Prozess um tödliche Schüsse in Cottbus - Schwester und Bekannte des Opfers sagen aus

Kerzen und Blumen (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.06.2021 | Josefine Jahn | Bild: rbb

Im Prozess um die Tötung eines 31-jährigen Cottbusers haben am Montag am Landgericht Cottbus Angehörige und Bekannte des Opfers ausgesagt. Darunter war auch die Schwester des Mannes. Sie beschreibt ihren Bruder als "sehr liebevoll innerhalb der Familie" aber auch als jemanden, der "schnell wütend" wurde.

Vor Gericht stehen zwei Männer. Sie sollen in Cottbus im März 2020 den 31-Jährigen erschossen haben, ihnen wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Beide hatten zum Prozessauftakt die Tat gestanden. Motive für die tödlichen Schüsse sollen Angst und Streit um Geldforderungen des späteren Opfers gewesen sein. Der 31-Jährige war Teil eines Netzwerks aus Kampfsportlern, Rockern und Neonazis in und um Cottbus.

Mehrfach gewalttätig

Während der Befragung gab die Schwester als Beispiel für einen Wutausbruch ihres Bruders eine Auseinandersetzung mit dem Vater an, bei der Bruder vor Wut in die Wand geschlagen habe. Von anderen wisse sie, dass er gegen Männer und Frauen mehrfach gewalttätig wurde, dass er im Gefängnis gesessen und Kontakte zur rechten Szene hatte.

Sie selbst habe wenig Kontakt zu ihm gehabt. Seine gewalttätige Art und seine Beziehungen in rechtsradikale Kreise hätten dazu geführt, dass sie - die eher linkspolitisch orientiert sei - den Kontakt zum Bruder in den letzten Jahren immer mehr eingestellt habe.

Täter sollen auf Fliehenden geschossen haben

Als liebevoll, hilfsbereit, zuverlässig, einen guten Freund haben Freunde und Bekannte das Opfer beschrieben. Er sei vielleicht schnell aufbrausend gewesen, aber insgesamt ein anständiger Kerl, sagen sie.

Während der Zeugenaussagen haben sich die beiden Angeklagten laut einer rbb-Reporterin kaum geregt, nur mit ihren Verteidigern gesprochen. Hintergrund der Tat sollen laut Anklage empfundene Demütigung und Ärger des einen Angeklagten nach einer früheren körperlichen Auseinandersetzung mit dem Geschädigten gewesen sein - sowie die Absicht, einer weiteren Auseinandersetzung zuvorzukommen. Im Vorfeld soll das spätere Opfer einen der Angeklagten massiv unter Druck gesetzt haben, finanziell und mit körperlicher Gewalt.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, aus wenigen Metern Entfernung jeweils mehrere Schüsse auf den 31-Jährigen abgegeben zu haben. Beide Angeklagte sollen die Tat gemeinsam beschlossen haben. Sie hätten bewusst ein Überraschungsmoment ausgenutzt und mit der Absicht gehandelt, den Mann zu töten, so der Vorwurf.

Das Opfer soll, nachdem es bereits getroffen worden war, noch versucht haben, zu fliehen, wobei ihm die Angeklagten gefolgt und weitere Schüsse abgegeben haben sollen.

Am 7. Juli soll der Prozess fortgesetzt werden. Nach Informationen des Landgerichtes sind Verhandlungstage zunächst bis in den August geplant.

Nächster Artikel