Interview | Waldbrandbeauftragter - "Voraussichtlich am Donnerstag haben wir überall höchste Gefahrenstufe"

Nahe Kloster Lehnin brennt eine Fläche von zwei Hektra am 19.04.2020. (Quelle: rbb/Julian Stähle)
Bild: rbb/Julian Stähle

Der Waldboden ist ausgetrocknet und mit der Hitze steigt die Brandgefahr in Brandenburg. Spätestens am Donnerstag wird überall die höchste Warnstufe 5 gelten. Der Waldbrandbeauftragte des Landes Raimund Engel warnt eindringlich.

rbb|24: Herr Engel, die Hitze wird uns noch eine Weile begleiten, es hat in den letzten Tagen kaum geregnet und es sind auch keine nennenswerten Niederschläge in Sicht. Wie ist die Waldbrandsituation in Brandenburg?

Raimund Engel: Aktuell haben wir eine hohe Gefahr, sie ist regional noch unterschiedlich. Es hat ein paar Regentropfen auf den märkischen Sand gegeben. Das war aber nicht so viel, wie wir uns gewünscht haben. In zwei Landkreisen, in Spree-Neiße und Elbe-Elster, haben wir die Gefahrenstufe 4, also hohe Brandgefahr. In den übrigen Landkreisen gilt die Stufe 3, der Osten des Landes hat etwas mehr Wasser abbekommen, in Ostprignitz-Ruppin liegen wir aktuell bei der Stufe 2. Das wird sich aber schnell ändern. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens am Donnerstag in großen Landesteilen die höchste Gefahrenstufe 5 haben werden.

Wie gefährdet ist der Süden Brandenburgs im Vergleich zum Rest des Landes?

Gegenüber den Vorjahren sieht es etwas günstiger aus. Wir haben das kühle Frühjahr gehabt. Feucht war es nicht unbedingt. Es ist nicht so viel Niederschlag gefallen, wie man sich vielleicht vorstellt. Aber insgesamt hatten wir hier bisher weniger Waldbrände. Das wird sich in den nächsten Tagen mit Sicherheit ändern bei den hohen Temperaturen, wir erwarten ja bis zu 35 Grad.

Kühl und vergleichsweise feucht war also das Frühjahr- wie bewerten Sie die Ausgangssituation für die Waldbrand-Saison im Vergleich zum Vorjahr?

Die Böden sind weiter ausgetrocknet, das heißt natürlich, wir haben diese Brandgefahr. Es ist bedingt durch die kühlen Temperaturen nicht so oft zu Bränden gekommen. Wir hatten bisher landesweit 84 in diesem Jahr, die Fläche ist dabei klein geblieben. Ich hoffe, dass mögliche Feuer schnell entdeckt und über den Notruf 112 gemeldet werden. Außerdem sollten die Waldwege auf keinen Fall zugeparkt werden, damit im Ernstfall die Einsatzfahrzeuge durchkommen.

Wie bereitet sich das Land vor, ist schon ein Krisenstab gebildet worden?

Nein. Das ist die erste längere Hitzeperiode, die wir erwarten. Jetzt soll der Frühsommer in den Hochsommer wechseln. Die Prognosen sind relativ sicher, dass sich das schöne Wetter durchsetzt. Wir sind ohnehin immer vorbereitet, die Waldbrandfrüherkennung läuft. Für unsere Leute im Forstdienst ist das Alltagsgeschäft. Wenn etwas passieren sollte, dann laufen die Mechanismen ab. Entsteht ein Großschadenslage, bilden die Einsatzleitungen ihre Stäbe. Das wächst vom Kreis bis auf Landesebene auf. Das ist eintrainiert und läuft, ich hoffe aber nicht, dass es eintritt. Ich bin angespannt, aber nicht nervös.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Florian Ludwig.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.06.2021, 15:30 Uhr

 
 

2 Kommentare

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  1. 2.

    Das klingt so, als sollten wir alle abgestandenes Badewasser im Wald ausgießen.

  2. 1.

    Ist es nicht möglich Grauwasser in Tanks in den Wald zu leiten und diesen damit feucht zu halten? Zumindest die Ränder des Waldes, wo man dann gleichzeitig mit der Neupflanzung von Mischkultur beginnt?

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