Interview | Elbe-Elster-Landrat Christian Heinrich-Jaschinski - "Wir müssen die Risikogruppen stärker schützen"

Do 04.11.21 | 17:22 Uhr
Christian-Heinrich-Jaschinski. (Quelle: rbb/O. Soos)
Audio: Brandenburg aktuell | 4.11.2021 | Bild: rbb/O. Soos

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Elbe-Elster-Kreis steigt rasant: Sie liegt aktuell bei 375, der höchste Wert in Brandenburg. Besonders in Kitas und Schulen gibt es viele Infektionen. Im Interview spricht der Landrat von einer angespannten Situation.

rbb: Christian Heinrich-Jaschinski, wie schätzen Sie im Moment die Lage in ihrem Landkreis ein?

Christian Heinrich-Jaschinski: Mit Sorge, wir haben den dritten Tag in Folge 100 neue Fälle, wir sind über 270 in der Sieben-Tage-Inzidenz und die Lage ist sehr angespannt im Landkreis Elbe-Elster. Wir haben alle Mechanismen und Gremien wieder hochgefahren, sprich den Krisenstab eingerichtet. Wir stimmen uns ab, beobachten die Lage und werten sie aus. Höchste Priorität haben die medizinischen Einrichtungen und die Pflegeeinrichtungen. Im Moment sind mehrere Schulen betroffen, so dass zehn Klassen an unterschiedlichen Standorten in Quarantäne versetzt werden mussten.

Wo wird sich das im Alltag für die Einwohner ihres Landkreises bemerkbar machen?

Die Lage ist sehr trügerisch, die hohen Zahlen kommen aus dem Kinder- und Jugendbereich. Kinder- und Jugendliche haben fast keine Symptome, werden aber positiv getestet. Wir müssen aber sehen, dass keine Übertragung in die medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen stattfindet. Das ist jetzt Hauptaufgabe: die Risikogruppen noch stärker zu schützen.

Welche Folgen hat das?

Es wird strengere Kontrollen geben, weil es an uns selbst liegt, diese Lage zu beeinflussen. Wichtig ist es die Hygienestandards einzuhalten, die Testmöglichkeiten zu nutzen und die Zugangsregelungen in den Einrichtungen zu beachten.

Wir haben überall die 2G-Regel bei den Veranstaltungen. Sollte es eine Überbeanspruchung geben oder weitere Belastungen des Gesundheitswesens, dann werden wir auch Veranstaltungen absagen.

Wie schauen Sie Richtung Weihnachten?

Mit großer Sorge. Weil wir dieses Aufwachsen der Lage im Dezember 2020 zu Weihnachten und zum Jahreswechsel erlebt haben. Deshalb müssen wir uns weitere Handlungsoptionen überlegen.

In ihrer Region waren die Zahlen immer recht hoch, können Sie sich das erklären?

Ich kann mir das nur mit dem erhöhten Testen mit dem Schulbeginn nach den Herbstferien erklären. Die diffuse Entwicklung der Lage zieht sich über den gesamten Landkreis und das ist die Sorge, die ich habe. Die kann ich aber nicht weiter auswerten, weil mir da Anhaltspunkte fehlen.

Wie sehen Sie die Situation an den drei Standorten des Elbe-Elster-Klinikums?

Im Elbe-Elster-Klinikum ist die Lage noch beherrschbar, aber sehr abgespannt und das schon über einen längeren Zeitraum. Es ist jetzt an der Zeit, dass das Land wieder Verantwortung übernimmt im Rahmen einer Steuerungsfunktion zwischen den Krankenhäusern der Grundversorgung, der Regelversorgung und der Spitzenversorgung. Wenn es nötig ist, können dann sofort Patienten umverlegt werden. Damit können Corona-Stationen bei uns entlastet werden, denn mit unserem Personal können wir wegen eines hohen Krankenstandes nicht mehr die Leistungen bringen wie noch zu Beginn des Jahres.

Das Interview mit Christian Heinrich-Jaschinski führte Tim Jäger, rbb.

Der Text ist eine redigierte und gekürzte Fassung. Das Gespräch können Sie oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: Brandenburg aktuell , 4.11.2021, 19:30 Uhr

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