Interview | Schulamtsleiter - Über 90 Prozent der Schulen wollen Geld aus Digitalpakt

Uwe Mader an seinem Schreibtisch (Quelle: rbb/Schomber)
Bild: rbb/Schomber

Nächste Woche gibt's Zeugnisse. Ende eines Schuljahrs mit Distanz- und Wechselunterricht. Eine echte Herausforderung für alle. Der Leiter des Schulamtes von Cottbus hält trotzdem vieles für geglückt. Wenn da die Digitalisierung nicht wäre.

rbb|24: Herr Mader, zunächst zu den Abiturienten. Gibt es dort deutliche Defizite?

Uwe Mader: Zu den Ergebnissen des Abiturs gibt es noch keine belastbaren Aussagen. Von einzelnen Schulen gibt es nur Rückmeldungen, dass es keine Abweichungen oder aber Verschlechterungen gegeben habe. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass weniger Schüler zum Abitur angetreten sind.

Die 11. Klassen sind durch die Lockdowns mit ihrem Distanzunterricht besonders betroffen. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Gymnasien und Oberstufenzentren, was die Auswirkungen auf die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler betrifft?

Es konnten nicht alle Themen vollständig und intensiv bearbeitet werden. Derzeit erfassen Lehrkräfte, was nicht geschafft worden ist. Zum Beginn des Schuljahres gibt es dann die Lernstandserhebungen bei den Schülerinnen und Schülern. Es wird an den zentralen Prüfungen und den damit verbundenen Standards festgehalten, um allen einen Schulabschluss zu sichern, der bundesweit anerkannt ist.

Schulamt Cottbus

Das Staatliche Schulamt Cottbus ist zuständig für die Schulen in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße und der Stadt Cottbus. Dazu gehören 182 öffentliche Schulen und 30 Schulen in freier Trägerschaft.

Zur Situation der Lehrerinnen und Lehrer: Wie sind die Schulen durch die Schulaufsicht durch dieses besondere Schuljahr begleitet worden? Inwieweit gab es regelmäßige Online-Konferenzen mit den Schulleiterinnen und Schulleitern oder Erfahrungsaustausche untereinander?

Wir hatten sehr intensiven Kontakt mit dem Bildungsministerium, wöchentliche Video- oder Telefonkonferenzen, um nicht nur die Schulleiter mit aktuellen Informationen zu versorgen, sondern auch in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Als Staatliches Schulamt hatten wir engen Kontakt zu den Schulen, haben in Konferenzen die Informationen weitergegeben. Wechsel- und Distanzunterricht haben natürlich aufgezeigt, wie unterschiedlich die Lehrkräfte mit den Anforderungen umgehen. Es wurden auf dem brandenburgischen Bildungsserver Online-Materialien zur Verfügung gestellt, beginnend ab Mai 2020, die konnten von den Schulen aufbereitet werden.

Wie sind die Voraussetzungen bei der Digitalisierung?

Sehr unterschiedlich. Einige Schulen sind digital sehr gut aufgestellt, andere weniger. Sie haben daher Probleme, den Distanzunterricht durchzuführen. Aber man muss sagen, dass sich die Schulen sehr bemüht haben, auch wenn das teilweise kritisch bewertet wird. Über 90 Prozent der Schulen haben Anträge für Mittel aus dem Digitalpakt gestellt. Das hat mich sehr gefreut. Wollen wir hoffen, dass die Zuwendungsbescheide schnell kommen.

Wechsel- und Distanzunterricht haben gleichzeitig offengelegt, wie unterschiedlich Lehrkräfte mit Anforderungen umgehen. Wird es mit den Schulen dahingehend Evaluationen geben, gibt es überhaupt Kontrollmechanismen, um qualitativ wertigen Unterricht in Zukunft abzusichern? Also wurde und wird überprüft, ob die Lehrkräfte ihren Job ordentlich gemacht haben ?

Die Arbeit der Lehrer kann und muss der Schulleiter einschätzen. Das Bildungsministerium wird ein Monitoringsystem für den Qualität des Unterrichts durchführen. In Vorbereitung auf eine mögliche vierte Pandemiewelle werden auch die Eckpunkte für den Distanzunterricht überarbeitet, um den Schulen eine konkrete Grundlage zu geben. Damit sollen alle Schülerinnen und Schüler verlässliche Rahmenbedingungen bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jasmin Schomber

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.06.2021, 16.10 Uhr

 

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Die erste Frage "gibt es bei den Abiturienten Defizite" ist wie gemeint? Trotz Corona gab es ja keinen Ausfall und Präsenzunterricht. Oder geht es um das Niveau der 12. Klassen generell? Da ringt Brb. mit Bln. um die letzten Plätze, was nicht mit Corona zu tun hat, sondern an der Bildungspolitik, wo bestimmte politischen Farben immer die Letzten sind.
    Und jetzt die Offenbarung: "Es wurden auf dem brandenburgischen Bildungsserver Online-Materialien zur Verfügung gestellt, beginnend ab Mai 2020, die konnten von den Schulen aufbereitet (???) werden" - das sagt alles aus und es lohnt sich für Journalisten das genauer zu recherchieren, wer was und wie gemacht hat. So klinkt es wie eine dreiste Frechheit...für die, die z.B. Fremdsprachen unterrichten. Nicht umsonst beschweren sich Eltern über gar keine Onlinematerialien...Und eine ganz einfache Frage fehlt: Was hat die BV für ein digitales Schulkonzept? Man kann ganz frech antworten: gar Keines.

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