Nötige Entscheidung über Genossenschafts-Fusion vertagt - Stadtumbau von Lauchhammer verschiebt sich

Mi 01.06.22 | 15:22 Uhr
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Leeres Wohn- und Geschäftshaus in Lauchhammer mit eingeschlagenen Fenstern (Foto: rbb/Jußen)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 01.06.2022 | Ralf Jußen | Bild: rbb/Jußen

Geisterstadt oder Wohnen mit Zukunft? Diese Frage wird gerade in Lauchhammer im Süden Brandenburgs diskutiert. Neben sanierten Altbauwohnungen verfallen die Nachbarhäuser. Jetzt braucht es eine Fusion, um zu retten was zu retten ist. Von Ralf Jußen

Die Entscheidung zu einer Fusion der beiden Wohnungsgenossenschaften in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) wurde vertagt - und damit auch die Voraussetzung für den Stadtumbau. Die erste Genossenschaft hatte bereits in der vergangenen Woche für eine Fusion gestimmt. Die zweite Genossenschaft war am Dienstagabend jedoch nicht beschlussfähig, weil zu wenige Mitglieder anwesend waren.

Nun soll am 17. Juni entschieden werden. Dann ist keine Mindestpersonenzahl mehr notwendig, sondern es müssen zwei Drittel der Anwesenden dem Zusammenschluss zustimmen.

Ein heruntergekommenes Haus in Lauchhammer neben einem sanierten (Foto: rbb/Jußen)
Bild: rbb/ußen

Wenn die beiden Wohnungsgenossenschaften fusionieren, gibt es Fördermittel für den Abriss oder die notwendige Sanierung von verfallenen Wohnblöcken in Lauchhammer, hat die Landesregierung angekündigt. In der Stadt gibt es viel Leerstand, Fenster sind zugenagelt, Türen zugemauert oder wurden bereits entfernt. Leere Blöcke warten auf ihren Abriss.

Viel Leerstand und sechs Millionen Euro Schulden

Nach dem Ende der Kohleindustrie 1990 haben mit dem Aus der Brikettfabriken, der Kokerei und der Kraftwerke über 9.400 Menschen Lauchhammer den Rücken gekehrt. Insgesamt 14.200 Einwohner zählte die Stadt im Jahr 2020.

Ein leerer Wohnblock in Lauchhammer, bei dem bereits die Fensterund Türen entfernt wurden (Foto: rbb/Jußen)
Bild: rbb/Jußen

Bei der Generationswohnungsgenossenschaft GWG stehen rund 28 Prozent der Wohnungen leer. Sie sind entweder abrissreif oder finden schlichtweg keine Interessenten. Beim zweiten Vermieter der Stadt, der Wohnungsgenossenschaft "Am Lauch", sind aktuell rund ein Drittel nicht vermietet. Insgesamt stehen in Lauchhammer mehr als 600 Wohnungen leer, für die es keine Nachfrage gibt.

Dazu kommen bei der Genossenschaft "Am Lauch" rund 6,2 Millionen Euro Schulden aus den 1990er Jahren. Einer Entschuldung hat die Landesregierung allerdings schon zugestimmt, das letzte Wort hat nun der Bundesfinanzminister. Es sei jedoch nur eine Formsache, versicherte das Infrastrukturministerium des Landes dem rbb. Zurzeit reichen die Mieteinahmen für den Wohnungsbestand, heißt es von den Genossenschaften. Der Abriss von leeren Blöcken oder eine bedarfsgerechte Sanierung sei nicht finanzierbar.

Erstes Projekt schon in Planung

Dass die einst attraktiven Wohngebiete verfallen, ist schon länger ein Aufregerthema in der Stadt. Das hat das Projekt "Quartiersmanagement" jetzt auch schriftlich. In einer Anwohnerbefragung schneidet die Bewertung des Wohnumfeldes besonders schlecht ab - denn wer will schon jeden Tag aus seiner Wohnung auf eine Ruine blicken, so das Fazit.

Sollte Mitte Juni auch die zweite Genossenschaft der Fusion zustimmen, soll diese im August notariell beglaubigt sein. Ein erstes Projekt ist bereits in der Planung: Ein verfallener Komplex in der Richard-Wagner-Straße soll wieder schick gemacht werden, hat der Bürgermeister Mirko Buhr (parteilos) angekündigt.

Mit Informationen von Ralf Jußen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.06.2022, 16:40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    "Jetzt braucht es eine Fusion, um zu retten was zu retten ist." Nein und nochmals nein.
    Es braucht politischen Willen. Es ist doch irrsinnig, das zwangsweise vergrößert werden muss, was sonst ganz normal gewachsen ist, nur um Fördermittel für den Umbau bzw. wie hier: für den Abriss zu bekommen!
    Bei der einen Gesellschaft 28% bei der anderen 33% Leerstand - Die Gesamtzahl an Wohnungen ändert sich nicht und die unvermieteten auch nicht. Wegen vielleicht 3 Personal-Stellen in der Wohnungswirtschaft und 2 in der Finanzwirtschaft wird zwei selbstständigen Genossen die Fusion verpflichtet.
    Fördergeld aufteilen ist politisch nicht gewollt.

  2. 1.

    Wenn da keiner wohnen will, wird es auch nicht helfen die Häuser zu renovieren.

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