Sigmund Jähn, früherer Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, steht vor dem Kosmonautenzentrum in Chemnitz. (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt)
Video: rbb24 | 22.09.2019 | Bild: dpa/Hendrik Schmidt

Erster Deutscher im All - Raumfahrt-Pionier Sigmund Jähn gestorben

Sein Abbild zierte Postkarten, Schulen, Kindergärten, Straßen und Patenbrigadan waren in der DDR nach ihm benannt - jetzt ist der Kosmonaut Sigmund Jähn 82-jährig gestorben. Er war 1978 der erste Deutsche im Weltall und blieb für viele zeitlebens ein Held.

rbb Fernsehen 23.09.2019, 21 Uhr: "Der Mann auf der Salut 6"

Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, ist tot. Der DDR-Kosmonaut starb am Samstag im Alter von 82 Jahren, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntagabend mitteilte.

Jähn war mit der Rakete "Sojus 31" am 26. August 1978 vom sowjetischen Raumfahrtzentrum Baikonur (heute Kasachstan) aus gestartet. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934-2019) war er sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All.

"Mit Sigmund Jähn verliert die deutsche Raumfahrt einen weltweit anerkannten Kosmonauten, Wissenschaftler und Ingenieur", sagte die Vorstandsvorsitzende des DLR, Pascale Ehrenfreund, laut Mitteilung. Jähn habe sich auch immer als Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums verstanden. "Seine Botschaft, für die Erde ins All, werden wir in ehrendem Gedenken bewahren und fortführen."

Reaktionen auf Sigmund Jähns Tod

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Jähn als "Botschafter der Raumfahrt". Als erster Deutscher und einziger DDR-Bürger im All habe er am 26. August 1978 Geschichte geschrieben, erläuterte Steinmeier am Montag im einem Kondolenzschreiben an Jähns Witwe. "Er hatte an diesem Tag vielen Menschen das Gefühl gegeben, zum ersten Mal sei "einer von uns" hinaus ins All geflogen." 

"Die Nachricht vom Tode Sigmund Jähns hat mich tief berührt", sagte Jan Wörner, Generaldirektor der Europäische Weltraumorganisation (Esa). "Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden, die nicht nur die Raumfahrt und seine unermüdliche Unterstützung der europäischen Astronauten betraf."

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke hat Sigmund Jähn als großen und bescheidenen Raumfahrtpionier gewürdigt. In seinem Kondolenzschreiben an Sigmund Jähns Witwe schreibt Woidke: "Er wurde bei den Menschen in der DDR zum Volkshelden, weil er ein Mensch, einer von uns, geblieben ist."

"Sigmund Jähn war ein mutiger Mann", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag. "Und er war ein Pionier, der ein großes Risiko auf sich genommen hat und der damit der Menschheit neue Dimensionen mit erschlossen hat." Jähn habe sein Wissen mit viel Engagement an die Jugend weitergegeben, so Müller. Und er erinnerte an Jähns Sojus-Kommandanten Waleri Fjodorowitsch Bykowski, den er nur um wenige Monate überlebte. Beide seien im All nicht nur Kollegen, sondern Freunde geworden, und beiden wurde die Ehrenbürgerwürde Berlins verliehen. "Ich erinnere mich gut an den bewegenden Moment, als Sigmund Jähn sich im Roten Rathaus ins Kondolenzbuch für seinen russischen Kameraden eingetragen hat. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen, Freunden und besonders bei der um ein prominentes Mitglied trauernden internationalen Familie der Raumfahrer."

"Ganz Deutschland trauert"

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch, sprach Jähns Witwe und den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Bei Twitter schrieb er: "Ein wirklicher Held und doch ein so bescheidener Mensch." CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte Jähn einen echten Pionier. Er habe Millionen junger Menschen inspiriert, über sich hinauszuwachsen und neugierig zu sein. "Ganz Deutschland trauert heute um seinen ersten Mann im All", schrieb Ziemiak bei dem Kurznachrichtendienst. 

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erinnerte sich: "Ich habe ihn als klugen und bescheidenen Sachsen kennengelernt. Wir werden sein Lebenswerk lebendig halten."

Verehrt und doch bescheiden geblieben

Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher ins All.

Der 1937 geborene Sachse Jähn war Oberstleutnant der DDR-Armee NVA. Der gelernte Buchdrucker stammte aus der sächsischen Kleinstadt Morgenröthe-Rautenkranz. Nach der Ausbildung zum Jagdflieger bei den Luftstreitkräften der NVA wurde er von 1976 an in der Sowjetunion mit einem harten Training auf seinen Flug ins All vorbereitet.

Jähn lebte in Strausberg

Nach der Wende wurde er arbeitslos. Später kam er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter und bildete europäische Astronauten im russischen Sternenstädtchen aus.

In seiner vogtländischen Heimatstadt erinnert die Deutsche Raumfahrtausstellung an seinen Weltraumflug. Jähn, der verheiratet war und zwei Töchter hatte, lebte in Strausberg (Märkisch-Oderland) bei Berlin, blieb seiner Heimat aber immer verbunden.

Sigmund Jähn (Quelle: imago images/ITAR-TASS)Sigmund Jähn im Kosmonauten-Anzug

Sendung: Inforadio, 22.09.2019, 21:20 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich weiß noch, wie wir in der Schule eine riesige Wandzeitung über den "Fliegerkosmonauten" angefertigt haben! Auch heute genießt er meine Achtung, genau wie damals! Ein toller Mann mit Bodenhaftung, ich habe meinen Kindern heute erzählt, wie ich es damals erlebt habe und jedes Kind, mit glänzenden Augen, von Raketen gesprochen hat.

  2. 11.

    Ich weiß noch, wie wir in der Schule eine riesige Wandzeitung über den "Fliegerkosmonauten" angefertigt haben! Auch heute genießt er meine Achtung, genau wie damals! Ein toller Mann mit Bodenhaftung, ich habe meinen Kindern heute erzählt, wie ich es damals erlebt habe und jedes Kind, mit glänzenden Augen, von Raketen gesprochen hat.

  3. 10.

    Leider wurde seine Leistung, erster Deutscher im All gewesen zu sein, in Westdeutschland nie gewürdigt und teils sogar ins Lächerliche gezogen. Auch nach der Wiedervereinigung wurde das nie wirklich zurecht gerückt. Jähn war ein sehr sympathischer, aufrechter und zurückhaltender Typ, der wirklich nur für Raumfahrt und Fliegerei vom Boden abgehoben ist. Das Museum in Morgenröthe-Rautenkranz ist übrigens absolut sehenswert, die Umgebung sowieso. Jähn wird in seiner ruhigen und angenehmen Art fehlen.

  4. 9.

    Ich kenne ihn seit meiner Kindheit und bin Stolz darauf ihn persönlich kennengelernt zu haben. Eine solch grosse Persönlichkeit und immer ein offenes Wort , nie abgehoben. Er wird immer ein Teil meines Lebens sein. Er wird in den Köpfen weiter Leben. Er hat Geschicht geschrieben. Alles liebe seinen Angehörigen.

  5. 8.

    "nicht mehr konkurrenzfähig" Die Amerikaner sind heute darauf angewiesen, bei den Russen die Triebwerke für ihre zivile und teils militärische Raumfahrt einzukaufen, weil sie's selbst nicht auf die Reihe kriegen. So viel zur Konkurenzfähigkeit.

    https://www.deutschlandfunk.de/russische-triebwerke-fuer-amerikanische-raketen-embargo-ja.732.de.html?dram:article_id=401201

    Und ob es technisch und ökonomisch sinnvoll ist, daß Menschen dauerhaft auf dem Mond leben, sei mal dahingestellt.

  6. 7.

    Ich hatte das Glück Sigmund und sein guten Freund Eberhard Köllner, im April diesen Jahres in Dresden mit alten Fliegerkameraden zu treffen und zu sprechen...er machte immer noch einen guten Eindruck und konnte sich vorstellen noch einmal an dem nächsten ASE Congress der Raumfahrer im nächsten Jahr in Budapest teilzunehmen...er hat viel getan für die Raumfahrt in Deutschland und nun folgt er seinem Kommandanten Valery...zum letzten Flug

  7. 6.

    Ach Mensch Siggi... Held meiner Kindheit. Den Himmel hast du ja schon einmal gesehen. Jetzt bist du wieder dort... für immer. Ich werde dich nicht vergessen, auch unsere kurze Begegnung Anfang der 1980er Jahre in Erlbach nicht.

  8. 5.

    Schade, dass die bemannte Raumfahrt weitgehend eingestellt wurde nachdem die Sovietunion nicht mehr konkurrenzfähig war. Hätten wir auf dem gleichen Niveau wie zu Zeiten des Apollo Programms weiter Geld reingesteckt würden heute sicher schon Menschen dauerhaft auf dem Mond leben.

  9. 4.

    Das ist absolut traurig - Jähn hat Großes geleistet, und wurde leider im Westen gar nicht so verehrt, wie er es verdient hätte. Nunja, 1978 war nachrichtentechnisch auch noch nicht wirklich twitter und co am Werk, der Mann im All - vor dem Medienhype.

    Man könnte jetzt ein bisschen Ehre nachholen, Hindenburgdamm, oder Kaiserdamm würden sich direkt anbieten. Vor allem nach den unsäglichen Forderungen der Preussen. Sigmund-Jähn-Allee?

  10. 3.

    Ich bin unendlich traurig. Ein wunderbarer Mensch geht von uns. Ich habe ihn mal in Strausberg und in Düsseldorf getroffen - bescheiden, klug, fröhlich, offen. Als er in Düsseldorf war und sagte er kommt aus Morgenröthe-Rautenkranz, war die Meinung dem Namen nach muss der Ort wunderschön sein. Ja!

  11. 2.

    Wir trauern um einen großen Kosmonauten. Er wurde auch im Westen immer im gleichen Atemzug wie Ulf Merbold genannt.

  12. 1.

    Oh nein! Ein bescheidener und durch und durch sympathischer Mensch. Er hat in der Bundesrepublik nie die Würdigung erfahren, die er verdient hätte. RIP Sigmund!

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