Symbolbild - Mitarbeiter der Pflege in Schutzkleidung behandeln einen Corona-Patienten auf der Invensivstation. (Bild: dpa/Fabian Strauch)
Bild: dpa/Fabian Strauch

Pfleger in Spremberger Krankenhaus - "Ich sehe Kollegen, die an ihre Grenzen gestoßen sind"

Nur vier Corona-Patienten liegen aktuell im Spremberger Krankenhaus. Doch auch, wenn von Überlastung keine Rede sein kann ist die Anspannung in der Belegschaft groß. Wegen Schulschließungen werden die Pflegekräfte zudem immer weniger.

Vier Patienten befinden sich derzeit mit Covid-19 auf der Infektionsstation im Spremberger Krankenhaus. Insgesamt 15 Patienten mussten seit Beginn der Pandemie behandelt werden. In der ersten Infektionswelle ist der Spree-Neiße-Kreis größtenteils verschont geblieben, sagt die Geschäftsführerin des Hauses, Kathrin Möbius. In den Gängen ist es ruhig, Besucher sind ohnehin nicht erlaubt.

Trotz der vermeintlichen Ruhe im Spremberger Krankenhaus wirkt Pfleger Matthias Warmo müde. "Ich sehe momentan Kolleginnen und Kollegen, die viele Jahre im Beruf sind, die sehr angespannt sind, physisch und psychisch an ihre Grenzen gestoßen sind. Das beschäftigt mich natürlich", erzählt Warmo.

Hohe Belastung trotz weniger Patienten

Auch, wenn bei vier Patienten noch nicht von Überlastung gesprochen werden kann - zum Vergleich, im Thiem-Klinikum Cottbus liegen aktuell 42 Covid-Patienten - ist die Anspannung im Krankenhaus Spremberg spürbar, so Warmo. "Das ist eben die Wahrnehmung nach außen, aber was dahinter steckt, die Infrastruktur, das sehen die wenigsten", sagt er.

So gebe es beispielsweise zwei Isolationsstationen. Die Mitarbeiter dort seien besonders belastet durch das häufige An- und Aussziehen der Schutzkleidung.

Viele pflegeintensive Patienten, unabhängig von Corona, würden das Personal zusätzlich fordern, insbesondere körperlich. Gleichzeitig geht die Zahl der Pfleger immer mehr zurück, weil viele entweder selbst in Quarantäne sind oder aufgrund von Schulschließungen auf ihre Kinder aufpassen müssen. Von insgesamt 130 Pflegekräften würden derzeit 30 fehlen, sagt Warmo. "Wir sind ein kleines Haus, ein Haus der Grundversorgung. Das macht sich schon bemerkbar", sagt er.

Für die nächsten Wochen rechnet Warmo mit einer weiter steigenden Belastung für alle Mitarbeiter. Von der Politik wünscht er sich derweil nur eines: mehr Wertschätzung für den Pflegeberuf.

Was Sie jetzt wissen müssen

Sendung: Antenne BRandenburg, 10.11.2020, 15:10 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren