Autokonzert von Sido am 29.06.2020 im Autokino Schönefeld. (Quelle: rbb/Henrike Möller)
Audio: Inforadio | 30.06.2020 | Henrike Möller | Bild: rbb/Henrike Möller

Konzertkritik | Autokonzert von Sido in Schönefeld - Ein Hauch Festivalfeeling

Auch wenn vor der Bühne mehr ging, als auf der Bühne: Sidos Autokonzert am Flughafen Schönefeld war trotzdem eine kleine Entschädigung für den abgesagten Festivalsommer. Zufrieden waren vor allem die Raucher. Von Henrike Möller

Was für eine winzige Bühne! Das ist mein erster Gedanke, als ich am Montagabend um kurz vor acht das Gelände betrete. Noch herrscht ziemliches Chaos. Vor dem Gelände: eine lange Schlange mit Autos. Auf dem Gelände: eine noch längere Schlange vor den Klos.

Interessant ist, was vor der Bühne passiert

Mit fünfzehn Minuten Verspätung legt Sido los. Schwarzer Jogginganzug, schwarze Cap, Sonnenbrille. Hinter ihm ein DJ und zwei Backgroundsänger. Das kann ich allerdings nur deshalb erkennen, weil über der Bühne eine große Leinwand angebracht ist. Zum Glück!

Interessanter ist aber eh, was vor der Bühne passiert. Manche Autos sind innen mit Discokugeln oder Lichterketten dekoriert. Leute mit blinkenden Haarreifen recken sich aus ihren Autofenstern oder schauen oben aus dem Schiebedach heraus. Wieder andere sind gleich komplett ausgestiegen und haben das Autodach zum Bartresen umfunktioniert. Es wird getrunken, getanzt, gegrölt.

Die Security-Leute haben gut zu tun. Immer wieder bitten sie die Besucher, zurück in ihre Autos zu gehen. Woran sich viele nicht halten. Genauso wenig wie an das Hup-Verbot. Gehupt wird vor den Songs, nach den Songs und während den Songs. Egal ob es passt oder nicht: Jeder Song kriegt von den Besuchern eine neue Hup-Zweitstimme dazu komponiert.

Mehr Spaß am Hupen als an Sido

Gefühlt haben die Leute mehr Spaß am Hupen als an Sido. Der zieht auf der Bühne sein Standardprogramm ab, wie man es zum Beispiel auch von seinen Weihnachtskonzerten kennt: seine größten Hits und dazwischen ein bisschen Nonsens-Gequatsche. Immer wenn die Stimmung droht abzuflauen, animiert er die über 900 Autos einfach zum Hupen. Oder zum Blinken. Je dunkler es wird, umso beeindruckender sieht die DIY-Lichtershow aus.

Ein Tipp für Raucher

"Ein richtiges Konzert war es nicht, aber besser als nichts", bilanziert ein Besucher nach anderthalb Stunden Konzert. "Ich hätte erwartet, dass wir mehr draußen sein können und ums Auto tanzen können", bemängelt Nadine aus Eberwalde. Drinnen sitzen und das Konzert nur durch die Scheibe zu erleben, sei langweilig, findet auch eine andere Besucherin. "Wir haben den Tipp bekommen: Solange wir rauchen, dürfen wir draußen stehen", erzählt Steffi aus Lübbenau. Ein Grund für sie, für die Dauer des Sido-Konzertes zur Partyraucherin zu werden. Was sich gelohnt hat, findet sie: "Da war so ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl durch das Mithupen. Wie so eine große Familie. Guck mal, wie sie alle grinsen in den Autos!"

Und nicht nur in den Autos. An den Absperrgittern zum Gelände versammeln sich nach und nach immer mehr Leute und schauen sich das Sido Autokonzert umsonst an. Manche haben sich Campingstühle mitgebracht. Mehr Festivalstimmung kriegt man dieses Jahr wahrscheinlich nicht mehr.

Sendung: Inforadio, 30.06.2020, 8 Uhr

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