Corona-Pandemie - Laienmusiker in Kittlitz und Vetschau vermissen die Gemeinschaft

Do 09.12.21 | 14:21 Uhr
Heiko Schneider spielt Saxophon im Musikverein Vetschau
Audio: Antenne Brandenburg | 09.12.2021 | Josefine Jahn | Bild: rbb/Rico Herkner

Die Corona-Pandemie wirkt sich auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus. So müssen auch Vereine Treffen, Trainings und Proben einstellen. Das betrifft auch Laienmusiker in Orchestern und Chören. Von Josefine Jahn

Das gemeinsame Singen einmal pro Woche gibt es bis auf Weiteres nicht. Der Kittlitzer Chor-Mix 71 e.V. im Landkreis Oberspreewald-Lausitz mit 29 Mitgliedern verzichtet nicht zum ersten Mal auf das Proben, erklärt Vorstandsvorsitzende Marita Schulz. Schon im letzten Jahr habe man nur ein paar Wochen Adventslieder proben können. In diesem Jahr waren Proben ab Juni bis vor Kurzem im neuen Feuerwehr- und Gemeindehaus möglich.

Der Kittlitzer Chor probt vor der Tür
Chor Kittlitz, Probe vor der Tür | Bild: rbb/Rio Herkner

Nun ist damit wieder Schluss, um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Die Gemeinschaft fehle, sagen übereinstimmend die Chormitglieder. Der Montag ist jetzt ein richtiges Loch, erklärt einer, vor allem fehle der Sozialkontakt. Eine andere Chorsängerin ist traurig, weil nun schon zum zweiten Mal das Weihnachtssingen in einem Pflegeheim ausfallen muss. "Die alten Leute haben sich jedes Jahr so auf das Weihnachtssingen gefreut und es klappt wieder nicht", gibt sie ihre Stimmung wieder.

Vereine stehen für Zusammenhalt

Dadurch, dass die letzten drei Konzerte abgesagt wurden, konzentrieren sich die meisten Chor-Mitglieder jetzt erst einmal auf ihre Booster-Impfungen in der Hoffnung, im nächsten Jahr wie gewohnt miteinander singen zu können. Es gibt aber auch Mitglieder, die nicht geimpft sind. Im Zuge von Meinungsverschiedenheiten alle beisammen und bei Laune zu halten, sei besonders während der Pandemie oberstes Ziel, sagt Martin Neumann, Präsident des Landesblasmusikverbandes Brandenburg, zu dem rund 30 Vereine gehören.

"Nichts wäre schlimmer, wenn Corona nicht nur ein gesundheitliches Problem ist sondern tatsächlich auch Vereine zerstört. Das muss verhindert werden." Vereine seien schließlich keine Arbeitsmaschinen, sondern da gehe es um Zusammenhalt, um Freundschaften. Und das müsse aufrecht erhalten werden, fordert Neumann.

Neumann ist außerdem Vorsitzender des Musikvereins Vetschau. Hier merkt er, wie vor allem in der Kommunikation untereinander neu gedacht werden muss. Es gebe Überlegungen vielleicht mit neuem Notenmaterial alles digital zusammenzuführen, das wäre die nächste Stufe. "Aber es würde reichen, wenn die Leute am Instrument bleiben, wenn man sich also fit hält und versucht, trotzdem in Kommunikation zu bleiben", hofft er.

Melitta Broß vom Musikverein Vetschau, spielt Tenor-Horn
Melitta Broß, Musikverein Vetschau | Bild: rbb/Rico Herkner

Vieles wird auf der Strecke bleiben

Ein Orchester setzt freilich das Zusammenspiel mehrerer Musiker voraus. Jeder kann für sich allein üben, aber das setzt, gerade wenn bei Hobby-Musikern, ein hohes Maß an Disziplin voraus. Saxophonist Heiko Schneider und Tenor-Hornistin Melitta Broß vom Musikverein Vetschau sprechen aus Erfahrung. Jetzt probe jeder allein zu Hause, wenn er sich denn durchringt, das allein zu machen. Vieles, ist sich Schneider sicher, wird wohl auf der Strecke bleiben. Und die Tenor-Hornisten ergänzt, dass gerade beim Blechinstrument der Ansatz schnell verlorengeht. Vergleichbar mit einem Sportler, sagt sie, wenn der lange nicht trainiert, muss er fast wieder von vorn anfangen. Und das ist eigentlich schade, sagt Melitta Broß.

Trotzdem wollen sie dabei bleiben, in der Hoffnung, irgendwann im kommenden Jahr wieder gemeinsam musizieren und im besten Fall vor Publikum auftreten zu können.

Sendung: Kulturradio, 09.12.2021

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