Reicherskreuz im Spree-Neiße-Kreis - Darum haben sich drei Künstler in ein 43-Einwohner-Dorf verliebt

Mi 17.08.22 | 13:17 Uhr
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Dorfteich in Reicherskreuz (Bild: Aline Lepsch/rbb)
Audio: Studio Cottbus | Mi 17.08.22 | Kessler, H. | Bild: rbb/Lepsch

Wer von Lieberose (Dahme-Spreewald) in Richtung Reicherskreuz fährt, hat schnell das Gefühl am Ende der Welt angelangt zu sein. Immer schmaler wird die Straße, erst kommt Jamlitz, dann Leeskow bis irgendwann das Ortsschild von Reicherskreuz auftaucht. Der lange Weg lohnt sich aber, finden zumindest 43 Einwohner - und drei Künstler, die sich mehr oder weniger zufällig dort niedergelassen haben.

Christian und Hendrik Voss - ihres Zeichens Violonist und Ballettänzer - sind schon überall auf der Welt gewesen. Genau das hat ihnen aber irgendwann gereicht. "Es ist besonders schön, wenn man nach Hause kommt, dass man die Ruhe hat", erklärt Christian Voss. "Es ist eine echte Entscheidung, nicht nur hierher zu ziehen, sondern auch die Leute hier zu besuchen", sagt er lachend. Hendrik Voss ergänzt, das Pendeln zur Arbeit nach Berlin habe ihn zunächst belastet. "Mittlerweile schätze ich das, weil ich weiß, nach der Arbeit ist das Ziel das Paradies."

Die Dorfstraße von Reicherskreuz (Bild: rbb/Lepsch)
Die Dorfstraße von Reicherskreuz | Bild: rbb/Lepsch

Hauskauf in 15 Minuten

Viereinhalb Jahre hätten sie nach einem schönen Fleck zum Leben gesucht. Rund um Berlin und sogar bei Nürnberg hätten sie sich umgesehen - und standen plötzlich am östlichen Rand von Brandenburg, in Reicherskreuz. Die Entscheidung, das Haus zu kaufen sei innerhalb von nur 15 Minuten gefallen.

Auch der Maler Claus Stein und seine Frau kamen aus Münster eher zufällig vor neun Jahren in den Ort. "Ich bin irgendwie aus unerklärlichen Gründen unruhig geworden und wollte weg", sagt er. Eigentlich wollte er auf die Kanaren auswandern, doch zwischen die Inserate geriet wohl versehentlich eine Anzeige für eines der Feldsteinhäuser, für die Reicherskreuz bekannt ist. Mittlerweile fühle er sich richtig zuhause.

Auch die Dorfälteste, Martha Mielke, sagt, dass die Künstler mittlerweile voll dazugehören. "Ich bin froh, dass die Leute hier herziehen. Die Natur ist schön rundherum und man versteht sich auch untereinander", erzählt sie. Für Familie Stein hatte sie bei deren Einzug gekocht. Das soziale Gefüge mache das Dorf besonders, sagen auch Christian und Hendrik Voss.

Als "Künstlerdorf" sehen sie Reicherskreuz aber nicht, eher als Individualisten-Dorf, mit vielen Charakteren, mit denen einem niemals langweilig werde und mit denen alles zu stämmen sei. "Und wenn man es nicht heben kann, kommt Benjamin mit dem großen Trecker", sagt Claus Stein lachend.

Das denkmalgeschützte Örtchen scheint die perfekte Mischung zu bieten: alt und traditionsreich aber eben nicht verstaubt und verschlossen. Und alle drei sind sich sicher, ein Besuch lohnt sich, gerade jetzt, wenn die Heide blüht. Allerdings ist zur Zeit keines der Häuser frei.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.08.2022, 15:10 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wir sind 2003 aus Berlin ins Oderbruch gezogen.
    Da gab es noch freie Grundstücke zum Kauf.
    Mittlerweile gibts kaum noch was. 95 % Zugezogene kommen aus Berlin, meistens 2. Wohnsitz. Danach folgen polnische Staatsbürger, die die alten Höfe sanieren.
    90 Km von Berlin sind die Preise derart nach Oben gegangen, von z.B. 50 Tsd vor ca. 15 Jahren auf 225 Tsd € für 600 m2 Land und 90 m2 Wohnfläche.
    Nach der Oderflut kam der GENIALE brandenburger Umweltchef Mchael Freude, auf die Idee, die Bewohner des Oderbruchs könnten doch umgesiedelt werden - 20 Tsd Menschen. Keine Steuereinnahmen - nur hohe Kosten. Dazu die vielen Zugezogenen/ auch Künstler.

  2. 1.

    So beginnt Gentrifizierung. Es fängt u.a. mit Künstlern an. Auch ganz interessant, die ganze Welt bereist und dann in Brandenburg leben wollen. So nehmen die Zugereisten auch Stück für Stück Brandenburg ein.

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