rechtfertigen. "Ich weiß auch, dass das für viel Menschen sehr harte Einschnitte sind", erklärt Budke. Angesichts der stärkeren Nutzung von Intensivbetten und des Anstiegs schwerer Verläufe reagiere die Landesregierung gut, sagt sie. Andernfalls sei es nicht mehr möglich Infektionen nachzuvollziehen.

Verständnis für die Kritiker der neuen Verordnung hat der Lausitzer SPD-Abgeordnete Wolfgang Roick. Die Zahlen zeigen, dass die Maßnahmen notwendig seien, so Roick. Man sei aber der Regierung "nicht mit wehenden Fahnen" gefolgt, sondern habe die Regelungen zur Kenntnis genommen. Notwendig sei Transparenz bei den Entscheidungen und dass die Hilfen für die Wirtschaft rechtzeitig ausgezahlt werden.

Kritik, sowohl an den Maßnahmen, als auch am Vorgehen der Landesregierung kommt aus der Opposition. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kathrin Dannenberg aus Calau (Oberspreewald-Lausitz), erklärte sich zwar damit zufrieden, dass Schulen und Kindergärten geöffnet bleiben, sie sieht die Einrichtungen allerdings nicht gut vorbereitet. Lehrer und Erzieher, die selbst Teil der Risikogruppe sind, müssten besser geschützt werden, so Dannenberg. Dass der Landtag nicht an der Entscheidung beteiligt war, sondern nur informiert wurde, müsse sich dringend ändern, erklärt sie.

Ähnlich sieht es der Peitzer (Spree-Neiße) AfD-Abgeordnete Steffen Kubitzki. Die Maßnahmen gegen das Coronavirus lehnt er, wie der Rest seiner Partei, vollständig ab. Die geringe Auslastung der Intensivbetten würde zeigen, dass keine Einschränkungen nötig seien. In Südbrandenburg liegen aktuell 15 Patienten mit einer Covid-Erkrankung auf der Intensivstation. Acht werden beatmet. Ähnlich wie Danneberg kritisiert Kubitzki aber die mangelnde Beteiligung des Parlaments.

Wissenschaft

Zustimmung zu den Maßnahmen kommt beispielsweise vom Virologen Frank Hufert von der Brandeburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Er könnte sich sogar härtere Einschnitte vorstellen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Durch die exponentiell ansteigenden Fallzahlen würden die Gesundheitsämter es nicht mehr schaffen, die Infektionsketten nachzuvollziehen. "Wenn die Leute nicht mitmachen und sich an die Standardregeln bitte akribisch halten, dann wird es schwer werden", so Hufert.

Aus seiner Sicht sei es dringend erforderlich, dass die Kinder bundesweit in den Schulen Masken tragen, auch im Unterricht. Die Masken würden einen hervorragenden, wenn auch keinen hundertprozentigen Schutz bieten, so der Virologe.

Wirtschaft

Die Wirtschaftskammern in Südbrandenburg sehen den Teillockdown hingegen kritisch. Es werden dramatische Folgen für Gastronomie, Tourismus und Freizeiteinrichtungen befürchtet. Wenn jetzt durch die Maßnahmen die Gesundheit der Bevölkerung geschützt werde, müssten auch die Betriebe geschützt werden, sagt der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Markus Tolle. Gerade in der Krise sei es wichtig, dass insbesondere Freizeit- und Kultureinrichtungen geöffnet bleiben", erklärt er. Er spricht von "bitteren Entscheidungen" die getroffen worden seien. Es habe in diesen Bereichen funktionierende Hygienekonzepte gegeben, so Tolle. Die Verluste des Frühjahrs seien noch nicht wieder ausgeglichen.

Die Handwerkskammer fordert derweil eine unbürokratische Auszahlung der Bundeshilfen. Dass ein Unterschied zwischen Friseur- und anderen Kosmetikbetrieben gemacht werde, sei nicht nachvollziehbar, so Knut Deutscher, Geschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. Die Kosmetiker würden die Hygienevoraussetzungen erfüllen, so Deutscher. Es gebe keinen Grund, diese Betriebe von einer weiteren wirtschaftlichen Tätigkeit auszuschließen. "Unsere Betriebe wollen keine Überbrückungshilfe bürokratisch beantragen, sie wollen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen", erklärt Deutscher weiter.

Die Bundesagentur für Arbeit in Cottbus erwartet unterdessen einen deutlichen Anstieg bei der Kurzarbeit im November. Zuletzt waren die Zahlen stark zurückgegangen. Im Oktober hatten die Betriebe rund 1.000 Mal Kurzarbeit beantragt. Noch im April waren es über 40.000 Mal.

Tourismus

Stark von den neuen Einschränkungen im November betroffen ist die Tourismusbranche in Südbrandenburg, insbesondere die großen Urlaubsregionen Spreewald und Lausitzer Seenland. Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Lausitzer Seenland, rechnet mit zahlreichen Insolvenzen bei Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben - trotz staatlicher Hilfen. Sie rechnet auch nicht damit, dass die Gastronomen beispielsweise durch Weihnachtsfeiern im Dezember ihre Verluste noch ausgleichen können.

Auch beim Tourismusverband Spreewald geht man davon aus, dass "es viele hart treffen" werde, wie Sprecher Dennis Kettlitz sagt. Wichtig sei es, dass die versprochenen Budneshilfen schnell und unbürokratisch kommen. Auch im Spreewald rechnet man nicht damit, dass die Verluste im Dezember ausgeglichen werden können. "Man kann nur hoffen, dass es wirklich befristet ist", so Kettlitz mit Blick auf die Dauer des Teillockdowns.

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